Weltwirtschaftsforum: Tabuthema Griechenland

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Weltwirtschaftsforum: Tabuthema Griechenland

von Tim Rahmann

Das Euro-Pleiteland möchte noch in diesem Jahr an die Kapitalmärkte zurückkehren. Die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft in Davos glauben nicht daran. Offen darüber sprechen, will kaum einer.

Barry Eichengreen redet gerne und viel. Der US-Ökonom mit den schillernd weißen Haaren sitzt im Erdgeschoss des Kongresszentrums an der Bar. Während andere Teilnehmer nach ihren Diskussionsrunden den Saal oftmals fluchtartig verlassen und alle Gesprächsanfragen abblocken, ist Eichengreen auch ohne Absprache gerne bereit, ein bisschen zu plaudern. Wir sprechen über den Wintereinbruch an der US-Ostküste, über den Atomstreit mit dem Iran und, na klar, über die Euro-Krise. Die Währungsunion und ihre Zentralbank sollten sich ein Beispiel an der US-Notenbank Fed nehmen, findet Eichengreen. „Europa ist noch immer zu zögerlich und muss mehr investieren, um den zarten Aufschwung zu unterstützen“, sagt der Professor der kalifornischen Berkeley-Universität.

Und wie steht es um Griechenland? Kann das Land in diesem Jahr an die Kapitalmärkte zurückkehren? Eichengreen wird plötzlich untypisch wortkarg. Er denkt nach und zuckt dann mit den Schultern. „Das Land hat schon öfters Hoffnungen enttäuscht. Vielleicht braucht Athen aber auch einfach nur Zeit“, sagt er schließlich. Auch auf Nachfrage bleibt es bei der kryptischen Antwort.

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So schlug sich Griechenland 2012

  • Politische Stabilität

    Präsident Samaras konnte im Sommer erst im zweiten Versuch eine Koalition bilden. Laut Umfragen ist die Mehrheit inzwischen gegen den Konservativen. Die Gewerkschaften rufen immer wieder zu Massendemonstrationen auf.

    Note: 4

  • Umsetzung von Reformen

    Auch wenn die Troika den Griechen ein positives Zeugnis ausstellt: Wirklich vorangekommen ist Athen erneut nicht. Die Öffnung der geschlossenen Berufe kommt nicht voran, Investoren meiden das Land weiter.

    Note: 5

  • Sparwille

    Das Defizit wird bei knapp sieben Prozent in diesem Jahr liegen. Dennoch leistet sich das Land den Kauf von Rüstungsgütern. Auch bei der Privatisierung von öffentlichen Unternehmen und Grundstücken kommt das Land nicht voran.

    Note: 5

  • Gesamtnote

    Griechenland bleibt das Euro-Sorgenkind Nummer 1. Fortschritte sind erkennbar, keine Frage. Doch angesichts der dramatischen Finanzlage sind die Verbesserungen zu gering und kommen zu langsam.

    Note: 5

Griechenland, die Wiege der Demokratie und der Euro-Krise, ist in Davos plötzlich ein Randthema. Oder gar ein Tabuthema? Eine prominente Runde diskutierte am Mittwochmittag eine Stunde lang über den Zustand der Währungsunion. Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber, dem französischen Unternehmer Pierre Nanterme und den weiteren Gesprächsteilnehmer gelang es dabei, Griechenland, das Krisenland Nummer eins, nur ein einziges Mal zu erwähnen. Dabei gäbe es über die Südeuropäer viel zu reden: Das Land will 2014 endlich wieder wachsen und einen Primärüberschuss erzielen. Gleichzeitig bleibt die Arbeitslosigkeit hoch und der Schuldenberg wächst. Wie passt es da zusammen, dass die Regierung in Athen ankündigt, bis zum Ende des Jahres an die Kapitalmärkte zurückkehren zu wollen?

„Ich befürchte, das passt gar nicht zusammen“, sagt Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff gegenüber WirtschaftsWoche Online auf Nachfrage. Selbst mit der Rückendeckung durch die Europäische Zentralbank und bei nur kleinen Summen über einen kurzen Zeitraum, werde es schwer, Investoren zu finden. „Inwieweit die hoffnungsvollen Prognosen stimmen, wissen aber nur die Griechen.“

Griechen wie Nicos Christodoulakis etwa. Der ehemalige griechische Finanzminister ist zum verabredeten Gespräch bestens vorbereitet. Er zitiert aus unzähligen Dokumenten und Rechnungen. Der Mann, der Griechenland in den Euro führte, ist auf seine Nachfolger nicht gut zu sprechen. „Das Sparprogramm, das Griechenland mit der Troika verhandelt hat, wurde vorschnell und übereilt beschlossen. Die heimische Regierung hat sich zu wenig Zeit genommen, das Für und Wider abzuwägen. Das Ergebnis: Man hat sich auf eine Katastrophe für beide Seiten geeinigt“, sagt Christodoulakis.

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