Werner knallhart: Weniger Sozialhilfe für Dicke: Hat David Cameron recht?

kolumneWerner knallhart: Weniger Sozialhilfe für Dicke: Hat David Cameron recht?

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David Cameron will für Übergewichtige und Drogenabhängige Vergünstigungen streichen. In Deutschland werden sie schon lange durch ein Bonusprogramm benachteiligt.

Kolumne von Marcus Werner

Der britische Premier Cameron denkt darüber nach, im Falle seiner Wiederwahl Übergewichtigen und Drogenabhängigen die Sozialhilfe zu kürzen. Ist das herzlos oder fair? Und wäre das was für Deutschland?

Wieviel Extravaganz jedes Einzelnen wollen wir als Gesellschaft mittragen?

Stellen Sie sich bitte mal vor, Ihr Kollege und Büronachbar hat eine sonderbare Angewohnheit. Alle anderthalb bis zwei Stunden verlässt er das Firmengebäude, um auf dem Mitarbeiterparkplatz mit seiner selbstgebauten Dackel-Marionette zu spielen. Ein paar Minuten später sitzt er wieder an seinem Platz. Pro Tag geht dafür eine Viertelstunde bezahlter Arbeitszeit drauf. Zusammen ein halber Arbeitstag pro Monat, also sechs Tage im Jahr. Ihnen selber ist das Marionettenspiel fremd. Sie arbeiten deshalb pro Jahr eine gute Woche mehr als Ihr Kollege. Finden Sie das gerecht?

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Es ist einfach, Beispiele zu finden, die deutlich machen, wie schnell es gelingt, die Solidarität aller durch den Schnickschnack einzelner überzustrapazieren. Gleichzeitig reagiert unsere Gesellschaft extrem allergisch darauf, gewohnte Extrawürste in Frage zu stellen.

Tabak steht auf einer Stufe mit Alkohol

Ersetzen Sie im zweiten Beispiel die Hundemarionette mal durch eine Zigarette. Die geschilderte Zeitverschwendung ist hunderttausendfach gelebter Arbeitsalltag. Wenn alle Nichtraucher Freizeitausgleich in Höhe der Raucherpausen einfordern würden, dann müsste man in Deutschland zur Rettung der Volkswirtschaft wohl sämtliche Feiertage streichen.

Mittlerweile stellen neue Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde die Tabakabhängigkeit auf eine Stufe mit der von Alkohol. Welcher Arbeitgeber würde aber seinen alkoholabhängigen Mitarbeitern erlauben, sechs Tage Arbeitszeit pro Jahr dafür zu investieren, sich einen angenehmen Pegel anzutrinken, um sich besser konzentrieren zu können? Und nur der Tabaksucht stellt unsere Gesellschaft sogar eine wahre Infrastruktur zur Verfügung (Raucherpausen, Raucherhäuschen, Raucherzonen, Heizpilze).

Wir sollten tatsächlich mal in aller Ruhe darüber diskutieren, wie weit es eine Gesellschaft mitträgt, dass sich jemand aus eigenem Antrieb heraus selber gesundheitlich schädigt.

Das ist genauso viel oder wenig solidarisch, wie zu verlangen, dass andere blindlings den Schaden bezahlen. Die Diskussion darüber als unsozial und diskriminierend abzustempeln, ist ganz schön unfair.

Was die Deutschen über Raucher denken

  • Willensschwäche

    Laut einer Umfrage im Auftrag der Krankenkasse BKK Mobil Oil halten 85 Prozent der Deutschen die Willensschwäche der Raucher für den Grund, dass vielen das Aufhören nicht gelingt.

    Quelle: repräsentative Umfrage von TNS Emnid

  • Störenfriede

    53 Prozent der Befragten gaben an, sich im Alltag zumindest gelegentlich von Rauchern gestört zu fühlen, 12 Prozent sogar häufig.

  • Tabaksteuer

    Mehr als jeder fünfte Deutsche (22 Prozent) sieht zu niedrige Tabaksteuern als Grund für hohe Rückfallquoten bei Rauchern. 39 Prozent befürworten die Erhöhung der Tabaksteuer, um Raucher zum Aufhören zu bewegen.

  • Unterstützung

    Um Raucher auf dem Weg in ein qualmfreies Leben zu unterstützen, sieht die Mehrheit (66 Prozent) das soziale Umfeld in der Pflicht, Aufhörwilligen beizustehen - nur jeweils 11 Prozent sehen diese Unterstützerrolle bei Ärzten und Krankenkassen. 37 Prozent sprachen sich laut BKK für drastischere Warnhinweise auf Tabakprodukten aus. Als erfolgsversprechendend für einen Rauchstopp bewerten die Befragten jedoch kostenlose Beratungsangebote (74 Prozent).

Gesund lebende Menschen werden in Deutschland schon bevorzugt

David Cameron will nach einer Wiederwahl überprüfen, ob er Übergewichtigen und Drogenabhängigen die sogenannten Sickness Benefits kürzen wird, wenn die Betroffenen im Gegenzug keine Therapie machen.

Das klingt im ersten Moment eiskalt. Ausgerechnet bei Menschen mit Krankheit oder Behinderung soll gespart werden. Konservativer Wahlkampf eben.

In Deutschland hingegen haben wir längst Regeln, die Menschen benachteiligen, die sich wenig um ihre Gesundheit scheren. Nur verpackt man es diplomatischerweise nicht als finanzielle Belastung, sondern nennt es Bonus und gibt Menschen, die sich für ihre Gesundheit engagieren, Geld zurück.

Das ging damals los mit der Bonuskarte beim Zahnarzt. Wer einmal im Jahr zur Kontrolle geht, spart Geld beim Zahnersatz. Mit anderen Worten: Wer dafür zu träge ist, zahlt drauf.

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