ZEW: Konjunkturerwartungen fallen zum siebten Mal in Folge

ZEW: Konjunkturerwartungen fallen zum siebten Mal in Folge

Experten bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wegen des Volkswagen-Skandals und schwächelnder Schwellenländer so schlecht wie seit einem Jahr nicht mehr. Das Barometer fiel den siebten Monat in Folge.

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Oktober auch wegen des Volkswagen-Skandals weiter eingetrübt. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sei um 10,2 Punkte auf 1,9 Punkte gefallen, teilte das ZEW am Dienstag in Mannheim mit. Das ist der siebte Rückgang für die Erwartungen für die Konjunkturentwicklung Deutschlands in Folge, der Indikator sinkt damit auf den niedrigsten Wert seit Oktober des vergangenen Jahres. Bankvolkswirte hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, aber nur auf 6,5 Punkte.

„Der Abgasskandal bei Volkswagen und die Wachstumsschwäche der Schwellenländer dämpfen die Konjunkturaussichten für Deutschland“, kommentierte ZEW-Präsident Clemens Fuest die Daten. „Aufgrund der nach wie vor guten wirtschaftlichen Ausgangslage im Inland und der voranschreitenden konjunkturellen Erholung der Eurozone dürfte ein Abrutschen Deutschlands in die Rezession allerdings wenig wahrscheinlich sein.“

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Volkswagens Abgas-Skandal Die wichtigsten Fragen zum Dieselgate bei VW

Kein Tag ohne Schlagzeilen zu Volkswagen und der Schummel-Software. Was kostet der Skandal, was ändert sich bei VW und was wird aus Winterkorn – Sie haben den Durchblick verloren? Die wichtigsten Infos.

Von der Manipulation betroffener Dieselmotor: Die Folgen des Skandals sind noch nicht absehbar. Quelle: dpa

Europas größter Autobauer muss mit milliardenschweren Strafen und Schadensersatzforderungen rechnen. Allein für millionenfache Rückrufe hat Volkswagen 6,5 Milliarden Euro zur Seite gelegt, die Investitionen sollen um eine Milliarde Euro im Jahr gekürzt werden Darunter könnten auch Zulieferer leiden.

"Der VW-Abgasskandal dürfte auf das sensible Gemüt der befragten Finanzmarktanalysten gedrückt haben", sagte Thomas Gitzel von der VP Bank. "Doch so deutlich der Rückgang des Konjunkturbarometers ist, wir sollten alle Fünfe mal gerade sein lassen." Die Rahmenbedingungen seien nach wie vor günstig - geringe Arbeitslosenquote, ordentliche Lohnsteigerungen und niedrige Zinsen. "Nicht zu vergessen auch: Der Flüchtlingszustrom wirkt über höhere Staatsausgaben als Mini-Konjunkturprogramm", sagte Gitzel.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Allerdings sehen Experten wenig Spielraum für ein beschleunigtes Wachstum. "An den Finanzmärkten bleibt die Unsicherheit über das Wachstum in den Schwellenländern bestehen" sagte der Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte. Etwa 30 Prozent der deutschen Exporte gehen in Schwellenländer wie China oder Brasilien, die den größten Boom vorerst hinter sich haben. "Für das Wirtschaftswachstum in Deutschland lassen sich keine genauen Rückschlüsse ziehen, aber nach einer Beschleunigung sieht es gerade nicht aus", sagte Sandte.

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Die konjunkturellen Lage in Deutschland bewerteten die Experten ebenfalls schlechter: Das Barometer fiel um 12,3 auf 55,2 Zähler. Die Bundesregierung wird ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr wegen der Konjunkturabkühlung in den Schwellenländern voraussichtlich leicht zurücknehmen. Sie veranschlagt das Plus für 2015 nur noch auf 1,7 Prozent, nachdem sie bislang mit 1,8 Prozent gerechnet hatte, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen erfuhr. Für das kommende Jahr bleibe sie aber bei 1,8 Prozent. Hierzu trage bei, dass das Wachstum durch die Ausgaben für Flüchtlinge kurzfristig Impulse erhalten dürfte. Allerdings werde die Arbeitslosenzahl im kommenden Jahr etwas zunehmen.

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