Wirtschaftsausblick: Frankreichs Minister träumen sich die Zukunft schön

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Wirtschaftsausblick: Frankreichs Minister träumen sich die Zukunft schön

von Karin Finkenzeller

Frankreich steckt in der Krise. Doch von Abgesang will die französische Regierung nichts wissen. Sie behauptet: Das Land stehe vor einer rosigen Zukunft. Experten schütteln den Kopf.

Alles wird gut. Besser denn je, sogar. Frankreich, gerade eben der Rezession entronnen, aber immer noch im Würgegriff von Rekordarbeitslosigkeit, historischer Staatsverschuldung und Deindustrialisierung, steht eine strahlende Zukunft bevor. Vollbeschäftigung, Innovationsfreude, effiziente öffentliche Dienste, bezahlbarer Wohnraum für jeden und Menschen, die sogar in Gefängnissen glücklich sind, werden das Land vom derzeit "kranken Mann Europas" zum international beneideten Vorbild wandeln. So steht es zumindest in den Aufsätzen, die Frankreichs Staatschef François Hollande bei seinen Ministern über die Sommerferien in Auftrag gab. "Frankreich 2025" lautete der Arbeitstitel. Heute, zur Regierungsklausur am Ende der Sommerferien, ist Tag der Abgabe. Nur: Zu mehr als einer Beschreibung idyllischer Zustände hat es kaum gereicht. Der Weg dahin bleibt ein Rätsel.

Man mag sich das in etwa so vorstellen: Das Zeugnis war schlecht, die Versetzung ist nicht garantiert, also wird in den Ferien gepaukt für die Nachprüfung. Weil aber die Sonne scheint, die anderen draußen Fußball spielen und an den Badesee radeln, versucht man sich der Sache möglichst schnell zu entledigen. Heraus kommen dann Schilderungen von 2025 wie diese: "Dank der Entscheidung vor mehr als einem Jahrzehnt, alle Anstrengungen auf Wachstumssektoren der Zukunft zu setzen, in Form von 35 Initiativen, hat Frankreich heute Rang und Namen unter den dynamischsten Märkten und besetzt eine Führungsposition."

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Wirtschaftsleistung Frankreich schmiert ab

Die politische Führung in Paris übt sich in reformpolitischer Untätigkeit. Ohne Stütze aus Berlin werden sich die Franzosen ihren opulenten Wohlfahrtsstaat nicht mehr lange leisten können.

Hollande muss dringend etwas tun, sonst geht Frankreich den Bach runter. Quelle: dpa

Geschrieben hat dies Arnaud Montebourg, im Jahr 2013 Industrieminister mit nicht immer glücklicher Hand, aber großem Pathos bei der Aufgabe, der darbenden verarbeitenden Wirtschaft wieder Schwung zu geben. Das Zwei-Liter-Auto, das Peugeot zusammen mit dem Ölkonzern Total bei der diesjährigen IAA in Frankfurt vorstellen will, geht in Montebourgs auf einer Länge von drei Seiten komprimierten Visionen 2017 in Serie - in Frankreich natürlich, wohin zahlreiche Unternehmen Dank seiner Anstrengungen die Produktion zurück verlagert haben. Es wird eines der meistverkauften Modelle in Europa und in einer abgespeckten Version auch in den Schwellenländern. Studierende und Forscher gleichermaßen sehen das Land zudem als "Hort für Kreativität und die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen".

Die Minister haben es nicht versäumt, in ihren Aufsätzen die jeweils unter ihrer Ägide formulierten Reformen als entscheidend für Frankreichs Siegeszug zu rühmen. So verspricht die grüne Wohnungsbauministerin Cécile Duflot, dass auf Grund der zwischen 2012 und 2014 beschlossenen Gesetze es so gut wie keinen leer stehenden Wohnraum mehr gebe, sechs Millionen zusätzliche Sozialwohnungen gebaut wurden und nunmehr "jeder ein Dach über dem Kopf und eine qualitativ hochwertige Umwelt" habe.

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