Yanis Varoufakis: Rücktrittsgerüchte in Athen zurückgewiesen

Yanis Varoufakis: Rücktrittsgerüchte in Athen zurückgewiesen

Regierungsvertreter in Athen wiesen am Freitag Gerüchte über einen möglichen Rücktritt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis zurück.

Neuer Wirbel um Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis: Regierungsvertreter in Athen wiesen am Freitag Medienberichte zurück, wonach der 53-jährige Ökonom zurücktreten wolle. "Das stimmt nicht. Das ist weit von der Realität entfernt", sagte ein Insider zu Reuters. Der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling zerstreute Hoffnungen auf eine baldige Einigung im Schuldenstreit. Die Bundesregierung hat eigenen Angaben zufolge noch keine genauen Informationen über die von Athen angekündigte Reformliste. Das Papier soll bis Montag vorliegen und unter anderen Maßnahmen zu Steigerung der Steuereinnahmen enthalten.

Die schrägsten Varoufakis-Zitate

  • Zur Troika

    "Die monumentale Aufgabe, vor der wir stehen, liegt darin, den Geist der Troika zu vertreiben, ihre Mentalität auszulöschen und ihre Macht in Europa, nicht nur in Griechenland, zu beenden."

  • Zu griechischen Rückzahlungen

    "Heute zu sagen, dass die Griechen zahlen müssen, was mir vernünftig erscheint, heißt, dass die üblichen Opfer noch mehr leiden müssen. Das ist eine Einstellung Auge um Auge, Zahn um Zahn, eine Art biblische Wirtschaft, die jeden in Europa hilflos macht."

  • Zu Krediten

    "Zu jedem verantwortungslosen Kreditnehmer gehört ein verantwortungsloser Kreditgeber. Vor 2010 hat das im Überfluss vorhandene Kapital in Griechenland einen Tsunami an Schmarotzer-Krediten ausgelöst."

  • Zur Austerität

    "Im Mittelalter haben „Ärzte“ Aderlässe verschrieben, die oft eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten auslösten, auf die der „Arzt“ mit weiteren Aderlässen reagiert. Das ist die Art von Gedankengang, die perfekt die Einstellung Europas zeigt: Je mehr die Austerität scheitert, desto mehr wird von ihr verschrieben."

  • Zu Demokratie

    "Wenn wir in Europa unter einem Defizit leiden, dann ist es ein Defizit an Demokratie. Davon profitieren schwarze Mächte, die Demokratie und Menschenrechte aushöhlen wollen."

  • Zu Zivilisation

    "Europas heutige Haltung ist eine Bedrohung für die Zivilisation, wie wir sie kennen."

  • Zu Angela Merkel

    "Merkel ist die mit Abstand scharfsinnigste Politikerin in Europa. Da gibt es keinen Zweifel. Und Wolfgang Schäuble ist vermutlich der einzige europäische Politiker mit intellektueller Substanz."

Unter anderem hatte die "Bild"-Zeitung in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Athener Regierungskreise gemeldet, Varoufakis denke offenbar über seinen Rücktritt nach. In Deutschland hatte er zuletzt mit der "Stinkefinger"-Affäre Diskussionen ausgelöst, als er ein Video mit der Geste als Fälschung bezeichnet hatte. Innenpolitisch war er unter Druck geraten wegen privater Hochglanz-Fotos im französischen Magazin "Paris Match". In den vergangenen Tagen hatte sich Varoufakis kaum zu Wort gemeldet.

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Euro-Krise Varoufakis will Europa revolutionieren

Die Griechen-Spitze steht für eine neue attraktive Linke. Sie fordert die etablierte Politik heraus und träumt von einem Lateineuropa. Wie gefährlich ist die Mischung aus Vulgär-Keynesianismus und Pop-Marxismus?

Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis auf einem verschlossenen Tor Quelle: dpa/Montage

Die Athener Regierung kämpft um die Zustimmung ihrer Euro-Partner und des IWF zu ihren Reformplänen. Davon hängt ab, wie schnell die Euro-Finanzminister weitere Hilfsgelder aus dem Rettungsprogramm freigeben. Insgesamt geht es um 7,2 Milliarden Euro, die die Regierung kurzfristig zur Begleichung von Schulden und zur Zahlung von Staatsausgaben wie Beamten-Gehältern braucht.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte, die Euro-Finanzminister würden sich mit dem Plan aus Athen befassen, wenn er vorliege. Dies sei bisher nicht der Fall. Der griechische Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis sagte, die Liste werde auch Ideen zur Verbesserung des Investitionsklimas und zur Effizienzsteigerung des Justizwesens enthalten.

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Schelling machte deutlich, dass er mit der bisherigen Zusammenarbeit mit der neuen Regierung unzufrieden ist: "Wir haben eine Vertrauenskrise mit Griechenland." Das Mittelmeerland halte sich nicht an Abmachungen und liefere keine Unterlagen. "Auf dieser Ebene Entscheidungen zu treffen, ist mühsam."

Teil der Ankündigungen Athens ist auch, entschlossener gegen Korruption vorzugehen. Der deutsche Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hält die Vorwürfe gegen deutsche Unternehmen - darunter Siemens - für einseitig. "Zur Korruption gehören generell immer zwei: einer, der gibt, und einer, der nimmt", sagte er der "Rheinischen Post". Er unterstrich aber den Grundsatz: "Korruption ist nie gerechtfertigt." Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone wäre aus seiner Sicht für die deutsche Wirtschaft "kein Riesenproblem." Ein Euro-Austritt würde aber Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der EU und des Euro schüren, was nicht gut für den Standort Europa wäre.

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