Wirtschaft im Weitwinkel: Die Bankengesundung hemmt die Wachstumsdynamik in Europa

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Die Gesundung der Banken wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Das Ziel der EZB ist die Stärkung des Vertrauens in die Stabilität der Banken

Kolumne

Die zögerliche Genesung des europäischen Bankensektors wird die Kreditvergabe nach wie vor einschränken. Dennoch sind die Erwartungen an die Bankenaufsicht hoch, sagt unser Kolumnist Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank.

Die EZB wird ab dem 4. November 2014 mit der Beaufsichtigung bedeutender Banken (EBA) im Euroraum beginnen. Zur Vorbereitung führt die EZB den sogenannten Asset Quality Review (AQR), die Bilanzprüfung bei allen künftig von ihr direkt beaufsichtigten Instituten durch. Im Anschluss daran ist für alle großen Banken der 27 EU-Staaten ein gemeinsamer Stresstest von EZB und EBA geplant. Insgesamt sind die Erwartung an den Asset Quality Review und die Übernahme der Bankenaufsicht durch die EZB sehr hoch. Jedoch sollte man nicht damit rechnen, dass der europäische Bankensektor nur durch diese Maßnahmen gesundet. Vielmehr wird die Gesundung einige Zeit in Anspruch nehmen. Dies wird sicherlich in der Übergangszeit auch die Wachstumsdynamik hemmen, da die Kreditvergabe entsprechend restriktiver verläuft.

Mit den detaillierten Ergebnissen der Asset Quality Reviews wird erst im Oktober 2014 gerechnet. Diese werden dann auch vergleichbare Daten zur Kapitalausstattung, zum Risikoengagement und zum Staatsanleihebestand der Institute enthalten. Alleine das Vorlegen von vergleichbaren Daten für die entsprechenden Banken kann dabei als ein Erfolg und großer Fortschritt gewertet werden.

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Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Zur Vorbereitung auf die Bilanzprüfungen haben die Institute den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten nicht auf die Vergabe neuer Kredite, sondern auf die Sanierung der vorhandenen Kreditbücher mittels Aufstockung der Risikovorsorge und Veräußerung von (Not leidenden) Krediten gelegt. Dies konnte insbesondere anhand der vorgelegten Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2013 beobachten werden. Per Ende 2013 haben insbesondere italienische Banken und einige französische Banken die Deckung der Not leidenden Kredite spürbar verbessert.

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Quelle: dpa

Die Tatsache, dass 2013 ein höheres Volumen notleidender Kredite als im Vorjahr von europäischen Banken veräußert wurde, dürfte auch im Zusammenhang mit dem AQR stehen. In den Peripherieländern haben auch die von niedrigem oder gar negativem BIP-Wachstum sowie hoher Arbeitslosigkeit geprägten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, gepaart mit relativ strengeren Kreditstandards der Banken, zu schwächeren Kreditvergabeaktivitäten geführt.

Die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte fällt bereits seit Mitte 2012. Die Hoffnung, dass nach Bekanntgabe der Bilanz-/Stresstestergebnisse die Kreditvergabe durch Banken in Europa deutlich anzieht, dürfte sich jedoch nicht erfüllen. Zum einen wird die Bereinigung der Bankbilanzen noch einige Jahre in Anspruch nehmen. So schätzen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften den Bestand an notleidenden Krediten bei europäischen Banken auf rund eine Billion Euro (siehe beispielsweise "Flocking to Europe Ernst & Young 2013 non-performing loan report").

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