
LONDON. Beim heftig umstrittenen Thema Boni und Gehälter kommt auf die Banker in der Londoner City neues Ungemach zu. Heute wird die endgültige Fassung des sogenannten Walker-Reports veröffentlicht, und die Vorschläge des ehemaligen Finanzaufsehers und Morgan-Stanley-Bankers David Walker zum Umbau des britischen Finanzsystems fallen nun noch strikter aus, als in der ursprünglichen Fassung.
Walker hat im Auftrag der Labour-Regierung von Premierminister Gordon Brown die Regeln für die Unternehmensführung der Finanzbranche analysiert und einen umfangreichen Reformkatalog erarbeitet. Besonders schmerzlich dürften für die Banken die von Walker geforderten Transparenzstandards sein. Bislang müssen in Großbritannien lediglich die Gehälter von Mitgliedern der Unternehmensführung (Board) veröffentlicht werden, jetzt soll auch die Entlohnung aller anderen Topverdiener in den Banken publiziert werden.
Geht es nach Walker, dann müssen alle Mitarbeiter, die mehr als eine Mio. Pfund im Jahr verdienen, ihre Bezüge offenlegen. Konkrete Namen müssen die Banken nicht nennen, sie sind aber verpflichtet darzustellen, wie viele Mitarbeiter in bestimmte Gehaltsbänder fallen, deren unterste Schwelle bei einem siebenstelligen Betrag beginnt. Darüber hinaus müssen die Banken veröffentlichen, wie sich die Bezahlung dieser Mitarbeiter auf Gehalt, Bonus und Pensionszusagen aufteilt.
Senkung der Offenlegungsschwelle
Die neue Unterschwelle von einer Mio. Pfund ist härter als die Regelung in der ersten Fassung. Dort hatte Walker die neuen Transparenz-Regeln noch nur für Mitarbeiter festschreiben wollen, die mehr als das Durchschnittsgehalt der Board-Mitglieder verdienen. Außerdem fordert er jetzt, die neuen Regeln gesetzlich festzuschreiben.
Ursprünglich hatte Walker einen freiwilligen Kodex vorgeschlagen. Premierminister Gordon Brown hat bereits angekündigt, dass er bereit ist, die Empfehlungen zügig umzusetzen. Den Walker-Empfehlungen zufolge müssen in Zukunft alle Boni zwingend an den langfristigen Erfolg der Finanzhäuser geknüpft sein. Die Ausschüttungen der Topverdiener sollen zudem über fünf Jahre gestreckt werden.
In seinem Report fordert der Ex-Banker außerdem mehr Macht und Verantwortung für Aufsichtsräte. Dabei geht es unter anderem um eine Stärkung der Rolle des Entlohnungsausschusses im Board der Banken, der nicht mehr nur für die Bezahlung des Topmanagements verantwortlich sein soll, sondern für die Boni aller Mitarbeiter.
Der Vorsitzende dieses Gremiums soll sich automatisch zur Wiederwahl stellen müssen, sobald 25 Prozent der Aktionäre auf der Hauptversammlung gegen die Bonus-Praxis des Unternehmens stimmen.
Aber nicht nur von den Aufsichtsräten fordert Walker mehr Einsatz, auch die Aktionäre müssten als Eigentümer der Institute mehr Verantwortung übernehmen. "Großanleger sollten weniger passiv sein und sich früher engagieren, wenn sie den Verdacht haben, dass die Unternehmensführung Schwächen aufweist."












