ZEW-Chef : Fuest wird Nachfolger von Ifo-Präsident Sinn

ZEW-Chef : Fuest wird Nachfolger von Ifo-Präsident Sinn

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Clemens Fuest wird neuer Ifo-Chef.

Die Entscheidung über die Nachfolge ist gefallen: Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, wird neuer Chef des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung.

Der renommierte Ökonom Clemens Fuest wird Nachfolger von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der Steuerexperte und derzeitige Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wechsele im kommenden Frühjahr nach München, teilte das Ifo-Institut am Donnerstag mit.

Mit der Präsidentschaft verbunden ist eine Professur an der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in der bayerischen Landeshauptstadt. Sinn, der das damals kriselnde Ifo-Institut vor 16 Jahren übernommen und erfolgreich umgebaut hat, geht am 1. April 2016 in den Ruhestand. Dank seiner Medienpräsenz und zahlreicher Bücher wie "Die Basar-Ökonomie" oder der "Kasino-Kapitalismus" ist er einer der bekanntesten deutschen Ökonomen.

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Wie entsteht der ifo-Index?

  • Wie wird der ifo-Index ermittelt?

    Die Basis für den ifo-Index sind nicht Ökonomen und wissenschaftliche Experten, sondern die Firmen selbst. Einmal pro Monat fragt das ifo Institut quer durch Deutschland rund 7000 Betriebe, wie es ihnen geht. Dazu gehören kleine Geschäfte ebenso wie große Konzerne mit tausenden Beschäftigten. Die Auswahl der befragten Firmen aus allen Branchen passt das ifo Institut regelmäßig an und gewichtet die Antworten nach der Relevanz der Branche und der Größe der Firma. Die Teilnahme der Firmen ist freiwillig und unbezahlt. Kern der Umfrage ist ein Fragebogen, den die teilnehmenden Firmen jeden Monat ausfüllen. 40 Prozent der befragten Unternehmen füllen den Bogen noch immer auf dem Papier aus und schicken ihn per Post nach München.

  • Welche Fragen werden den Firmen gestellt?

    Der Fragebogen enthält rund ein Dutzend Fragen zur Einschätzung der aktuellen Lage und zu Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Die Unternehmen müssen unter anderem ankreuzen, wie sie die Auftragslage beurteilen, ob sie ihre Preise erhöhen oder Personal einstellen wollen. Die wichtigste Antwort wird an erster Stelle abgefragt: „Wir beurteilen unsere Geschäftslage als...“ Darauf können die Firmen mit „gut“, „befriedigend“ oder „schlecht“ antworten. Auf eine genauere Fragestellung haben die Konjunkturforscher verzichtet, da für Baufirmen völlig andere Faktoren entscheidend sind als für einen Bäcker oder Autozulieferer.

  • Wie entsteht aus 7000 Fragebögen eine Zahl?

    Vor dem Monatsende müssen die Firmen den Fragebogen an das ifo Institut zurückschicken. Alle Papier-Fragebögen müssen zunächst von einem Erfassungsbüro elektronisch aufbereitet werden. Erst in der Nacht vor der Veröffentlichung ermittelt ein Computerprogramm aus allen Werten die Statistik. Die wichtigste Zahl daraus ist der ifo Geschäftsklimaindex. Dieser setzt sich zusammen aus der aktuellen Einschätzung der Geschäftslage und den Erwartungen der Firmen für die nächsten sechs Monate. Da der ifo-Index oft auch die Börsen bewegt, darf nur ein kleiner Kreis aus Eingeweihten die Zahl vor der Bekanntgabe um zehn Uhr erfahren.

  • Wie zuverlässig ist der ifo-Index?

    In den vergangenen Jahren deckte sich der Verlauf des ifo-Index recht deutlich mit dem der realen Wirtschaft, gemessen am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Vor allem die Wendepunkte bildete der ifo-Index zuverlässig ab. Wenn die befragten Unternehmen ihre Lage mehrmals in Folge schlechter bewerteten als im Vormonat, ging also der ifo-Index zurück und später auch das Wirtschaftswachstum. Ein Problem bei der monatlichen Bekanntgabe des ifo-Index ist allerdings ein zeitlicher Verzug. Da viele Unternehmen den Fragebogen schon am Monatsanfang ausfüllen und abschicken, werden spätere Entwicklungen in dem laufenden Monat - wie politische Krisen oder wirtschaftlich relevante Naturkatastrophen - nicht mehr in der aktuellen Umfrage berücksichtigt. Dadurch gibt der Index in solchen Monaten mitunter ein verzerrtes Bild ab. „Dieses Problem wird sich erst in ein paar Jahren lösen, wenn die Umfrage nur komplett online erfolgt“, sagt ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Der 1968 in Münster geborene Fuest studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Bochum und Mannheim. Seit März 2013 leitet er das ZEW. Davor war er fünf Jahre Professor für Unternehmensbesteuerung und Forschungsdirektor des Centre for Business Taxation der Universität Oxford.

Fuest gehört zu jenen Ökonomen, die sich in der Schuldenkrise für eine harte Haltung gegenüber Griechenland aussprechen. "Man sollte Griechenland im Euro halten, aber nicht um jeden Preis", sagte er kürzlich. Sinn vertritt eine ähnliche Meinung.

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"Fuest ist ein hervorragender Ökonom, der sich durch sein wissenschaftliches Schrifttum und seine Beiträge zur Politikdebatte in Deutschland und auch international eine hohe Anerkennung erworben hat", lobte Sinn seinen Nachfolger. Bekannt ist das Ifo-Institut für sein monatlich per Umfrage unter 7000 Managern ermitteltes Geschäftsklima, das als zuverlässiger Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft gilt.

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