
HB DüSSELDORF. "Ich will eine Veröffentlichungspflicht einführen, die zeigt, wie viele Frauen in dem jeweiligen Unternehmen in Führungspositionen arbeiten", sagte Schröder der "Rheinischen Post". Eine Quote für Frauen in Aufsichtsräten sei die "ultima ratio". Schröder fügte hinzu: "Ich schließe eine Quote in Aufsichtsräten nicht aus." Öffentliche Rankings würden "die Unternehmen unter Druck setzen, Frauen zu fördern und familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu bieten". Davon verspreche sie sich eine deutlich bessere Beteiligung von Frauen in Führungspositionen, betonte die Ministerin.
Die Grünen wollen eine gesetzliche Regelung. "Von Gleichstellung in der Privatwirtschaft sind wir noch meilenweit entfernt", begründen Parteichefin Claudia Roth, Bundesvorstandsmitglied Astrid Rothe-Beinlich und die Spitzenkandidatin für die Wahl in Nordrhein-Westfalen Sylvia Löhrmann ihr Forderung in einer Handelsblatt Online vorliegenden Erklärung zur Bundesfrauenkonferenz am Wochenende in Bonn.
Um für alle mehr möglich zu machen, brauche es "gemischte Teams in Politik und Wirtschaft - auf allen Ebenen", heißt es in der Erklärung weiter. Ein Selbstläufer sei dies jedoch nicht, gaben die Unterzeichner der Erklärung zu bedenken. "Deshalb streiten wir im Bund und in NRW gleichermaßen für eine Frauenquote von 50 Prozent in den Aufsichtsräten, um die gläserne Decke endlich zu durchbrechen." Das gelte auch für die Hochschulen, betonen die Grünen-Politikerinnen. "Ihre finanzielle Förderung muss stärker an das Ziel gebunden werden, den Frauenanteil in Führungspositionen und naturwissenschaftlich-technischen Fächern zu erhöhen", fordern sie.
Die Forderungen sollen in das bereits bestehende Grünen-Konzept des "Green New Deal" einfließen. "Der grüne Neue Gesellschaftsvertrag bietet Chancen für alle, die Wachstum nicht ausschließlich monetär definieren und für die Gleichstellung keine Frage ist", schreiben Roth, Rothe-Beinlich und Löhrmann. "Wachstum an Wissen, Wachstum an Geschlechtergerechtigkeit, Wachstum an Menschlichkeit und Wachstum an Verantwortung auch für die Schwachen - das ist ein guter grüner Deal."
Der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages hatte es mit den Stimmen von Union und FDP abgelehnt, eine Frauenquote für die Aufsichtsräte börsennotierter Gremien einzuführen. Die Grünen hatten in einem Antrag beklagt, dass in den 200 größten deutschen Unternehmen der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten bei weniger als zehn Prozent liege. Deshalb hatte die Fraktion laut Mitteilung des Bundestags gefordert, im Börsengesetz eine Frauenquote von 40 Prozent festzuschreiben. Werde diese bis 2017 nicht erreicht, sollten die Firmen sanktioniert werden - bis hin zur Entziehung der Börsenzulassung. SPD und Die Linke enthielten sich bei Abstimmung des Antrags.
Die Grünen kritisierten damals, dass andere Länder in der Frage weiblicher Aufsichtsräte schon viel weiter seien. Seit 2008 müssten beispielsweise in Norwegen den Aufsichtsräten börsennotierter Firmen 40 Prozent Frauen angehören. Die Grünen begrüßten zwar, dass die Telekom 30 Prozent der Leitungsposten bis 2015 mit Frauen besetzen wolle. Sie beklagten jedoch, dass Familienministerin Kristina Schröder einer Quote skeptisch gegenüberstehe. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass man mit freiwilligen Regelungen nicht weiterkomme, argumentierten die Abgeordneten.















