Wahlen in Italien: Silvio Berlusconi ist gefährlich alternativlos

KommentarWahlen in Italien: Silvio Berlusconi ist gefährlich alternativlos

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Bei der aktuellen Stimmung in Italien wäre es nicht verwunderlich, wenn Silvio Berlusconi wieder Präsident von Italien wird

von Frank Doll

Das Niveau der politischen Klasse in Italien ist kaum noch zu unterbieten. Unter den großen Parteien gibt es keine echte Alternative zu Silvio Berlusconi. In der Aktienkursentwicklung der Medienholding Mediaset deutet sich ein Comeback des Cavaliere an.

Die italienischen Parlamentswahlen an diesem Wochenende sind entscheidend für Europa und die Finanzmärkte. Sollte Cavaliere Silvio Berlusconi und seine politischen Partner auch nur in die Nähe der Macht kommen, prophezeien Analysten der Nordea Bank den europäischen Aktienmärkten einen Kursrutsch um 15 Prozent. Der Einbruch der italienischen Anleihekurse wäre wohl noch dramatischer. Der italienische Staatsanleihenmarkt ist der drittgrößte Anleihenmarkt der Welt. Die Renditen dort könnten über das bisherige Krisenhoch von sechs Prozent hinaus schießen.

Das Niveau ist kaum zu unterbieten

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Unter Berlusconi ist das italienische Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um vier Prozent gefallen und die Staatsschuldenquote von 109 auf 120 Prozent gestiegen. Normalerweise hätte ein Kandidat mit einer derart desolaten Leistungsbilanz null Chancen auf eine Rückkehr ins Amt. Zumal Berlusconi im vergangenen Jahr in erster Instanz wegen Steuerbetruges zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt wurde. Aber was ist schon normal in Italien? Die politische Klasse gewiss nicht. Ihr Niveau ist kaum noch zu unterbieten.

Ein kleiner Lichtblick war Mario Monti. Doch im Wahlkampf durchlief der Technokrat eine bemerkenswerte Metamorphose. Der Politiker Monti will plötzlich Steuern senken und geht auf Distanz zu den Reformen, die er als Premier von Brüssels Gnaden durchgeboxt hatte. Seine Allianz mit Pier Luigi Bersani kostete ihm in der politischen Mitte viele Sympathien. Bersanis Partito Democratio wird für die Beinahe-Pleite der Banca Monte dei Paschi di Siena verantwortlich gemacht. Die Rettung der ältesten noch existierenden Bank der Welt kostete den italienischen Steuerzahler bereits mehrere Milliarden Euro.

Wissenswertes über Italien

  • Italiener leben lang – und ungesund

    Das Klima und die mediterrane Küche sind wohl ausschlaggebend für die hohe Lebenserwartung der Italiener. In Europa führen sie die Liste aller OECD-Staaten an, weltweit belegen sie den zweiten Platz. Die Lebenserwartung beträgt bei Frauen circa 83 Jahre, bei Männern 78 Jahre. Ungefähr 19 Prozent der Italiener sind älter als 65 Jahre.

    Dennoch ist auch im Stiefelstaat der Trend zum Übergewicht festzustellen. Italien hat der adipösen Gesellschaft den Kampf angesagt und so gibt es in Italien einige Krankenhäuser, die sich ausschließlich um fettleibige Patienten kümmern.

  • Das sind die reichsten Italiener

    Der Süßwarenfabrikant Michele Ferrero ist der reichste Mann Italiens. Sein Vermögen wird auf 17 Milliarden Dollar geschätzt. Leonardo Del Vecchio, Gründer von Luxottica, folgt auf Rang zwei.

  • Verkaufsschlager Wein und Öl

    Die italienische Landwirtschaft spielt insgesamt keine große Rolle. In zwei Bereichen sind die Italiener dennoch Weltspitze: So produzierte das Land 2010 rund 44,8 Millionen Hektoliter Wein. Nur Frankreich stellt mehr Wein her. Außerdem ist Italien, nach Spanien, der zweitgrößte Erzeuger von Olivenöl.

  • Italiens beste Kunden

    Italiens Handelspartner befinden sich in direkter Nähe zu dem Land. Deutschland ist der wichtigste Partner, gefolgt von Frankreich. Italiens Produkte erfreuen sich besonders in Großbritannien, Spanien und den USA großer Beliebtheit. Importiert wird aus den Niederlanden, China, Libyen und Russland.

  • Was kann Italien besser als Deutschland?

    Eindeutig Brillen herstellen! Denn Luxottica, mit Sitz in Agordo (Provinz Belluno) ist der weltgrößte Brillenhersteller. Seit 1995 kauft das italienische Unternehmen US-Marken wie Ray-Ban und Oakley auf.

  • Italiens "Blaue Banane"

    Mailand, Turin und Genua sind die größten Wirtschaftszentren Italiens. Sie sind Teil des europäischen Wirtschaftsraumes, der durch neun Länder führt und "Blaue Banane" heißt. Zentrale Einrichtungen der Europäischen Union und 20 Weltstädte befinden sich in der Zone. Hier sind die Bevölkerung, die Wirtschaft, das Kapital und die Infrastruktur sehr gut verwoben und bilden somit eine wirtschaftliche Achse Europas. Vergleichbar ist dieser Wirtschaftsraum mit BosWash in den USA.

  • Die kuriosesten Gesetze

    Kuriose Gesetze sind in Italien keine Seltenheit. So müssen Hunde dreimal täglich Gassi gehen. Die Polizei darf sich bei den Nachbarn auch erkundigen, ob dies eingehalten wird. Hohe Geldstrafen sind ausgesetzt, wer sich nicht an die Gesetze halten will. Wer sich in der Lombardei abends auf einer Bank ausruhen will, muss sich vergewissern, dass nicht mehr als drei Personen Platz nehmen. Denn in einem öffentlichen Park ist dies streng reglementiert.

  • Reich an Kultur

    Italien ist das Land mit den meisten Welterbestätten. Italien ist in Besitz von 100.000 Denkmälern. Darunter befinden sich nicht nur Kirchen, Galerien und Schlösser. Auch archäologische Funde, Brunnen und Villen fallen unter den Denkmalschutz.

Gleiches gilt für die "Anti-Parteien"-Partei von Beppe Grillo. Ihr wird aber ein Stimmanteil von bis zu 20 Prozent zugetraut. Damit wäre sie die zweitstärkste Partei des Landes. Der 63-jährigen Komiker Grillo hat seinen Wahlkampf ganz auf die Verunglimpfung der politischen Klasse konzentriert. Das Abschneiden seiner Partei entscheidet unter anderem darüber, ob Bersani und Monti genügend Sitze für eine stabile Regierungsmehrheit zusammenbekommen.

Weitere Artikel

Was schon jetzt ziemlich fest steht: Ein reformfeindlicher Anti-Euro-Block wird mindestens 45 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die nächste Regierung wird sich also entweder mit einer starken Anti-Euro-Opposition auseinandersetzen müssen oder sie kommt gleich selbst aus diesem Lager. Dem OMT-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) droht der Lackmustest.

Da Umfrageergebnisse kurz vor der Wahl nicht mehr veröffentlicht werden dürfen, bleibt Anlegern nur der Blick auf den Aktienkurs von Mediaset, dem TV- und Unterhaltungskonzern des Cavaliere. Mediaset wäre der große Gewinner eines Berlusconi-Comebacks. Die Aktie legte seit November im Kurs stramm zu und zeigte sich vom jüngsten Kurseinbruch der Börse Mailand weitgehend unbeeindruckt. Bei einer Rückkehr Berlusconis an die Regierungsspitze gewännen zumindest die EU-Gipfeltreffen wieder an Unterhaltungswert.

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