2014 als verlorenes Jahr : Wirtschaft kritisiert Regierung

ThemaKonjunktur

2014 als verlorenes Jahr : Wirtschaft kritisiert Regierung

Bild vergrößern

Scharfe Kritik an der Großen Koalition von Seiten des BDI

Der BDI zieht Bilanz - und die fällt für die große Koalition nicht gut aus. Unterstützung erhält Präsident Grillo aus Wirtschaftspolitik und Wissenschaft. Die SPD-Generalsekretärin ist das Lamento leid.

Die Wirtschaft hat der Bundesregierung zum Jahresabschluss ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. „Wenn ich an Schwarz-Rot denke, bin ich durchaus angespannt“, sagte Industrie-Präsident Ulrich Grillo der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hätte mir mehr erhofft. Das erste Jahr war verschenkt, da wurde viel Geld wenig zukunftsgerichtet ausgegeben.“ Auch der CDU-Wirtschaftsrat zeigte sich höchst unzufrieden. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, warf der Regierung vor, mit ihren Rentenreformen und dem Mindestlohn Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden.

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi wies die Vorwürfe zurück. „Ich bin das ewige, immer gleiche Lamento der Wirtschaftsvertreter allmählich leid. Selten waren die Voraussetzungen für die hiesige Industrie so rosig wie im Augenblick“, sagte Fahimi der Deutschen Presse-Agentur.

Anzeige

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Von verantwortungsbewussten Arbeitgebern erwarte sie, dass diese sich endlich an der Verbesserung Deutschlands beteiligten. „Dazu gehören mehr Arbeitsplätze, bessere Tarifbindungen und endlich wieder mehr private Investitionen in Anlagen und Fortbildung. Deutschland muss besser werden, nicht billiger“, forderte die Sozialdemokratin.

Grillo, Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), sieht das aber gänzlich anders. Wenn Deutschland nicht aufpasse, „haben wir in 5 bis 10 Jahren unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder eingebüßt“. Wohlstand und Wachstum seien keine Selbstläufer. Angesichts der Rekordbeschäftigung von 43 Millionen Menschen sei die Gefahr groß, dass sich alle in der Politik zurücklehnten. „Ich warne vor Selbstzufriedenheit.“ Nur den Koalitionsvertrag abzuarbeiten, sei zu wenig, warf er den Regierungsparteien CDU, CSU und SPD vor. „Der Kurs für 2015 muss lauten: Mehr investieren, weniger umverteilen.“

Das verlangte auch der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger. „2015 muss besser werden“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Wir dürfen uns nicht mit vordergründiger Sozialromantik aufhalten.“ Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) solle endlich seine Konzentration von der Pkw-Maut auf Zukunftsprojekte lenken und sich um die digitale Agenda kümmern. „Die Maut allein reicht auch nicht aus, Straßen, Brücken und Schleusen wie nötig zu sanieren.“

weitere Artikel

Der Wirtschaftsforscher Snower gab zwar zu, dass die Rente mit 63 und die Mütterrente positive Effekte auf den Konsum gehabt hätten, weil sie die Kaufkraft stärkten. „Dennoch sind das falsche Signale, und Signale sind sehr wichtig“, sagte er der dpa. Frühere Reformen wie Hartz IV hätten die Wirtschaft zum Brummen gebracht. „Aber der jetzige Kurs geht in die entgegengesetzte Richtung.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%