Wechsel nach Berlin: Asmussen setzt auf Familie - und ein bisschen Politik

Wechsel nach Berlin: Asmussen setzt auf Familie - und ein bisschen Politik

, aktualisiert 17. Dezember 2013, 13:00 Uhr
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huGO-BildID: 34318548 FILE - In this Aug. 21, 2013 file photo Joerg Asmussen, one of the ECB's six executive board members speaks during a news conference after his meeting with Greek Finance Minister Yannis Stournaras in Athens, Greece. Asmussen is becoming a deputy labor minister in Chancellor Angela Merkel's new government. Asmussen, who has two young children, cited personal reasons. (AP Photo/Petros Giannakouris, File)

von Saskia Littmann

Jörg Asmussen hat nach seinem Wechsel aus dem EZB-Direktorium ins Arbeitsministerium erneut betont, seine Entscheidung habe ausschließlich familiäre Gründe. Spekulationen über politische Ambitionen gibt es trotzdem.

Die Überraschungspersonalie der neuen Großen Koalition war nicht Ursula von der Leyen als erste weibliche Verteidigungsministerin. Viel mehr war es Jörg Asmussen, der sich von seinem bisherigen Amt als Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzieht und stattdessen Staatssekretär im Arbeitsministerium wird. Ein vergleichsweise ruhiger, weniger beachteter Posten. Statt mit der Rettung des Euro dürfte er sich künftig mit der Einführung des Mindestlohns in Deutschland beschäftigen. Ein Rückzug oder einfach eine neue Herausforderung? Warum tauscht Asmussen seinen Schreibtisch im Frankfurter Eurotower unter EZB-Chef Mario Draghi gegen eine Anstellung im politischen Berlin unter der neuen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD)?

Offiziell nannte der 47-jährige Asmussen familiäre Gründe für die Entscheidung. "Die Gründe für diesen Schritt sind rein privater, familiärer Natur", teilte der Familienvater am Sonntagabend mit. Der Dienstsitz der EZB in Frankfurt und die häufigen Dienstreisen seien mit dem Familienwohnsitz in Berlin und insbesondere seinen sehr jungen Kindern auf Dauer nicht vereinbar, erklärte Asmussen. Der Ökonom hat zwei Töchter. Andere Gründe, betonte Asmussen, habe es für diesen Schritt nicht gegeben.

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Das bestätigte Asmussen in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erneut. Es sei ihm bewusst, dass es als ungewöhnlich empfunden werde, wenn sich ein Mann für seine Familie entscheide, sagte künftige Staatssekretär. "Ich habe das Angebot gerne angenommen", so Asmussen.

Eigentlich sollte der Volkswirt seinen Posten im sechsköpfigen Direktorium der EZB, in dem er seit Anfang letzten Jahres saß, bis Ende 2019 behalten. Als Nachfolger sind drei Frauen im Gespräch, die Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger, BaFin-Chefin Elke König und die Vorsitzende des Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Buch. Insbesondere Lautenschläger kann sich offenbar Hoffnungen auf den angesehenen Posten machen. Gerade aufgrund des hohen Prestiges, den die Position im EZB-Spitzengremium mit sich bringt, wird viel über die wahren Gründe für Asmussens vorzeitigen Abgang spekuliert. Zieht der zielstrebige Asmussen, der lieber im Hintergrund agiert, sich wirklich nur für seine Familie zurück?

"Offenbar sind keine geldpolitischen Konflikte der Auslöser für Asmussens Umzug nach Berlin", schreibt ING Diba-Volkswirt Carsten Brzeski. Auf den ersten Blick klingt Asmussens Schritt plausibel. Er hat ein Leben auf der Überholspur geführt, ist von Termin zu Termin gehetzt, war als "Außenminister" des EZB-Direktoriums auf vielen Dienstreisen unterwegs. Da bleibt für die Familie wenig Zeit. Warum also sollte sich Asmussen nicht mehr Zeit für seine Frau und seine Kinder nehmen. Die sind schließlich nur einmal klein.

Zweifler unken dennoch über mögliche geldpolitische Uneinigkeiten in der EZB. Asmussen ist nicht der erste Deutsche, der in Europas Notenbank vorzeitig das Handtuch wirft. Bisher hat nur der ehemalige Chefvolkswirt Otmar Issing seine Amtszeit zu Ende gebracht. Sein Nachfolger Jürgen Stark, Axel Weber und jetzt auch Asmussen verließen den Frankfurter Eurotower vorzeitig. Allerdings hat Asmussen die Politik seines Chefs Mario Draghi immer verteidigt. Während sein EZB-Ratskollege und Freund, Bundesbankchef Jens Weidmann, die expansive Geldpolitik teilweise offen kritisierte, hielt Asmussen sich zurück. Zuletzt wurde die Kritik an der EZB lauter, sie würde sich mit ihrer Geldpolitik vor allem nach den Südländern richten. Neben Weidmann galt Asmussen als wichtiger Vertreter der Nordeuropäer. Klagen seinerseits über entsprechende Ungleichgewichte in der Notenbank sind allerdings nicht bekannt. Trotzdem wollen einige wissen, Asmussen habe gegen die letzte Zinssenkung der EZB gestimmt und sei mit der Entscheidung nicht einverstanden gewesen.

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