Wolfson-Preis: Leben ohne Euro

Wolfson-Preis: Leben ohne Euro

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Roger Bootle (links) bekommt den Wolfson Economics Prize von Lord Wolfson überreicht

von Malte Fischer

Ein Ausstieg aus der Währungsunion ist möglich, ohne die Weltwirtschaft in die Krise zu stürzen. Das zeigt die preisgekrönte Arbeit des Ökonomen Roger Bootle, die mit dem Wolfson Economics Prize ausgezeichnet wurde.

Normalerweise stößt die Verleihung von Preisen an Ökonomen in der Öffentlichkeit nur auf mäßiges Interesse. Nicht so am Donnerstag. Da verlieh der Charles Wolfson Charitable Trust, eine private Stiftung in London, dem Gründer des Beratungsunternehmens Capital Economics, Roger Bootle, einen Preis für eine Arbeit mit provozierendem Titel: „Leaving the Euro: A practical guide“ heißt das Werk, mit dem sich Bootle und sechs Koautoren an dem von der Stiftung ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligt hatten. Gesucht waren Ideen, wie sich die Euro-Zone ohne allzu große wirtschaftliche Schäden abwickeln lässt.

Das Interesse an dem mit 250.000 Pfund dotierten Preis war riesengroß, vor allem aus Deutschland habe man viele Anfragen erhalten, hieß es beim Veranstalter, dem Londoner Think Tank Policy Exchange. Mehr als 400 Bewerber reichten Arbeiten ein. Die vierköpfige Jury aus renommierten Wirtschaftsprofessoren entschied sich für den Bootle-Beitrag, weil dieser „alle Facetten eines Euro-Austritts umfassend und verständlich analysiert“.

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Die Chronik der Schuldenkrise

  • 10. Mai 2010

    Um die Schuldenkrise einzudämmen, spannen die Finanzminister und der IWF einen Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Euro-Mitglieder. Insgesamt 750 Milliarden Euro sollen im Notfall fließen. Der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière resümiert, jetzt komme „Ruhe in den Karton“.

  • 21. November 2010

    Als erstes EU-Land schlüpft Irland unter den EFSF. Europäer und IWF schnüren ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hält Sorgen vor einem Überschwappen auf Portugal für unbegründet: „Gerede über eine Ansteckung hat keine wirtschaftliche oder rationelle Grundlage.“

  • 8. April 2011

    Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

  • 20. Juni 2011

    Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des EFSF. Deutschlands Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Damit bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten gezahlt werden können, müssen die Euro-Länder ihre Garantien auf 780 Milliarden Euro erhöhen. Merkel verteidigt das: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

  • 23. Juni 2011

    Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

  • 8. August 2011

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch Staatsanleihen von Italien und Spanien auf, um beide Länder zu stützen.

     

  • 23. - 27. Oktober 2011

    Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, bilanziert Merkel. Und Frankreichs Finanzminister François Baroin sagt erleichtert: „Es gab ein Explosionsrisiko. Das Abkommen von heute Nacht ist eine freundschaftliche, globale und glaubwürdige Antwort.“

  • 8. November 2011

    Silvio Berlusconi steht vor dem Aus. Bei der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 verfehlt er im italienischen Parlament die absolute Mehrheit. Am Abend kündigt er seinen Rücktritt an. Zuvor sollen aber noch die Brüssel zugesagten Reformen beschlossen werden.

  • 9. November 2011

    Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou kündigt in Athen seinen Rücktritt an.

  • 09. Dezember 2011

    Nahezu alle Mitgliedstaaten einigen sich beim EU-Gipfel in Brüssel nach zähen Verhandlungen auf eine Fiskalunion. Großbritannien steht im Abseits. Eine Spaltung der EU wird abgewendet.

  • 14. März 2012

    Die Eurogruppe gibt ein zweites Griechenland-Paket frei. Der IWF beteiligt sich daran mit 28 Milliarden Euro.

  • 09. Juni 2012

    Spaniens Regierung kündigt an, zur Sanierung der maroden Banken ein Rettungspaket "light" zu beantragen. Die Eurogruppe sagt Madrid bis zu 100 Milliarden Euro zu.

  • 25. Juni 2012

    Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

  • 12. September 2012

    Das deutsche Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe genehmigt den ESM-Rettungsschirm unter Vorbehalten. Die Bedingung: Es müsse sichergestellt werden, dass die Haftung Deutschlands auf die vereinbarten 190 Milliarden Euro beschränkt bleibe. Ohne erneute Zustimmung Deutschlands - und damit des Bundestags - dürfen keine höheren Zahlungsverpflichtungen begründet werden. Damit kann Deutschland dem permanenten Euro-Rettungsschirm ESM beitreten. Bis zur Entscheidung aus Karlsruhe hatte Deutschland bislang als einziges Euro-Land den Vertrag über den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ ESM noch nicht ratifiziert. Erst mit der Beteiligung des größten Mitgliedsstaats kann der Rettungsschirm in Kraft treten.

In der Studie konzentriert sich Bootle auf den Fall, dass ein Staat oder mehrere Krisenländer die Euro-Zone verlassen. Top-Kandidat dafür ist Griechenland. Um Turbulenzen an den Finanzmärkten und einen Bank-Run zu vermeiden, müsse der Austritt von einer kleinen Gruppe aus Regierungsvertretern und Notenbankern geheim vorbereitet werden. Andere EU-Länder, Zentralbanken und die Öffentlichkeit dürfen erst kurz vor dem Austritt informiert werden. Am besten wäre ein Freitag geeignet. Banken und Börsen müssten sofort geschlossen werden. Bekomme die Öffentlichkeit Wind von den Vorbereitungen, sei es notwendig, Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Das Wochenende sollten Regierung und Notenbank nutzen, um der Öffentlichkeit und den Finanzmärkten ihre künftige Strategie zu erklären.

„Soll der Austritt kein Fiasko werden, braucht man stabile makroökonomische Rahmenbedingungen“, so Bootle gegenüber der WirtschaftsWoche. Die Notenbank muss zur Strategie der Inflationssteuerung mit einem niedrigen Inflationsziel übergehen, die Regierung muss sich harten Haushaltsregeln unterwerfen. Um eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern, sollte die Regierung alle Formen der Lohnindexierung verbieten. Zudem sollte sie bei Aufnahme neuer Kredite inflationsindexierte ¬Anleihen ausgeben, um Stabilitätswillen zu dokumentieren.

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