Wahlkampf in Griechenland: Linke und Konservative gleich auf

Wahlkampf in Griechenland: Linke und Konservative gleich auf

Thriller-Wahlkampf in Griechenland: Die beiden großen Parteien sind in Umfragen fast gleich stark. Viele wünschen sich eine große Koalition - trotz konträrer Weltanschauungen der Linkspartei und der Konservativen.

Knapp zwei Wochen vor der Parlamentswahl in Griechenland zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Nach mehreren Umfragen liegen das Linksbündnis Syriza von Regierungschef Alexis Tsipras und die konservative Partei Nea Dimokratia (ND) von Evangelos Meimarakis etwa gleichauf.

Eine am Sonntag in der Zeitung „To Vima“ veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kapa Research ergab für Syriza 26,5 und für Nea Dimokratia 25,9 Prozent. Etwa jeder dritte Befragte sprach sich für die Bildung einer großen Koalition aus, 25,9 Prozent forderten zusätzlich die Beteiligung anderer gemäßigter Parteien.

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In Griechenland sind am 20. September Neuwahlen geplant. Beim Votum am 25. Januar hatte Syriza mit 36,3 Prozent der Stimmen vor den Konservativen mit 27,6 Prozent gelegen.

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

  • Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

    "Letztendlich entscheidet das Referendum am Sonntag darüber, ob Griechenland in der Währungsunion bleibt. Wenn sich die Griechen dafür aussprechen, kann die Staatengemeinschaft ein solch demokratisches Votum nicht übergehen. Dann werden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Bei einem negativen Votum kommt es dagegen zum Grexit. (...) Bis dahin tobt ein Nervenkrieg. Die Kapitalverkehrskontrollen reichen zunächst erst einmal aus, um das Schlimmste zu verhindern. Aber die Kontrollen behindern die Wirtschaft, ebenso wie die von der Syriza geschaffene Unsicherheit. Das ist wirtschaftlich ein verlorenes Jahr für Griechenland. Für Deutschland spielt das keine Rolle. Nicht einmal ein Prozent der deutschen Exporte gehen dorthin."

  • Marc Tüngler, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

    „Natürlich wird der Dax zunächst leiden, aber fundamental ist die Wirtschaft in Takt (...) Der Rückschlag wird nicht von Dauer sein."

  • Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

    "Für Griechenland wird es jetzt ganz schwierig. Europa versucht, den Schaden für andere Euro-Länder zu begrenzen. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit gelingen. Die EZB hat bereits erklärt, dass sie die Lage an den Finanzmärkten genau verfolgt und notfalls eingreifen wird. Bei größeren Turbulenzen, die der Konjunktur gefährlich werden könnten, könnte die EZB ihre Anleihekäufe zeitlich nach vorne ziehen oder aufstocken. Sie könnte auch Anleihen bestimmter Länder wie Spanien und Italien früher kaufen. Sie könnte noch deutlicher darauf verweisen, dass es das ultimative Sicherheitsprogramm - das sogenannte OMT-Programm - auch noch gibt."

  • Nicolaus Heinen, Deutsche Bank

    "Mit einer solchen Wendung haben nur wenige gerechnet. Kapitalverkehrskontrollen, vor allem aber die hohe Unsicherheit der kommenden Wochen und Monate dürften die letzte Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung in Griechenland zunichte machen. Ein Staatsbankrott Griechenlands bedeutet nicht automatisch Grexit. Im besten Fall könnten die Entwicklungen dieser Tage nun dazu führen, dass Europa einen Insolvenzmechanismus für Staaten entwickelt - ganz so, wie die erste Griechenlandkrise vor fünf Jahren zu einem Rettungsmechanismus für Staaten führte. Spannend bleibt, ob und wie andere populistische Kräfte in Europa von den Entwicklungen profitieren. Die Polarisierung zwischen etabliertem Lager und Populisten dürfte in den kommenden Monaten weiter steigen."

  • Johannes Mayr, BayernLB

    "Weder der Grexit noch die Staatspleite sind zwingend. Es hängt sehr davon ab, wie das Referendum ausgeht. Wenn es zu einer Ablehnung kommt, wäre Griechenland auf schiefer Ebene unterwegs in Richtung Euro-Abschied. Die EZB hat die Kapitalverkehrskontrollen praktisch erzwungen, indem sie die Notfallkredite an griechische Banken nicht weiter erhöht hat. Wenn die EZB sie wieder aufstockt nach einem positiven Votum der Griechen, dann wären sie in diesem Umfang nicht mehr notwendig. Die Folgen für die Wirtschaft sind sehr negativ. Durch die Kapitalverkehrskontrollen werden die Geschäfte von Unternehmen und deren Abwicklung über die Banken behindert. Das dürfte die Konjunktur weiter beschädigen.

    Die direkten Folgen für die Wirtschaft in der Euro-Zone und Deutschland dürften begrenzt sein - Griechenland ist zu klein, die Handelsverflechtungen zu gering. Man muss aber abwarten, wie stark die Marktturbulenzen sein werden. Denn die könnten auf die Realwirtschaft durchschlagen."

In einer Umfrage, die in der Zeitung „Ethnos“ veröffentlicht wurde, kommen Tsipras' Partei auf 24,4 Prozent und die Konservativen auf 24 Prozent. In einer anderen Erhebung vom Wochenende können beide Parteien mit etwa 27 Prozent der Wählerstimmen rechnen. „Thriller-Wahlkampf“, titelte die Zeitung „Kathimerini“.

Auch im Rennen um den dritten Platz ist alles offen: Die Rechtsextremisten der Goldenen Morgenröte liegen laut Umfragen zwischen 5,9 und 6,5 Prozent und damit klar über der Drei-Prozent-Hürde. Die Kommunisten kommen auf 4,8 bis 6 Prozent und die Parteien der politischen Mitte, To Potami und die Sozialisten, jeweils auf 5,1 bis 5,5 und 4,5 bis 5,8 Prozent.

Weitere Artikel

Die von Syriza abgespaltene Linkspartei Volkseinheit (LAE) liegt laut Umfragen bei vier Prozent. Die Protestpartei Union des Zentrums käme auf einen Wert zwischen 3,6 und 4,5 Prozent.

Zittern muss der bisherige Koalitionspartner der Syriza, die rechtspopulistische Partei der Unabhängigen Griechen (Anel). Sie bekommt derzeit laut Umfragen zwischen 1,5 und 3 Prozent.

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