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Fragen der Wirtschaft: Zocken Banken zu viel?

von Norbert Häring Quelle: Handelsblatt Online

Deutschlands Banken verzockten sich vor der Krise am amerikanischen Immobilienmarkt. Dabei vernachlässigten sie ihr Kerngeschäft, die produzierende Wirtschaft mit Kredit zu versorgen.

Die Banken-Türme der Frankfurter Skyline. Quelle: dpa
Die Banken-Türme der Frankfurter Skyline. Quelle: dpa

Die SPD will sich die schlechte Presse der Banken zunutze machen und einen Wahlkampf für eine schärfere Bankenregulierung führen. Ist das reiner Populismus oder überfällige politische Reaktion auf die Finanzkrise?

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Die Lehrbuchökonomie liefert wenig Hilfreiches zu dieser Frage. In den Modellen, mit denen Ökonomen das Auf und Ab der Konjunktur und das langfristige Wirtschaftswachstum erklären, kommt der Finanzsektor meist gar nicht vor. Die Ökonomen gehen davon aus, dass die Banken nur im Hintergrund das Räderwerk schmieren, indem sie das Geld der Sparer in die beste Investition lenken.

Die Finanzkrise hat dieser Sichtweise einen Knacks gegeben. Die SPD kann sich sogar auf die Europäische Zentralbank berufen, die jüngst den Banken vorwarf, zu viel zu spekulieren und darüber ihr Kerngeschäft, die Kreditvergabe, zu vernachlässigen. Da immer mehr Aktivitäten zwischen den Instituten selbst stattfinden, „löst sich das Finanzsystem tendenziell von seiner ursprünglichen Rolle, eine stabile Finanzierung und Risikodiversifikation zur Stützung der Realwirtschaft zu gewährleisten“, schrieb sie. Mit anderen Worten: Die Banken haben statt der Investitionen der Betriebe in neue Produktionskapazitäten lieber die Spekulation mit bestehenden Vermögenswerten finanziert oder gleich selbst damit spekuliert.

„Solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen. Wir tanzen noch“, hatte Charles Prince, damals Chef der Citigroup, im Juli 2007 die Haltung der Banken auf den Punkt gebracht. Erst wenn die Musik aufhöre zu spielen, weil die Liquidität austrocknet, werde es schwierig werden, hatte Prince hinzugefügt – und damit deutlich gemacht, dass zumindest die klügeren Banker wussten, dass sie mit ihrer fehlgelenkten Kreditvergabe eine Blase aufpumpen, die irgendwann platzen muss.

Das Problem ist, dass für Banken an einer Finanzblase viel mehr und schneller Geld zu verdienen ist als im Brot-und-Butter-Geschäft der Investitionsfinanzierung. Man kann sich daher keinesfalls darauf verlassen, dass sie ihre Kredite nur dahin lenken, wo sie volkswirtschaftlichen Nutzen stiften. Die Standard-Ökonomie sah das nicht, weil Preisblasen in ihr nicht vorkommen.

Solange die Musik spielte, sind die Gewinne der Banken und die davon abhängigen Boni kräftig gestiegen. Das führte unter anderem dazu, dass alle klugen Köpfe an den besten Universitäten nur noch das Ziel kannten, einen hoch bezahlten Job als Investment-Banker zu angeln, anstatt sich auf eine Karriere in der produzierenden Wirtschaft vorzubereiten.

Als die Musik aufhörte zu spielen, brachen die Kurse der spekulativ nach oben getriebenen Wertpapiere und Immobilien ein und die Bilanzen der Banken waren verwüstet. Der Staat musste mit Milliardenhilfen einspringen, was entscheidend zum Ausbruch der Euro-Staatsschuldenkrise beitrug.

In Deutschland gab es keine Immobilienblase, weil es hier besonders strenge Regeln für Immobilienkredite gibt. Dafür verzockten sich einige deutsche Banken auf dem US-Immobilienmarkt. Zu frühen Bundesbank-Zeiten, insbesondere bis in die 1970er-Jahre, herrschte noch eine strenge Aufsicht über die Banken, die dafür sorgte, dass deren Kredite vor allem die produzierende Wirtschaft finanzierten. Das sollten wir wieder anstreben.

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