Weltwirtschaft: Vor der nächsten Geldschwemme

KommentarWeltwirtschaft: Vor der nächsten Geldschwemme

von Malte Fischer

Das Wahlergebnis in Griechenland hat die Finanzmärkte nur kurzfristig aufatmen lassen. Die Euro-Krise ist noch längst nicht vorbei. Sie wird die Weltwirtschaft weiter belasten. Die Notenbanken werden noch mehr Geld drucken.

Politische Börsen haben kurze Beine, lautet ein bekanntes Bonmot. Für die Anleihemärkte scheint das noch mehr zu gelten als für die Aktienmärkte. Während der Dax am Montag nach dem Wahlsieg der Nea Dimokratia bei der Griechenlandwahl leicht anzog, gingen die Kurse für die Staatsanleihen der Euro-Krisenländer schon wieder auf Talfahrt. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Spaniens zog auf 7,1 Prozent an, den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Die Zinskosten für Italien übersprangen die Marke von sechs Prozent. Auch von den meisten anderen Euroländern fordern die Anleger höhere Risikoprämien.

Dagegen haben umfangreiche Käufe von Bundesanleihen, britischen, amerikanischen und schweizerischen Staatsanleihen deren Renditen sinken lassen. Das zeigt: Die Märkte glauben nicht, dass der Wahlsieg der Euro-Befürworter in Athen die Krise der Währungsunion beendet und fliehen in die (vermeintlich) sicheren Häfen.

Anzeige

Der IWF verabschiedet sich

Die Skepsis der Märkte ist berechtigt. Die Frage nach dem Euro-Austritt Griechenlands ist durch das Wahlergebnis allenfalls verschoben, nicht aber aufgehoben. Wenn die Euro-Staatengemeinschaft den Griechen entgegenkommt und das Defizitziel zeitlich streckt, wird der Sparwille in Athen noch weiter erlahmen. Jede Überprüfung der Reformen durch die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission in den nächsten Wochen wird zu einer Zitterpartie. Es dürfte nur noch ein Frage der Zeit sein, bis sich der IWF aus dem Griechenland-Rettungsaktionen verabschiedet. Seine Statuten erlauben es nicht, ein Land zu finanzieren, dass gegen Auflagen verstößt und sich den geforderten Reformen verweigert. Zieht sich der IWF zurück, muss sich Europa fragen, ob es noch zu vertreten ist, Griechenland allein durchzufüttern.

Nach den Wahlen Was nun, Griechenland?

Nach dem Samaras-Sieg hoffen viele Griechen auf den Neuanfang. Doch kommt eine stabile Regierung zustande? WirtschaftsWoche Online beantwortet die dringendsten Fragen.

Griechischer Rentner mit mehreren Flaggen Quelle: dpa

Für die Finanzmärkte, die Investitionsplanungen von Unternehmen und die Kaufvorhaben von Konsumenten sind die Unsicherheiten durch den anhaltenden Schwelbrand der Euro-Krise Gift. Wichtige Investitionen werden verschoben oder ganz abgeblasen, größere Anschaffungen hinten angestellt. Das bremst die weltweite Konjunktur, die ohnehin auf wackeligen Beinen steht. Das Wachstum der US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal wohl unter die Marke von 2 Prozent gerutscht, in China haben wichtige Konjunkturdaten zuletzt enttäuscht. In Indien ist die Wachstumsrate im ersten Quartal zum ersten Mal seit 3 Jahren unter die Marke von 6 Prozent gefallen, in Brasilien stagniert die Wirtschaft de facto.

Damit steigt der Druck auf die Notenbanken, der Weltwirtschaft durch zusätzliche Liquiditätsspritzen unter die Arme zu greifen. Die Währungshüter in China, Indien, Brasilien und Australien haben die Leitzinsen in den vergangenen Wochen zum Teil bereits deutlich gesenkt. Ende vergangener Woche kündigte die Bank von England an, das Bankensystem durch langfristige Leihgeschäfte zu Mini-Zinsen bei gleichzeitig reduzierten Anforderungen an die Sicherheiten mit Zentralbankgeld zu fluten. In den USA rechnen Beobachter damit, dass die Notenbank an diesem Mittwoch ankündigt, ihr Programm zum Ankauf von langlaufenden Staatsanleihen bei gleichzeitigem Verkauf von Kurzläufern (operation twist) zu verlängern.

Samaras-Sieg Griechenland wählt den Tod auf Raten

Die pro-europäischen Kräfte gewinnen die Wahlen in Athen. Der große Knall bleibt aus, für Deutschland wird es nun aber wohl erst so richtig teuer.

Quelle: Reuters

Auch in der EZB könnten sich bald diejenigen durchsetzen, die im Drucken von noch mehr Geld ein probates Mittel gegen die Schuldenkrise sehen. Viele Beobachter erwarten für die Sitzung Anfang Juli eine Leitzinssenkung. Auch weitere langfristige Leihgeschäfte mit unbegrenztem Zugriff der Geschäftsbanken auf Zentralbankgeld sind denkbar.

Büttel der Finanzminister

Der Versuch, die durch zu viel Geld und Kredit verursachte Krise durch noch mehr Geld zu lösen, ist jedoch zum Scheitern verurteilt. Das zusätzliche Zentralbankgeld wird die Preise für Vermögens- und Güterpreise früher oder später in die Höhe treiben. Zwar versichern die Notenbanker, sie hätten die Mittel, um die zusätzliche Liquidität rechtzeitig wieder abzusaugen. Technisch betrachte ist das richtig. Doch welche Zentralbank wird es wagen, Staatsanleihen oder eigene Bonds zu verkaufen, um das Geld aus dem Bankensystem abzuziehen, wenn das zusätzliche Anleihe-Angebot die Zinsen in die Höhe treibt und so die Staatshaushalte in den Bankrott treibt?

Die Zentralbanken sind in der Finanzkrise längst zu Bütteln der Finanzminister geworden. Sie werden – unter dem Vorwand der Rettung der Weltkonjunktur – die Zinsen weiter nach unten drücken und höhere Inflation zulassen. Die Folge sind negative Realzinsen, die die Staaten entschulden und ihre Gläubiger schleichend enteignen. Für die Sparer sind das keine guten Aussichten.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%