Zinsentscheid: EZB muss abwarten und Klarheit schaffen

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Zinsentscheid: EZB muss abwarten und Klarheit schaffen

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Das Eurozeichen vor dem Frankfurter Eurotower.

von Saskia Littmann

Nach der geldpolitischen Keule im Juni dürfte die EZB es beim Zinsentscheid am Donnerstag ruhiger angehen lassen. Diskussionsbedarf gibt es trotzdem reichlich.

Kaum steht der nächste Zinsentscheid vor der Tür, werden erneut Rufe nach ultraexpansiven geldpolitischen Instrumenten laut. Und das, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) erst im Juni einen großen Maßnahmenkorb verabschiedet hat. Am Mittwoch war es die französische Regierung, die erneut in die Offensive ging und von der EZB aggressivere Schritte gegen den starken Euro und die Deflationsgefahren forderte.

"Ich wünsche mir eine Zentralbank, die noch weiter gehen kann - auch durch den Kauf von Vermögenswerten an den Märkten", sagt der französische Ministerpräsident Manuel Valls. Geldpolitik könne nicht allein über Zinsen laufen. Die französische Regierung wetterte bereits mehrfach gegen den starken Euro. Die Gemeinschaftswährung hält sich seit drei Monaten stabil jenseits der Marke von 1,35 Dollar und die Franzosen fürchten um ihre Exportwirtschaft.

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Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

Noch gilt es als unwahrscheinlich, dass die Forderungen der Südländer nach einer weiteren Geldschwemme erhört werden. Schließlich hat die EZB die Märkte erst vor einem Monat mit einem geldpolitischen Milliardenpaket geflutet. Zunächst müssen die Zentralbanker also abwarten, ob ihre Saat Früchte trägt. Dennoch dürfte ein erneutes Öffnen der Schleusen unter den Notenbankern im EZB-Rat diskutiert werden.

Eine weitere Zinssenkung gilt als unwahrscheinlich, nachdem der Leitzins erst im Juni auf ein neues Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt wurde. Hinzu kommt der Strafzins für Banken, der gleichzeitig eingeführt wurde. Seitdem zahlen Banken auf ihre Einlagen bei der EZB 0,1 Prozent an "Parkgebühren". Zudem beschlossen die EZB-Räte, Banken bis mindestens 2016 weiter großzügig mit Krediten beliefern zu wollen.

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Quelle: dpa

Jetzt ist allerdings erst mal eine Pause nötig. Entsprechendes fordert Kristian Tödtmann, Notenbankexperte der Dekabank, in einer aktuellen Studie: "Geduld bitte!". "Der Erfolg insbesondere der zielgerichteten langfristigen Refinanzierungsgeschäfte wird sich erst im späteren Verlauf des Jahres beurteilen lassen", schreibt Tödtmann. Erst in den nächsten Monaten beginnt die EZB damit, die dafür vorgesehenen rund 400 Milliarden Euro an die Finanzmärkte zu bringen.

Auch die niedrigeren Zinsen zeigen bisher kaum die erhoffte Wirkung. Die Inflationsrate in der Euro-Zone lag im Juni erneut bei nur 0,5 Prozent und liegt damit weiterhin deutlich unter dem von der EZB angepeilten Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent. Volkswirte sehen die Zentralbank dennoch nicht unter Druck. Weiterhin beruhen die deflationären Tendenzen vor allem aus der geringen Teuerung bei Energie sowie bei Lebensmitteln. Die Kernrate der Inflation, aus der diese Komponenten zusammen mit Alkohol und Tabak herausgerechnet werden, legte in der Euro-Zone etwas auf 0,8 Prozent zu.

Kurzfristig wirkte zumindest der negative Einlagezins. Bereits wenige Tage nach der Einführung hatten die Banken ihre kurzfristigen Einlagen bei der Zentralbank deutlich reduziert. Allerdings wird sich erst längerfristig zeigen, ob die Banken das Geld lediglich anderweitig parken oder ob sie es tatsächlich in Form von Krediten weitergeben.

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