Wirtschaft im Weitwinkel: Die Geschäftsmodelle vieler Banken sind problematisch

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Skyline von Frankfurt

Kolumne

Die EZB hat bei ihrem Stresstest nicht geprüft, ob die Geschäftsmodelle der Banken langfristig profitabel und nachhaltig sind - dabei wäre das mindestens genauso wichtig.

Die Ergebnisse des Stresstests waren insgesamt wenig überraschend: Rund 20 Prozent der Banken im Euroraum haben Schwierigkeiten mit dem Eigenkapital. Fünf der rund 130 geprüften Banken müssen sich zusätzliches Eigenkapital in Höhe von rund vier Milliarden Euro beschaffen.

Das sollte für die Finanzmärkte kein Problem sein. Wie schwer es für die einzelne Bank wird, das Kapital zu bekommen, hängt auch vom jeweiligen Geschäftsmodell ab.

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Ein Problem ist beispielsweise die Fristentransformation. Die Kreditinstitute leihen sich von ihren Kunden kurzfristig per Tages- oder Festzins Geld, welches sie dann mittel- oder langfristig zu höheren Zinssätzen an Häuslebauer verleihen.

Dieses klassische Kerngeschäft der Banken kommt immer mehr unter Druck. Angesichts der immer niedrigeren Zinsen tendieren die Margen gen Null oder sind bereits negativ.

Diese Banken sind beim Stresstest durchgefallen

  • Monte dei Paschi di Siena (Italien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 10,2 Prozent. Kapitalbedarf: 2,11 Milliarden Euro.

  • Banco Popolare di Vicenza (Italien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 9,4 Prozent. Kapitalbedarf: 0,22 Milliarden Euro.

  • Banco Popolare di Milano (Italien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 7,3 Prozent. Kapitalbedarf: 0,17 Milliarden Euro.

  • Eurobank (Griechenland)

    Harte Kernkapitalquote heute: 10,6 Prozent. Kapitalbedarf: 1,76 Milliarden Euro.

  • Hellenic Bank (Zypern)

    Harte Kernkapitalquote heute: 7,6 Prozent. Kapitalbedarf: 0,18 Milliarden Euro.

  • National Bank of Greece (Griechenland)

    Harte Kernkapitalquote heute: 10,7 Prozent. Kapitalbedarf: 0,93 Milliarden Euro.

  • Banco Comercial Portugues (Portugal)

    Harte Kernkapitalquote heute: 12,2 Prozent. Kapitalbedarf: 1,15 Milliarden Euro.

  • Banca Carige (Italien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 5,2 Prozent. Kapitalbedarf: 0,81 Milliarden Euro.

  • Nova Kreditma Banka Maribor (Slowenien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 19,6 Prozent. Kapitalbedarf: 0,03 Milliarden Euro.

  • Nova Ljubljanska banka (Slowenien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 16,1 Prozent. Kapitalbedarf: 0,03 Milliarden Euro.

  • Dexia (Belgien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 16,4 Prozent. Kapitalbedarf: 0,34 Milliarden Euro.

  • permanent tsb (Irland)

    Harte Kernkapitalquote heute: 13,1 Prozent. Kapitalbedarf: 0,85 Milliarden Euro.

  • Österreichischer Volksbanken-Verbund (Österreich)

    Harte Kernkapitalquote heute: 11,5 Prozent. Kapitalbedarf: 0,86 Milliarden Euro.

Um hiervon unabhängiger zu werden, müssten sich die Banken realwirtschaftlich wieder stärker engagieren. Aber das ist nicht ohne Risiken. Die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte wird in der öffentlichen Diskussion derzeit als positiv angesehen – hieraus entstehende Risiken sind gesamtwirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch eigentlich wünschenswert, da sie die dringend notwendigen Investitionen fördern.

Doch zusätzliche Risiken aus der Neukreditvergabe können sich viele Banken im Euroraum kaum erlauben. Die Regulierung spricht dagegen. Umso mehr hat es überrascht, dass EZB-Vize Vítor Constancio mit der Veröffentlichung der Ergebnisse des Stresstests seine Erwartung geäußert hat, dass eine Zunahme der Kreditvergabe nun mehr nicht an den Banken scheitern, sondern von der Nachfrage der Kreditnehmer abhängen werde.

Höhere Hürden für lukrative Einnahmequelle

Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Banken eine solche Nachfrage vollumfänglich bedienen können. Die EZB hat bereits angekündigt, dass es nun jährlich einen Stresstest geben soll. Dies wird die Bereitschaft von Banken merklich verringern, Kredite an Unternehmen zu vergeben, deren Bonität zweifelhaft ist.

Hiervon dürfte es aber insbesondere im südlichen Euroraum viele geben, da diese Länder aus einer tiefen Rezession kommen. Die ökonomisch gesünderen Banken im nördlichen Euroraum werden sich dieser Risiken aus den gleichen Gründen auch nur sehr zögerlich annehmen.

Zwar dient das der Stabilität des Systems gegenüber Krisen, den Banken bleibt aber eine einst lukrative Ertragsquelle durch regulatorische Restriktionen versperrt. Oder anders formuliert: Die Hürden sind merklich höher geworden.

Gleichzeitig werden die regulatorischen Kosten für die Banken im Euroraum weiter steigen. So muss demnächst eine europäische Bankenabgabe gezahlt und die Einlagensicherungsfonds aufgefüllt werden. Außerdem droht eine Verteuerung der Refinanzierung durch Bail-in-Mechanismen, die im Rahmen der europäischen Restrukturierungs- und Abwicklungsregeln eingeführt werden.

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