Wahlkampfhilfe: Merkels kalkulierte Zuneigung

KommentarWahlkampfhilfe: Merkels kalkulierte Zuneigung

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Angela Merkel und Nicolas Sarkozy beim gemeinsamen Interview

von Henning Krumrey

Angela Merkel unterstützt den französischen Staatspräsidenten im Wahlkampf, weil er für ihre Europapolitik der günstigste Kandidat ist.

So viel Emphase ist selten bei Angela Merkel. Im deutsch-französischen Fernsehinterview bekannte die deutsche Kanzlerin Seite an Seite mit dem Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, beide arbeiteten nicht nur „aus historischer Verantwortung“ so prima zusammen, sondern auch „aus persönlicher Zuneigung“. Schon immer habe es zwischen den Chefs beider Länder gut geklappt. Kurz: Nach der jahrhundertelangen Feindschaft herrsche heute Freundschaft, „eine Geschichte, die ein Wunder ist für die Menschen“.

Wenn Angela Merkel früher emotional über den Gegenpart in Paris sprach, dann meistens, wenn sie sich aufregte über nicht gehaltene Absprachen oder wenn sie den Hobby-Napoleon in kleinem Kreis von Vertrauten, Kabinettskollegen oder Unionsabgeordneten täuschend echt imitierte. Und die nüchterne Uckermärkerin, die mit dem eitlen Nachbarn eigentlich „nüscht“ gemein hat, amüsierte sich dabei oft fast genauso wie ihre Zuhörer.

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Seite an Seite

Doch die aktuelle gefühlige, ja warmherzige Unterstützung für Sarkozy entspringt Merkel-typisch einem ganz rationalen Kalkül: Mag der Gernegroß im Elyséepalast auch noch so unzuverlässig sein und noch so viele kleine Alleingänge planen: Für die Europapolitik der Kanzlerin ist der Bürgerliche allemal verträglicher und kalkulierbarer als sein Konkurrent, der Sozialist Francois Hollande.

Denn in der großen Linie sind sich Merkel und Sarkozy mit Blick auf die weitere Zukunft der Europäischen Union und der Eurogruppe allemal näher. Merkel hat sich, ganz Erbin all ihrer Vorgänger im Kanzleramt, der Doktrin verschworen, dass Deutschland und Frankreich in der Europapolitik möglichst eng Seite an Seite marschieren müssten. Nicht nur, um in der Gemeinschaft Fortschritte zu erreichen, sondern auch, um Schlimmeres zu blockieren.

Umso erschreckter hatten die Außenpolitiker im Bundeskanzleramt und die Diplomaten im Auswärtigen Amt registriert, dass Sozialist Hollande mit seinen Wahlversprechen einen Kurs einschlug, der die gemeinsame Währung weiter schwächen könnte. Vor allem kündigte Sarkozys Gegenkandidat an, dass er den gerade erst verhandelten Fiskalpakt wieder aufschnüren wolle; auch der Druck auf Eurobonds würde mit ihm erheblich steigen.

Ob das Engagement der Kanzlerin für den oft schwierigen Kollegen diesem beim Nachbarvolk helfen wird, ist eher zu bezweifeln. Gerade in den Zeiten der Krise ist bei den Franzosen zwar die heimliche Bewunderung für den starken rechtsrheinischen Nachbarn gewachsen, aber auch der Neid. Und vor allem: Die Deutschen nerven. Denn die gelten nicht nur als ewige wirtschaftspolitische Besserwisser, sie sind seit Jahren eben auch Bessermacher. Nun ausgerechnet die Teutonen als Vorbilder präsentiert zu bekommen, gefällt nicht jedem in der „grande nation“.

Le Pen wäre größeres Übel

Merkel aber treibt noch eine andere Sorge um: Angesichts der schwachen Umfragewerte von Sarkozy besteht sogar die Gefahr, dass es der angeschlagene Präsident nicht einmal bis in die Stichwahl schafft. Dann stünden sich dort Hollande und die Kandidatin der rechtsextremen Front National gegenüber, Marine Le Pen, die Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen. Das Risiko: Mit den Sarkozy-Stimmen aus dem ersten Wahlgang hätte die National-Kandidatin in der Stichwahl sogar Siegchancen.

Eine Präsidentin Marine Le Pen, die nicht wie Hollande Euro-skeptisch sondern erklärt anti-europäisch denkt, wäre für Merkel das größte aller Übel. Schließlich wüchse dann der innenpolitische Druck auf die Kanzlerin enorm, die enge Kooperation mit Frankreich einzustellen – mit völlig unabsehbaren Folgen für das Projekt Europa.

 

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