Weltwirtschaft: Die Krise hat die Schweiz erreicht

Weltwirtschaft: Die Krise hat die Schweiz erreicht

von Elke Pickartz

Lange zeigte sich die Schweizer Wirtschaft von den Turbulenzen im Euro-Raum wenig beeindruckt. Nun wird das Land von der Krise eingeholt.

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Eiserner Wille. Die Schweizer Notenbank interveniert.

Es gibt ein Land in Europa, da scheint die Welt in diesen Krisenzeiten noch in Ordnung zu sein: Die Schuldenquote liegt unter 40 Prozent, die Arbeitslosenquote bei vier Prozent, die Inflation geht gegen null. Der Risikoaufschlag zur zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei minus 1,3 Prozentpunkten, was so viel heißt, dass Anleger hierhin ihr Geld noch lieber tragen als nach Deutschland. „Sicherer Hafen“ und „Stabilitätsanker“ sind denn auch die Attribute, die in diesen Tagen immer wieder fallen, wenn von der Schweiz und ihrem Acht-Millionen-Volk im Herzen Europas die Rede ist. Die „Financial Times“ titelte: „Ein Alpengipfel, zu dem die Euro-Zone emporschauen kann.“

Diagramm: Solide Eidgenossen Quelle: IWF

Diagramm: Solide Eidgenossen (zum Vergrößern bitte klicken)

Bild: IWF

Der Erfolg der Eidgenossen kommt nicht von ungefähr. Ein hohes Maß an Wettbewerbsfähigkeit und politischer Streitkultur hätte die Schweiz dahin gebracht, wo sie heute steht, urteilt die Mainzer VWL-Professorin und Schweizer Ökonomin Beatrice Weder di Mauro. Hoch produktive Unternehmen vor allem in den Branchen Maschinenbau, Feinmechanik und Chemie, ein flexibler Arbeitsmarkt und jahrzehntelange Haushaltsdisziplin sind Eckpfeiler dieser Erfolgsstory. Es waren die Schweizer, die 2001 per Volksabstimmung als erstes Land in Europa eine Schuldenbremse in ihrer Verfassung verankerten. Deutschland, das sich gern als europäischen Stabilitätswächter sieht, hat ein vergleichbares Konzept erst 2009 beschlossen.

Euro-Krise bedroht die Schweiz

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Während im Euro-Raum die Schuldenstände in den vergangenen Jahren immer weiter anstiegen und zuletzt durchschnittlich 88 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichten, gingen sie im Nicht-EU-Staat Schweiz trotz Rezession und Finanzkrise stetig zurück – von 50 Prozent 2006 auf rund 40 Prozent in diesem Jahr. Selbst in Krisenjahren fuhr die Regierung in Bern immer wieder Haushaltsüberschüsse ein.

Nun aber droht die Euro-Krise die Schweiz doch noch zu erreichen. „Die Risiken sind enorm hoch“, warnte Philipp Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), bei seinem letzten Quartalsausblick im Dezember mit einer für Notenbanker ungewöhnlichen Deutlichkeit. Hildebrand, der sich derzeit in der Schweiz mit dem Vorwurf des Insiderhandels herumschlagen muss, weiß nur zu gut, dass jeder Stabilitätskurs eine Kehrseite haben kann: Je mehr es in der Euro-Zone stürmt, desto mehr zieht die Schweiz mit ihrem Safe-Haven-Status ausländische Anleger an.

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