Achter Anstieg in Folge: Deutsches Konsumklima im Höhenflug

Achter Anstieg in Folge: Deutsches Konsumklima im Höhenflug

Deutschlands Verbraucher sind trotz einer spürbar schwächeren Konjunktur weiter in bester Kauflaune. Der vom Marktforschungsinstitut GfK für Juni ermittelte Indikator für das Konsumklima stieg allerdings nur minimal.

Die deutschen Verbraucher lassen sich ihre Konsumlaune auch von der zuletzt etwas schwächeren Konjunktur nicht verderben. Im Mai legte die Verbraucherstimmung trotz gedämpfter Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal erneut zu - und stieg damit auf das höchste Niveau seit Oktober 2001. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Konsumklimastudie des Marktforschungsunternehmens GfK hervor. Es befragt dazu monatlich 2000 Verbraucher.

Der Konsumklimaindex wird danach im Juni auf 10,2 Punkte steigen - nach 10,1 Punkten im Mai. Der Aufwärtstrend beim Konsumklima setze sich damit fort - allerdings moderater als in den Vormonaten, sagte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Eine Trendwende sei das allerdings noch nicht, allenfalls eine „leichte Korrektur“ nach der Rekordjagd in den vergangenen Monaten.

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Mit größeren Zuwächsen rechnet Bürkl in Zukunft allerdings auch nicht. „Das ist wie beim Bergsteigen: Wenn man sehr weit oben ist, wird die Luft dünn und es wird schwieriger weiter hoch zu steigen“, sagte der GfK-Experte der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch sei noch „Luft nach oben drin“, unterstrich er. „Es wird aber schwieriger und herausfordernder.“

Weiterhin ungetrübt ist der Konjunkturoptimismus der Verbraucher. Trotz des schwächeren Wirtschaftswachstums im ersten Quartal rechnen viele Haushalte mit einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr, stellten die Marktforscher bei ihrer monatlichen Befragung fest. Der entsprechende Index stieg um 3 Punkte auf 38,3 Zähler.

Wer von der Mini-Inflation profitiert - und wer nicht

  • Kaufkraft der Verbraucher

    Wer längerfristig gleichbleibende Einkommen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen bezieht, kann sich mehr für sein Geld leisten, wenn Preise kaum noch oder gar nicht mehr steigen. Das gilt auch für Menschen, die viel Geld auf der hohen Kante haben. Gleichzeitig bleibt bei Einkommens- und Lohnerhöhungen real - also nach Abzug der Teuerung - deutlich mehr Geld in den Taschen der Verbraucher, wenn die Inflation wie derzeit nahe null ist.

  • Unternehmen

    Wenn die Verbraucher mehr Geld zur Verfügung haben, etwa weil die Sprit- und Heizölpreise fallen, können sie sich mehr andere Waren leisten. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von niedrigeren Einkaufspreisen wichtige Rohstoffe wie Öl: Ihre Kosten sinken.

  • Kreditaufnahme

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Kampf gegen den mickrigen Preisauftrieb auf fast null Prozent gesenkt. Das drückt die Zinsen, die Banken von Privatleuten und Unternehmen für Kredite verlangen. So kommen etwa Immobilienkäufer derzeit so günstig wie nie an Geld. Nach Zahlen der FMH Finanzberatung sind Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit aktuell im Schnitt für 1,6 Prozent Zinsen zu haben. Vor einem Jahr lag das Niveau demnach noch bei 2,67 Prozent, vor fünf Jahren bei 4,19 Prozent. Auch Staaten können sich am Markt günstiger frisches Geld besorgen, das entlastet indirekt die Steuerzahler.

  • Konjunktur

    Vor allem die rasante Talfahrt der Ölpreise schiebt die deutsche Wirtschaft an. Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) werden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, wenn die Preise auf dem aktuellen Niveau verharren. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat betont: „Diese Entwicklung wirkt ähnlich wie ein kleines Konjunkturprogramm.“

  • Sparer

    Verbraucher sind nicht nur Kreditnehmer, sondern auch Sparer. Durch das magere Zinsniveau ist mit Tagesgeld oder Sparkonto fast nichts mehr zu verdienen. Immerhin: Weil die Preise kaum steigen, unterscheiden sich nominale Renditen kaum noch von den realen. Wer fürs Alter vorsorgen will, muss entweder mehr Geld zurücklegen oder größere Risiken eingehen.

  • Schuldner

    Was für die Kreditaufnahme gut ist, ist für ältere Verbindlichkeiten schlecht: Derzeit knabbert die Inflation die ausstehenden Schulden nämlich nicht weg. Das erschwert den Schuldenabbau und hemmt die wirtschaftliche Erholung, wie EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio betont: „Wenn die Inflation sehr niedrig ist und das Wachstum ebenfalls, dann wird es immer schwieriger, diese Schulden zu bedienen.“

  • Deflationsgefahr

    Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Davon abrücken will die Notenbank nicht, wie Constâncio sagte: „Bei einem Inflationsziel von null Prozent ist die Gefahr hoch, dass die Wirtschaft in eine Deflation rutscht.“ Unter einer Deflation verstehen Ökonomen einen Teufelskreis aus sinkenden Preisen, steigenden Reallöhnen, niedrigeren Gewinnen und schrumpfender Nachfrage, weil Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben. Denn es könnte ja bald noch billiger werden. Die geringe Nachfrage kann weitere Preissenkungen zur Folge haben: Die Wirtschaft friert ein.

Diese Zuversicht spiegelt sich auch in der Ausgabefreude der Haushalte wider: Noch mehr Verbraucher als im April planten größere Anschaffungen. Die sogenannte Anschaffungsneigung lag im Mai bei 62,6 Punkten - und damit um 4,3 Punkte höher als im April. „Der Wert bleibt damit nur knapp unter seinem historischen Höchststand von 64,4 Punkten vom Oktober 2006“, stellte die GfK fest.

Allerdings sind die Verbraucher laut der GfK-Konsumklimastudie nicht mehr ganz so sicher, künftig über ein ähnlich hohes Einkommen verfügen zu können wie zuletzt. Grund sei der steigende Benzinpreis, der vor allem für Autopendler eine wichtige Signalwirkung habe und die ohnehin schon vorhandenen leichten Inflationsängste schüre.

Weitere Risiken stellten neben der Ukraine-Krise und der wachsenden Ungewissheit über die Zukunft des Euro-Krisenlandes Griechenland auch die Expansionsbestrebungen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) dar. „Wenn der Export in bestimmte Weltregionen zurückgeht, spüren das auch die Mitarbeiter in den betroffenen deutschen Unternehmen und reagieren beim Konsum verunsichert“, erläuterte Bürkl.

Von der aktuell guten Verbraucherstimmung profitieren nach Bürkls Erkenntnisse vor allem die Möbelbranche und die Hersteller von Einbauküchen und Haushaltsgeräten. „Hier spielt der anhaltende Immobilienboom eine wichtige Rolle. Wer sich eine Wohnung kauft, will sie ja meist auch neu einrichten“, sagte Bürkl. Auch bei den täglichen Einkäufen sitze das Geld anscheinend lockerer, wie die gestiegenen Einzelhandelsumsätze von Januar bis März zeigten.

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