Weniger Wachstum: Frankreich stagniert, Italien schrumpft

Weniger Wachstum: Frankreich stagniert, Italien schrumpft

von Tim Rahmann

Die Hoffnungen auf ein Ende der Eurokrise sind offenbar verfrüht: Die Wirtschaft wächst schwächer als erwartet. Deutschland bleibt der Wachstumsmotor.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Euro-Ländern legte im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent zu, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Volkswirte hatten mit einem doppelt so hohen Plus gerechnet. Der Aufwärtstrend in der Eurozone bleibt somit schwach.

Auch im Schlussquartal 2013 wuchs die Wirtschaftsleistung den neuen Zahlen zufolge im gemeinsamen Währungsgebiet nur um 0,2 Prozent. Zunächst hatten die Statistiker 0,3 Prozent gemeldet.

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Wachstumsmotor bleibt Deutschland. Das BIP stieg im ersten Quartal 2014 auch dank des milden Wetters im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,8 Prozent - so stark wie seit drei Jahren nicht mehr.

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Ganz anders ist die Lage in Italien. Die Wirtschaft ist im ersten Quartal überraschend geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Januar und März um 0,1 Prozent zum Vorquartal, wie das nationale Statistikamt am Donnerstag mitteilte. Die von Reuters befragten Experten hatten hingegen mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet. Ende 2013 war die Wirtschaft noch erstmals seit Mitte 2011 wieder um 0,1 Prozent und damit leicht gewachsen. Die EU-Kommission traut Italien für 2014 ein Wachstum von 0,6 Prozent zu. Italien steckt immer noch in einer Wirtschaftskrise. Es gehört zu den am höchsten verschuldeten Ländern der Welt. Regierungschef Matteo Renzi will einen Reformkurs einleiten, unter anderem hat er Steuererleichterungen für Arbeitnehmer und Firmen auf den Weg gebracht. Ende April hatte sich die Regierung auf Sparpläne geeinigt.

Auch aus Frankreich gab es ernüchternde Nachrichten. Dort stagniert die Wirtschaft ebenfalls. Beide Länder drohen nach Ansicht von Volkswirten den Anschluss zu verlieren. Zuvor hatten Ökonomen ein Plus von 0,2 Prozent erwartet.

In den Krisenländern Portugal und Zypern fiel das Minus mit 0,7 Prozent besonders groß aus. Spanien erholte sich dagegen mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent. In der EU insgesamt schaffte die Wirtschaft ein etwas stärkeres Plus von 0,3 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres. Die Aussichten bleiben verhalten. „Auch im Frühjahr dürfte die Euro-Wirtschaft nicht stärker wachsen“, schreiben Analysten der Commerzbank. Denn die Firmen hätten einen Teil ihrer Aufträge dank der günstigen Witterung bereits in den ersten Monaten des Jahres abgearbeitet. Der Rückenwind von der Weltwirtschaft nehme zudem ab. EU-Kommissar Siim Kallas hatte jüngst davor gewarnt, dass die Ukraine-Krise derzeit das größte Risiko für den Aufschwung darstelle. Zudem belaste der starke Euro, der Waren aus Europa in aller Welt verteuert, den Export.

Folgerichtig blieb auch die Inflation in der Euro-Zone trotz eines leichten Anstiegs im April niedrig. Die Verbraucherpreise zogen um 0,7 Prozent zum Vorjahresmonat an. Im März waren es sogar nur 0,5 Prozent. Die billigere Energie drückt auf das Preisniveau, auch einige Nahrungsmittel wie Gemüse waren günstiger zu haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Teuerungsrate eigentlich bei knapp unter zwei Prozent haben. In Staaten wie Griechenland, Zypern, Portugal und der Slowakei fallen die Preise sogar. Angesichts der Gefahr einer konjunkturschädigenden Deflation - eines Preisverfalls auf breiter Front - hat die EZB für Juni eine erneute Lockerung ihrer ohnehin schon sehr laxen Geldpolitik signalisiert. Das immerhin freut die Anleger. Der Dax erklomm kurzzeitig ein neues Allzeithoch. (mit Material von dpa und Reuters)

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