Zwischenfall im Thalys-Zug: Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt

Zwischenfall im Thalys-Zug: Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt

, aktualisiert 22. August 2015, 11:57 Uhr
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Nach den Schüssen in einem franzözischen Schnellzug ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Nur ein Eingreifen mehrerer Reisender hat wohl ein Blutbad an Bord des Thalys-Schnellzugs von Amsterdam nach Paris verhindert. Die Männer werden als Helden gefeiert. Die Motive des bewaffneten Schützen sind noch unklar.

Nach der Attacke in einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Amsterdam nach Paris prüfen französische Ermittler, ob es einen terroristischen Hintergrund gibt. Ein Mann hatte am frühen Freitagabend vermutlich mit einer Kalaschnikow das Feuer eröffnet und zwei Menschen schwer verletzt, als der Zug durch das belgisch-französische Grenzgebiet rollte. Nach ersten Einschätzungen verhinderte nur das beherzte Eingreifen mehrerer Fahrgäste ein Blutbad: Zwei junge US-Soldaten und ein Student überwältigten den Schützen, im nordfranzösischen Arras übergaben sie ihn der Polizei.

„Furchtbares Drama“ verhindert

„Wir haben einen Schuss und berstendes Glas gehört“, erzählte der Nationalgardist Alek Skarlatos. Er habe hinter sich geschaut und einen Mann mit einer Kalaschnikow gesehen, dann habe er sich zusammen mit anderen Fahrgästen auf den Mann gestürzt. „Wir haben ihn letztlich gefesselt, aber dann hat er währenddessen tatsächlich ein Messer gezogen und (den zweiten US-Soldaten) Spencer geschnitten“, sagte der Brite Chris Norman, der den Amerikanern nach eigenen Angaben bei der Überwältigung des Mannes half. Skarlatos erzählte: „Wir haben ihn gegen den Kopf geschlagen, bis er bewusstlos war.“

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Getötete und gefangen genommene Top-Terroristen

  • Abu Sajjaf, Mai 2015

    US-Eliteeinheiten töten nach Pentagon-Angaben einen ranghohen Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Der Mann mit dem Kampfnamen Abu Sajjaf sei für Öl-, Gas- und andere finanzielle Operationen des IS zuständig gewesen.

  • Aden Garer, März 2015

    Aden Garer, März 2015: Bei einem US-Drohnenangriff in Somalia wird der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorattacke auf das kenianische Einkaufszentrum Westgate, ein Mitglied der radikalislamischen Al-Shabaab-Miliz, getötet.

  • Ahmed Abdi Godane, September 2014

    Der Anführer der Al-Shabaab-Miliz stirbt infolge eines gezielten amerikanischen Raketen-Angriffs in Somalia.

  • Ahmed Abdul Chattala, Juni 2014

    Der Führer der libyschen Islamistengruppe Ansar al-Scharia wird fast zwei Jahre nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi als mutmaßlicher Drahtzieher des Anschlags von einem US-Kommando gefasst.

  • Abu Anas Al-Libi, Oktober 2013

    Ein US-Kommando überwältigt den als Spitzenmann der Al-Kaida gesuchten Libyer vor seinem Haus in der Hauptstadt Tripolis. Er wurde im Zusammenhang mit den Angriffen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 gesucht. Er stirbt im Januar 2015 kurz vor Beginn seines Prozesse in New York.

  • Osama bin Laden, Mai 2011

    Nach fast zehnjähriger Jagd erschießen US-Elitesoldaten bei einer Kommandoaktion in der pakistanischen Stadt Abbottabad den meistgesuchten Terroristen der Welt.

Die Fahrgäste hätten damit möglicherweise ein „furchtbares Drama“ verhindert, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve. Auch US-Präsident Barack Obama lobte den Mut der Passagiere, darunter US-Militärangehörige. Sie hätten mit ihren „heldenhaften Taten“ möglicherweise eine weitaus schlimmere Tragödie verhindert, hieß es nach Angaben des Weißen Hauses. Auch in sozialen Netzwerken wurden sie gefeiert.

Der Vorfall ereignete sich am Freitag gegen 17.45 Uhr. Noch am Abend zog die für Terrorismus zuständige Pariser Staatsanwaltschaft den Fall an sich. Belgiens Premierminister Charles Michel hatte schon früh von einem Terroranschlag gesprochen, die französischen Behörden legten sich aber noch nicht fest und betonten, das Motiv sei noch nicht geklärt.

Höchste Terrorwarnstufe

Der Festgenommene hat terroristische Absichten bestritten. Dies berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstag unter Berufung auf Polizeikreise. Demnach halten die Ermittler die Angaben des Mannes bislang aber nicht für stichhaltig. Er sei nach ersten Ermittlungen nie im Gefängnis gewesen und entspreche nicht dem Profil eines Kriminellen. Der Mann habe sich als 26 Jahre alter Marokkaner ausgegeben, die spanischen Behörden hätten ihn den Franzosen als radikalen Islamisten gemeldet.

Laut „El País“ lebte der Festgenommene ein Jahr in Spanien, bevor er nach Frankreich gezogen sei, und sei auch in Syrien gewesen. Zudem hatte er mehrere Waffen und Magazine bei sich. „Er hatte die Schießerei wirklich geplant“, meinte der US-Soldat Skarlatos.

Frankreich war in den vergangenen Monaten mehrfach Ziel von Terroranschlägen oder -plänen mit islamistischem Hintergrund. Im Januar schockierten die blutigen Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt das Land, Ende Juni sorgte ein brutaler Mord in einer Chemiefabrik bei Lyon für Schlagzeilen. Mehrfach berichtete die Behörden von vereitelten Terrorplots, beispielsweise gegen Kirchen. In der Region Paris gilt die höchste Terrorwarnstufe, Soldaten stehen vor gefährdeten Gebäuden Wache, die Regierung versprach mehr Polizisten.

Wann die Staatsanwaltschaft sich offiziell zu den Ermittlungen äußern würde, war am Samstag zunächst unklar. „Alles wird getan, um Licht in dieses Drama zu bringen“, versprach der französische Präsident François Hollande am Freitag. Er vereinbarte mit Belgiens Premierminister Michel, bei der Aufklärung der Tat eng zusammenzuarbeiten.

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