Abschwung: Notenbanken mit dem Fuß auf dem Gas

KommentarAbschwung: Notenbanken mit dem Fuß auf dem Gas

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

von Malte Fischer

Der Konjunkturabschwung setzt die Notenbanken unter Druck, die Zügel weiter zu lockern.

Wenn sich die Währungshüter der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag treffen, ist ihnen die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte gewiss. Denn die Zentralbanker werden ihre neuen Konjunktur- und Inflationsprognosen vorstellen. Und die dürften nach unten weisen.

Wie stark sich die Aussichten für die Konjunktur eingetrübt haben, zeigen die in der vergangenen Woche veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für die Industrie. Der Index für den Euro-Raum sackte um 1,4 auf 49,0 Zähler und befindet sich damit zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder unter der Marke von 50 Punkten, die den Expansions- vom Kontraktionsbereich trennt. Während die Industrieproduktion in Deutschland, Österreich und den Niederlanden marginal steigt, schrumpft sie in Frankreich, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Besonders alarmierend: Das Verhältnis der Auftragseingänge zu den Lagerbeständen sank im August auf den tiefsten Stand seit knapp zweieinhalb Jahren. Die Unternehmen werden die spärlicher eingehenden Bestellungen daher in den nächsten Monaten vor allem durch Lagerbestände befriedigen und die Produktion zurückfahren.

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Auch in den USA setzte der ISM-Einkaufsmanagerindex seine Talfahrt fort. Zwar fing er sich im August mit 50,6 Punkten knapp über der kritischen Marke von 50. Doch ebenso wie in der Euro-Zone sanken auch jenseits des Atlantiks die Auftragseingänge im Verhältnis zu den Lagerbeständen – kein gutes Zeichen für die Produktion.

Zinsen weiter niedrig

Die globale Nachfrageschwäche hält die Rohstoffnotierungen in Schach und verringert den Spielraum der Unternehmen, die Preise anzuheben. Die Zentralbanken dürften das zum Anlass nehmen, den Fuß weiter auf dem Gaspedal zu lassen. Zwar hat sich die US-Notenbank Fed noch nicht festgelegt, ob sie eine neue Runde der quantitativen Lockerung durch den Ankauf von Staatsanleihen einleitet. Doch mit jeder schlechten Konjunkturnachricht nimmt der Druck zu. Die geldpolitischen Tauben im Offenmarktausschuss fordern, die Fed solle so lange Staatsanleihen kaufen, bis die Arbeitslosenquote von derzeit neun auf sieben Prozent gefallen ist. Dass die Erwerbslosigkeit in den USA in zunehmendem Maße strukturelle Ursachen hat, gegen die eine expansive Geldpolitik machtlos ist, ficht die Tauben nicht an.

In der Euro-Zone kauft die EZB munter weiter Staatsanleihen und pumpt so zusätzliches Geld in den Bankensektor. Die Zinswende, die sie mit zwei Schritten auf 1,5 Prozent eingeleitet hat, dürfte sie wohl abbrechen. Einige Beobachter rechnen sogar damit, dass der nächste Zinsschritt der Euro-Hüter nach unten geht.

Die Weltwirtschaft wird sich daher wohl noch längere Zeit auf extrem niedrige Leitzinsen und weitere Geldschwemmen einstellen müssen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Notenbanken bei besserer Konjunktur die Zügel ebenso beherzt anziehen, wie sie sie jetzt lockern.

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