Wirtschaft im Weitwinkel: Eine Trennung für größeres Vertrauen in Europa

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kolumneWirtschaft im Weitwinkel: Eine Trennung für größeres Vertrauen in Europa

Kolumne von Stefan Bielmeier

Vielen kommt es wie ein Alptraum vor, aus dem sie endlich aufwachen wollen: Die Briten haben sich für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Dennoch könnte der Brexit das Beste werden, was der EU in den letzten Jahren passiert ist. Der Brexit könnte ein Katalysator für ein besseres, moderneres Europa werden.

Mit 52 Prozent „Leave“ ist die Entscheidung der Briten denkbar knapp ausgefallen – eine Entscheidung, mit der niemand im Vorfeld ernsthaft gerechnet hatte. Das spiegelte sich auch an den Finanzmärkten wieder, sie wurden kalt erwischt. Kurzfristig werden sich die Börsen wieder beruhigen, doch für die langfristige Entwicklung der Finanzmärkte ist die weitere politische und konjunkturelle Entwicklung entscheidend.

Jetzt sind Politik und Wirtschaft gefordert, die Lage wieder zu stabilisieren. Es ist nichts anderes als eine Mammut-Aufgabe, vor der die Verantwortlichen stehen. Großbritannien ist nach der Abstimmung ein gespaltenes Land. Während es in Schottland und Nordirland eine deutliche Ablehnung des Brexit gab, stimmten Wales und England dafür.

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Noch bemerkenswerter ist, dass im jüngeren Teil der Bevölkerung eine deutliche Mehrheit für den Verbleib in der EU war, während die Älteren die EU verlassen wollen. Die Jungen müssen sich dem Diktat der Älteren beugen. Abfinden wollen sich die EU-Befürworter damit jedoch nicht. Schon gibt es eine Petition, die eine erneute Abstimmung über den Brexit fordert. Diese Petition haben bereits mehr als 1,5 Million Briten unterzeichnet.

Stefan Bielmeier Quelle: Presse

Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Großbritannien ist jetzt eine schnelle politische Einigung. Lähmende Diskussionen über den weiteren Weg in Großbritannien wären für das Vertrauen der Investoren und Konsumenten verheerend.  Die Ankündigung von Regierungschef Cameron, erst in drei Monaten zurückzutreten, ist sicherlich nicht hilfreich, denn damit dürfte in den kommenden Monaten nahezu politischer Stillstand vorherrschen.

Selbst ohne weitere innenpolitische Hindernisse dürfte die britische Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte in eine leichte Rezession rutschen. Diese könnte zwar im Laufe von 2017 überwunden werden. Jedoch sollte sich das Wachstumspotenzial in UK generell verringern und die mittelfristigen Wachstumsraten sich bei etwa einem Prozent einpendeln. Eine solche ungünstige Entwicklung ließe sich wohl nur mit großzügigen bilateralen Verträgen mit der EU verhindern. Hierfür dürfte der Anreiz für die EU jedoch sehr gering sein.

Etwas besser sieht es für die restliche EU (ohne UK) aus: Die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum und vor allem in Deutschland sollte dagegen nur kurzfristig gedämpft werden. Negative Wachstumsraten sind aus meiner Sicht nicht zu erwarten. Bereits Mitte nächsten Jahres sollte sich die wirtschaftliche Dynamik wieder normalisieren haben. Und spätestens 2018 dürfte die Wachstumsdelle überwunden sein.

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