Zentralbank: Italienische Verhältnisse bei der EZB

ThemaEZB

Zentralbank: Italienische Verhältnisse bei der EZB

von Malte Fischer

Die EZB schickt sich an, in großem Stil Staatsanleihen zu kaufen. Damit ist der Weg in die Inflationsunion vorgezeichnet.

Blauer Himmel, weiße Strände, leckeres Essen und im Hintergrund „Azzuro“ von Adriano Celentano. So oder ähnlich sieht das Italienbild der Deutschen aus. Romantisch verklärt, eingebrannt ins kollektive Gedächtnis durch unzählige Urlaube in dem sonnenverwöhnten Mittelmeerland. Doch das Italien, das die Deutschen seit den Fünfzigerjahren als Urlaubsland so lieben, hat auch eine hässliche Seite. Die zeigte sich vor allem in den Siebziger- und Achtzigerjahren, bevor das Land den Euro einführte. Hohe Inflation, klaffende Löcher im Staatshaushalt, eine weiche Währung und niedriges Wirtschaftswachstum hatten das Land damals fest im Griff.

In den nächsten Jahren droht die italienische Krankheit von damals ganz Europa zu befallen. Der Grund: Um den Euro zu retten, schickt sich die Europäische Zentralbank (EZB) unter Leitung von Mario Draghi an, in die Fußstapfen der italienischen Zentralbank Banca d’Italia zu treten – und auch aus der Euro-Zone eine Inflationsunion zu machen. Spätestens nachdem Draghi ankündigte, er werde alles tun, um den Euro zu retten, ist klar: Die Währungshüter werden in großem Stil Staatsanleihen der Krisenländer kaufen, um deren Zinskosten zu senken und ihre Staatshaushalte mit frisch gedrucktem Geld zu finanzieren.

Anzeige

Ganz so, wie es die Banca d’Italia vor dem Euro-Beitritt Italiens jahrzehntelang getan hat. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, fürchtet daher, dass „die Euro-Zone zu einer italienischen Währungsunion wird – mit mehr Inflation, einer weichen Währung und weniger Wachstum“.

Grafik Zinsen

Klicken Sie auf die Grafik, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten

Ankauf verboten

Der Ankauf von Staatsanleihen ist den Euro-Hütern eigentlich verboten. Aus gutem Grund. Die Geschichte zeigt, dass die Finanzierung von Staaten mit der Notenpresse immer in Inflation mündete. Doch um den Euro zu retten, setzen sich die Frankfurter Notenbanker über alle Rechtsvorschriften und Erfahrungen hinweg. Bereits im Mai 2010 haben sie damit begonnen, Anleihen von Krisenländern zu kaufen. Insgesamt haben sie Staatspapiere im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro in ihrer Bilanz angehäuft.

Mit einem Trick erlaubte die EZB der griechischen Regierung zudem, einen Teil ihrer Schulden mit frisch gedrucktem Geld zu tilgen. Dazu gab die Regierung in Athen Anleihen mit einer Laufzeit von drei Monaten über vier Milliarden Euro aus. Griechische Banken kauften die Titel und reichten sie bei der Notenbank in Athen gegen frisch gedrucktes Zentralbankgeld ein.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%