Weltwirtschaftsforum: "Die Euro-Krise ist längst nicht vorbei"

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Weltwirtschaftsforum: "Die Euro-Krise ist längst nicht vorbei"

von Tim Rahmann

Europa ist über den Berg, alles wird gut: Die Davos-Teilnehmer redeten im Vorfeld die Krise klein. Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber und US-Ökonom Kenneth Rogoff mahnten eindrucksvoll zur Vorsicht.

Der Titel war bewusst freundlich gewählt. „Ist Europa zurück?“ – zu diesem Thema diskutierte eine prominente Runde um Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber und dem Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Der optimistische Grundton passte zur allgemeinen Stimmung im Vorfeld. Die Krise sei abgeflaut, man könne sich endlich um andere Themen kümmern, ließen Leitartikler und Gipfelteilnehmer im Vorfeld verkünden. Doch sie machten die Rechnung ohne die Diskutanten.

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Zunächst lief alles wie angedacht. Moderator Bobby Ghosh, Redakteur beim vom US-amerikanischen „Time“-Magazin, verwies auf die positiven Zahlen: Spanien wachse seit Kurzem wieder und auch aus Griechenland und Irland sei Gutes zu berichten. Und Frankreich? Dort gebe es ebenfalls Hoffnungsschimmer, behauptete Pierre Nanterme, Geschäftsführer von Accenture in Frankreich. „Unser Geschäft läuft besser als im vergangenen Jahr. Wenn wir das als Frühindikator werten, können wir guten Gewissens sagen: Es tut sich was“, versprühte der Franzose Hoffnung.

„Ja, Europa hat sich stabilisiert“, pflichtete US-Ökonom Kenneth Rogoff bei. Der Druck der Finanzmärkte sei deutlich geringer, als noch vor zwei Jahren. „Die Regierungen haben Respekt verdient, für das, was sie erreicht haben. Allerdings sind wir nicht über den Berg. Die Krise ist längst noch akut. Das zeigt schon allein die hohe Zahl der Arbeitslosen in Südeuropa – und auch in Frankreich“, erklärte der Harvard-Professor. Der Marktliberale, der seit Jahren ein Kritiker der europäischen Sparpolitik ist, war sich damit überraschend einig mit dem ehemaligen Bundesbank-Präsident und heutigem Chef der Schweizer Bank UBS, Axel Weber.

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„Es gibt positive Nachrichten, aber das ist noch lange kein Grund, ekstatisch zu werden“, so der Ex-Bundesbanker. Die Erholung in Europa sei ungleich und überhaupt reiche das Mini-Wachstum nicht, um die Sorgen wegzuwischen. „Die Volkswirtschaften – mit Ausnahme von Deutschland – sind in keinem guten Zustand“, findet Weber. In der Tat wachsen die Krisenländer nur minimal, für Griechenland erwarte die EU-Kommission 2015 ein Zuwachs von 1,5 Prozent.

Immerhin, aber viel zu wenig, um die Arbeitslosigkeit und den Schuldenberg effektiv zu bekämpfen. „Die Euro-Krise ist längst nicht vorbei – zumal in diesem Jahr noch zwei große Herausforderungen lauern“, so Weber. „Die Europawahlen im Mai und der Bankenstresstest zum Ende des Jahres.“

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