Wahlfavorit in der Ukraine: „Schoko-König“ Poroschenko will den Frieden retten

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Wahlfavorit in der Ukraine: „Schoko-König“ Poroschenko will den Frieden retten

von Florian Willershausen

Der Oligarch Petro Poroschenko liegt im Rennen um die Präsidentschaft in der Ukraine vorn. Auch wenn Wähler im Osten die Wahl boykottieren – die Wiedervereinigung des Landes ist dem Milliardär durchaus zuzutrauen.

Im Krieg mit Russland befand sich der Unternehmer Petro Poroschenko bereits lange bevor Putins „grüne Männchen“ auf der Krim einfielen und Stunk in der Ost-Ukraine machten. Sein Scharmützel mit den Russen begann im Spätsommer vergangenen Jahres, als die russische Veterinärbehörde den Import seiner „Roshen“-Schokolade verbot. Poroschenko, der sein Vermögen in Höhe von knapp einer Milliarde Euro der Massenproduktion von Süßwaren verdankt, lieferte bis dahin rund 40 Prozent seiner Schokolade nach Russland. Die Ausfälle diktieren ihm bis heute rote Zahlen in die Bücher und zwangen den 48-Jährigen, die Produktion zu drosseln.

Insofern war der „Schokokönig“ das erste Opfer von Putins neuer Geopolitik. Was durchaus dafür spricht, dass Moskau dem parteilosen Poroschenko einigen Einfluss auf die Politik in Kiew zutraut. Als ihm die russischen Lebensmittelhüter die Einfuhr verweigerten, hoffte man im Kreml wohl, das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine könnte mit sanftem Druck auf einzelne Oligarchen elegant abgebogen werden. Konnte ja keiner wissen, dass die Absage des Abkommens vonseiten des mittlerweile verjagten Präsidenten Viktor Janukowitsch zum Auslöser für Proteste gegen Willkürherrschaft wurde – welche so sehr eskalierten, dass nun ein Bürgerkrieg droht.

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Quelle: dpa

In dieser angespannten Situation hat Petro Poroschenko vieles richtig gemacht. Er knickte nicht ein vor den Einfuhrstops der Russen und blieb dabei, das wirtschaftlich hilfreiche Abkommen mit der EU zu unterstützen. Auf dem Maidan in Kiew, der als Protest gegen die Raffgier der Politiker begann und unter diesem Motiv auch vielen Menschen im Osten imponierte, blieb Poroschenko in der zweiten Reihe. Er finanzierte die Suppenküchen auf dem Unabhängigkeitsplatz, ließ nach den tödlichen Schießereien mit der Polizei aber auch ramponierte Gebäude wieder herrichten. Vor allem hält er sich fern vom rechtsextremen Parteien wie „Swoboda“ - und betont vielmehr, dass es „ohne einen Dialog mit Russland keine Sicherheit für die Ukraine geben wird“. Das ist vernünftig.

An diesem Sonntag will sich Petro Poroschenko zum Präsidenten der Ukraine wählen lassen. Es ist ihm zu wünschen, dass er dies im ersten Wahlgang schafft – und eine dreiwöchige Hängepartie bis zur Stichwahl vermieden werden kann. Landesweiten Umfragen zufolge liegt der politische Wendehals, der sowohl Janukowitsch als auch seiner Gegenkandidatin Julia Timoschenko in verschiedenen Ministerämtern diente, bei rund 50 Prozent. Zwar werden in einigen Städten des Ostens keine Wahlen möglich sein. Doch seit sich der dort mächtige Oligarch Rinat Achmetow klar gegen die Blockade der Separatisten positioniert, dürfte eine teilweise Abstimmung gelingen. Das ist wichtig für die Legitimität des neuen Präsidenten.

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Schwierige Aufgaben warten auf Poroschenko. Er muss ein Land einen, das von Propaganda auf beiden Seiten völlig zerrissen ist: Im Osten glauben die Menschen, Kiew würde von Faschisten gesteuert, die am Gängelband der USA hängen. Der Westen denkt, die Ost-Ukrainer seien allesamt gewalttätige Separatisten, die sich gegen die Einheit des Landes stellen und dessen Anschluss an Russland fordern. Beides ist Unsinn, der über mediale Propaganda fürchterlich effizient verbreitet wird. Auf Poroschenko liegt nach der Wahl die Verantwortung, mit viel Kommunikation und Fingerspitzengefühl den Osten und Westen des Landes wieder zusammenzuführen.

Hierfür ist der Schokozar ein geeigneter Mann. Er stammt aus der Nähe von Odessa, wo vorwiegend Russisch gesprochen wird. Er hat im Osten und Westen viele Arbeitsplätze geschaffen, was die Ukrainer zu schätzen wissen. Vor allem gilt er als relativ unbefleckt in puncto Korruption, derweil er für marktwirtschaftliche Reformen und eine Modernisierung der ukrainischen Wirtschaft eintritt. Wenn er diese mit Hilfe einer verantwortungsvollen Technokraten-Regierung durchbringt und das Land sichtbar zurück zu Wachstum steuert, könnte er in einiger Zeit auch den Osten mitnehmen.

Vor dem Hintergrund der allgemeinen Kriegsgefahr in Osteuropa kann man ihm hierbei nur ganz viel Glück und Erfolg wünschen!

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