Wirtschaft im Weitwinkel: Die riskante Wette der EZB

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Die Euro-Skulptur vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB)

Kolumne

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich selbst unter massiven Handlungsdruck gesetzt. Ihre Ziele: die Stimulierung der Kreditvergabe im Süden, Deflationsrisiken eindämmen und nebenbei werden Banken auch noch umfangreichen Stresstests unterzogen. Die Frage ist nur: Sind all diese umfangreichen Maßnahmen wirklich notwendig?

Die EZB macht sich zunehmend Sorgen um eine anhaltende Deflation im Euroraum. Gleichzeitig steht die Zentralbank vor dem Dilemma, dass die Kreditvergabe im südlichen Währungsraum schon seit einiger Zeit sinkt und es auch keine Anzeichen gibt, dass sich diese Entwicklung in der nahen Zukunft bessert. Nun hat EZB-Chef Draghi auf der letzten Pressekonferenz der EZB relativ deutlich angekündigt, dass die EZB im Juni die monetären Bedingungen noch einmal lockern wird, um diesen aus Sicht der EZB gefährlichen Entwicklungen zu begegnen.

Als herkömmliche Methoden der Geldpolitik zur Erreichung des Inflationsziels gelten zum einen die Bereitstellung von limitierten und unlimitierten Refinanzierungstendern sowie die ständigen Fazilitäten der Zentralbank zu festgelegten Zinssätzen. Zum anderen gehört die Steuerung des Mindestreservesatzes zur geldpolitischen „Grundausstattung“ der EZB. Auf der Juni-Sitzung des EZB-Rates könnten indes auch spezifische Maßnahmen einer unkonventionellen Geldpolitik ergriffen werden: eine Aussetzung der SMP-Abschöpfungstender, „Funding for Lending“, längerfristige (Fix-Term‑)Tender oder auch eine weitere Spezifizierung der „Forward Guidance“, Ankäufe von Staatsanleihen und/oder Asset Backed Securities.

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Die sehr unterschiedlichen Maßnahmen sind notwendig, um die sehr unterschiedlichen Probleme anzugehen. Die „klassische“ Zinspolitik soll dabei den Deflationsrisiken entgegenwirken. Während Maßnahmen, wie Ankäufe von kreditbesicherten Anleihen (Asset Backed Securities) sich eher belebend auf den Kreditvergabe der Banken auswirken soll.

Die Deflationsgefahr steigt

Der europäische Bankensektor durchläuft eine nicht gekannte Periode der Regulierung, die zurzeit im EZB geführten „Asset Quality Review“ ihren Höhepunkt erreicht. Dabei ist die Kreditvergabe der Banken in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich ausgeprägt. In Deutschland erreicht die Einschätzung der Unternehmen über die Restriktion der Kreditvergabe ein Mehrjahrestief. In Deutschland ist die Kreditvergabe also nachfragegetrieben. Im südlichen Währungsraum, in Spanien oder Portugal, stellt sich die Situation völlig anders dar. Diese Länder kommen aus einer langen Rezession, die Kreditbücher der Banken sind entsprechend gestresst und der Anteil der gestörten Kreditverträge liegt auf einem Allzeithoch. Gleichzeitig müssen die Banken den aktuell laufenden Stresstest bestehen. Das sich beide Faktoren nicht förderlich auf die Kreditvergabe der Banken auswirkt, liegt auf der Hand. Ob die avisierten Maßnahmen der EZB die Situation wirklich beleben, ist zumindest nicht eindeutig zu beantworten. Wirkungsvoll währen die Maßnahmen nur, wenn es zu einer merklichen Verlagerung des Kreditrisikos auf die EZB kommen würde, also einer deutlichen Vergemeinschaftung von Risiken.

Die Deflationsgefahren sind in den letzten Monaten sicherlich gestiegen. Ein Teil der sinkenden Inflation kann man mit dem relativ starken Euro erklären. Hier kann die EZB sicherlich versuchen entgegenzuwirken. Jedoch, nach den Ankündigungen in den letzten Wochen, ist der Euro um knapp 3 Cent gefallen. Eine stärkere Abwertung würde jedoch noch weitreichende Maßnahmen der EZB erfordern als bislang angekündigt. Wirkungsvoller wäre allerdings ein restriktiverer Kurs der amerikanischen Notenbank, dies wird jedoch noch dauern. Die deflationären Entwicklungen im südlichen Währungsraum sind dagegen hauptsächlich auf die strukturellen Reformen zurückzuführen und sogar erwünscht, da damit die Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern und eigentlich Teil des Reformprozesses. Gegen diese Entwicklung kann und sollte die EZB nichts unternehmen.

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