Wilhelm Hankel: "Wir brauchen ein Parallelwährungssystem"

InterviewWilhelm Hankel: "Wir brauchen ein Parallelwährungssystem"

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Wilhelm Hankel

von Bert Losse und Malte Fischer

Der streitbare Ökonom Wilhelm Hankel fordert die Wiedereinführung der D-Mark – und will den Euro trotzdem behalten.

Herr Hankel, wie viel Zeit gibt ein erklärter Euro-Gegner wie Sie der Einheitswährung noch?

Der Euro in seiner jetzigen Form hat keine Überlebenschance. Sobald die Bundestagswahl in Deutschland gelaufen ist, droht ein politischer Dammbruch. Wahrscheinlich kommt es zu drastischen Schuldenschnitten, zunächst in Griechenland, dann in anderen Staaten. Irgendwann werden die Bürger der Zahlerländer das nicht mehr mitmachen.

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Und was bitte ist Ihre Alternative?

Zur Person

  • Wilhelm Hankel

    Hankel, 84, war Leiter der Abteilung Geld und Kredit im Bundeswirtschaftsministerium unter Karl Schiller, später Professor an mehreren Universitäten. Er zog mehrfach vor das Bundesverfassungsgericht, zuletzt gegen den Euro-Rettungsschirm und die EZB-Staatsanleihenkäufe.

Wir brauchen ein Parallelwährungssystem. Mein Vorschlag: Wir führen alle nationalen Währungen wieder ein, behalten den Euro aber als Verrechnungseinheit und Referenzwert. So entsteht ein europäisches Dach über den re-nationalisierten Währungen. Das Modell gleicht dem Europäischen Währungssystem der Vor-Euro-Zeit. Damals gab es die Einheit ECU. Der neue Euro würde zum ECU II, wenn Sie so wollen. Mit dem Unterschied, dass der Euro gesetzliches Zahlungsmittel bleibt, mit dem man im Supermarkt einkaufen kann.

Wie soll das gehen? Welchen Wechselkurs wollen Sie zugrunde legen?

Zunächst müssten die bei der Euro-Einführung geltenden Ursprungskurse gelten, danach kann man die Wechselkurse freigeben. Die EZB agiert als eine Art Clearingstelle...

...wird also geldpolitisch entmachtet...

...und ist dazu verpflichtet, nationale Währungen jederzeit zum Tageskurs gegen Euro einzutauschen. Der Wert der Währungen liegt also in ihrer Euro-Konvertierbarkeit. Das ist von der Grundidee ähnlich wie bei goldgedeckten Systemen. Der große Vorteil: Diesem System könnten sich auch Nicht-Euro-Staaten wie Großbritannien, Schweden oder sogar die Schweiz anschließen.

Das Ergebnis dürften Zins- und Inflationssprünge in Südeuropa sein – und eine Aufwertung der neuen D-Mark, die Jobs in der Exportwirtschaft vernichtet.

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Werten Schwachwährungen ab, stärkt dies die Wettbewerbsfähigkeit der Länder. Dass die Preise und Zinsen dort steigen, ist richtig, aber dies erhöht den Reformdruck. Völlig unangemessen ist die Angst vor einer Aufwertung der D-Mark. Eine Aufwertung ist eine Sozialdividende, weil sie zu höheren Einkommen im Inland führt und die Bürger über sinkende Preise für Energie und Importgüter entlastet. Und dass Daimler & Co. dann nichts mehr ins Ausland verkaufen, ist ein Hirngespinst. Wenn es vorübergehend zu sinkenden Weltmarktanteilen bei einzelnen Produkten kommt, mein Gott, davon geht doch die Welt nicht unter.

Wie wollen Sie mit dem Problem der hohen Altforderungen in Euro umgehen? Es droht doch eine Klagewelle, wenn Gläubiger für ihre griechischen Staatsanleihen plötzlich Drachmen zurückerhalten.

Für den deutschen Fiskus wäre es ein glänzendes Geschäft. Er könnte Euro-Schulden verbilligt in D-Mark tilgen. Prinzipiell könnten Forderungen weiter in Euro laufen. Da sich dadurch der Schuldendienst abwertender Länder stark verteuert, müsste es dort zu einem Schulden-Moratorium kommen.

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