Zinsentscheid: Draghi flirtet weiter mit Kreditverbriefungen

Zinsentscheid: Draghi flirtet weiter mit Kreditverbriefungen

von Saskia Littmann

Die EZB will den Markt für Kreditverbriefungen wiederbeleben, daran arbeitet sie unter Hochdruck. Die deutschen Inflationssorgen sind ihr dabei egal.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist in ihrer Rolle als Finanzier der Banken wie festgewachsen. Ein Ende dessen ist nicht in Sicht. Während im Fall des US-Notenbank Fed eifrig diskutiert wird, wann die Währungshüter den Zins erstmalig wieder anheben könnten, geht bei der EZB jedermann davon aus, dass die Notenbank den Markt noch sehr lange mit viel Liquidität versorgen wird. Und EZB-Chef Mario Draghi hat diesen Eindruck wieder einmal bestätigt.

Zwar beließen der Italiener und seine 23 Kollegen aus dem EZB-Rat den Leitzins wie erwartet auf seinem Rekordtief von 0,15 Prozent. Auch der Einlagezins liegt weiterhin auf Strafniveau bei minus 0,10 Prozent. Diese abwartende Haltung war erwartet worden, da Draghi erst im Juni ein Paket an Maßnahmen verkündet hatte, um die niedrigen Inflationsraten in der Euro-Zone wieder zum Wachsen zu bringen.

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Noch war der Italiener dabei erfolglos, denn die Teuerungsrate in der Euro-Zone lag zuletzt bei nur noch 0,4 Prozent und ist entsprechend gegenüber dem Juni noch einmal um 0,1 Prozent gesunken. Damit liegt die Inflationsrate immer noch weit weg vom Inflationsziel der EZB, welches bei knapp unter zwei Prozent liegt. Dennoch gibt sich die Zentralbank gelassen. Mario Draghi betonte mehrfach, dass die vergleichsweise niedrige Teuerung bei den Energiepreisen die Hauptursache der Mini-Inflation seien. „Rechnet man die Energiepreise aus der Inflationsrate heraus, liegt die Inflationsrate bereits bei 0,8 Prozent“, erklärte der EZB-Präsident.

Deflationssorgen EZB belässt den Leitzins bei 0,15 Prozent

Die Inflation im Euroraum ist gefährlich niedrig. Der Druck auf Europas Währungshüter ist groß, doch zunächst hält sich die EZB mit weiteren Schritten zurück - und ändert den Leitzins nicht.

EZB dürfte trotz gesunkener Inflation abwarten. Quelle: dpa

ABS-Revival rückt immer näher

Dennoch stellte Draghi unmissverständlich klar, dass die Zeit des billigen Geldes noch lange nicht vorbei sein wird. Im Gegenteil: die EZB arbeitet fleißig daran, den Markt für Kreditverbriefungen, sogenannte Asset Backed Securities (ABS), wiederzubeleben. Das war von Draghi zwar bereits mehrfach angedeutet worden, die Maßnahme wird allerdings immer konkreter.

„Wir wollen vorbereitet sein, darum haben wir die Vorbereitungen intensiviert“, sagte Mario Draghi. Der Italiener betonte sogar, die EZB habe für dieses Vorhaben einen Berater eingestellt. Auf die Frage, wie wahrscheinlich es sei, dass Beratungen und Vorbereitungen irgendwann auch reale Folgen hätten, erklärte Draghi, man würde den Aufwand nicht betreiben, wenn man es definitiv nicht machen wolle.

Draghi selber liebäugelt schon lange mit einer Neuauflage des ABS-Marktes. Bereits auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos brachte der EZB-Chef die Maßnahme ins Gespräch. Der ursprüngliche Markt für verbriefte Kredite war im Zuge der Finanzkrise zum Erliegen gekommen, nachdem die zu Krediten verpackten Risiken als einer der Auslöser für die Krise galten.

"Einfache, transparente und reale Produkte"

Da die Papiere derart umstritten sind, betonte Draghi mehrfach, diese Neuauflage des Marktes solle „einfache, transparente und reale“ Produkte hervorbringen. Bei solchen Kreditverbriefungen werden Verbraucher- und Unternehmensdarlehen zu Paketen geschnürt und in Form von Wertpapieren weiterverkauft. ABS gelten als besonders intransparent, Kritiker warnen vor den extremen Risiken, die sich die EZB damit in ihre Bilanz holen würde. Auch im Rat der Notenbank ist die Maßnahme nicht unumstritten. Auch Bundesbank-Chef Weidmann warnte vor den Papieren. Diese seien „problematisch, wenn die Notenbanken damit größere Risiken übernähmen, die so im Ergebnis auf die Steuerzahler verlagert würden”, sagte Weidmann in einem Interview mit der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.

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Aber Weidmann, der längst nicht mehr der Rebell im EZB-Rat ist, scheint zu wissen, dass die ABS-Käufe immer wahrscheinlicher werden, solange die Inflation nicht steigt. Vermutlich ist das einer der Gründe dafür, dass Weidmann kürzlich die Debatte über höhere Löhne in Deutschland befeuerte und damit die Teuerung quasi herbeiredete.

Ein gutes hat die ABS-Affinität Draghis aber auch für die Bundesbank. Der Italiener verzichtete auf ein klares Signal in Sachen Anleihekaufprogramm. Zwar deutete der Italiener an, die EZB sei bereit, massiv Anleihen zu kaufen. Detaillierter wurde er dabei jedoch nicht. Die EZB bleibt also fest in ihrer Rolle als Geldgeber, aber der ultimative Knopf am Gelddrucker wurde noch nicht gedrückt.        

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