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Adam SmithUrvater der Ökonomie

Adam Smith machte die Nationalökonomie zur eigenständigen Wissenschaft und untersuchte als Erster systematisch die wohlstandsfördernde Wirkung von Arbeitsteilung und freien Märkten. Seine zentrale Botschaft ist umstritten, aber nicht wirklich widerlegt: Triebfeder des wirtschaftlichen Fortschritts ist der Eigennutz.Bert Losse 18.12.2011 - 06:00 Uhr

Stets präsent: Seit 2007 ist Adam Smith auf der englischen 20-Pfund-Note abgebildet

Foto: dpa

Wer sich mit dem Leben berühmter Ökonomen beschäftigt, stößt oft unweigerlich auf interessante Dinge aus deren Privatleben. David Ricardo, der erste Globalisierungstheoretiker, machte ein Vermögen als Börsenspekulant. John Maynard Keynes war schwul und heiratete trotzdem eine russische Balletttänzerin. Joseph Schumpeter fuhr mit Prostituierten im offenen Wagen durch Wien, wanderte nach Amerika aus und hielt Vorlesungen im Reitkostüm.

Bei Adam Smith (1723–1790), dem Urvater der Nationalökonomie und historischen Helden liberaler Ökonomen, fehlt alles Schillernde und Schrille. Der Philosoph David Hume beschrieb ihn als „wahrhaft verdienstvollen Mann, wenngleich seine sesshafte, zurückgezogene Lebensweise sein Auftreten und Erscheinungsbild als Mann von Welt getrübt hat“. Der Schotte war kränklich und verklemmt, ein in sich versunkener Kauz mit merkwürdig schlängelndem Gang, der Selbstgespräche führte. Einmal soll er sinnierend im Schlafrock die Straße entlanggewandert sein. Die einzige Frau in seinem Leben war seine fromme Mutter, mit der er fast 60 Jahre unter einem Dach lebte.

Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.

Foto: WirtschaftsWoche

Gustav Stolper war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der deutsche Volkswirt", dem publizistischen Vorläufer der WirtschaftsWoche. Er schrieb gegen die große Depression, kurzsichtige Wirtschaftspolitik, den Versailler Vertrag, gegen die Unheil bringende Sparpolitik des Reichskanzlers Brüning und die Inflationspolitik des John Maynard Keynes, vor allem aber gegen die Nationalsozialisten.

Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0113 / CC-BY-SA

Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen in einen Teufelskreislauf führt.

Mises wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen.

Foto: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA

Gary Becker hat die mikroökonomische Theorie revolutioniert, indem er ihre Grenzen niederriss. In seinen Arbeiten schafft er einen unkonventionellen Brückenschlag zwischen Ökonomie, Psychologie und Soziologie und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Rational-Choice-Theorie“. Entgegen dem aktuellen volkswirtschaftlichen Mainstream, der den Homo oeconomicus für tot erklärt, glaubt Becker unverdrossen an die Rationalität des Menschen.

Seine Grundthese gleicht der von Adam Smith, dem Urvater der Nationalökonomie: Jeder Mensch strebt danach, seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dazu wägt er – oft unbewusst – in jeder Lebens- und Entscheidungssituation ab, welche Alternativen es gibt und welche Nutzen und Kosten diese verursachen. Für Becker gilt dies nicht nur bei wirtschaftlichen Fragen wie einem Jobwechsel oder Hauskauf, sondern gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich – Heirat, Scheidung, Ausbildung, Kinderzahl – sowie bei sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen wie Diskriminierung, Drogensucht oder Kriminalität.

Foto: dpa

Jeder Student der Volkswirtschaft kommt an Robert Mundell nicht vorbei: Der 79-jährige gehört zu den bedeutendsten Makroökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Kanadier entwickelte zahlreiche Standardmodelle – unter anderem die Theorie der optimalen Währungsräume -, entwarf für die USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics und gilt als Vordenker der europäischen Währungsunion. 1999 bekam für seine Grundlagenforschung zu Wechselkurssystemen den Nobelpreis. Der exzentrische Ökonom lebt heute in einem abgelegenen Schloss in Italien.

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Der Ökonom, Historiker und Soziologe Werner Sombart (1863-1941) stand in der Tradition der Historischen Schule (Gustav Schmoller, Karl Bücher) und stellte geschichtliche Erfahrungen, kollektive Bewusstheiten und institutionelle Konstellationen, die den Handlungsspielraum des Menschen bedingen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. In seinen Schriften versuchte er zu erklären, wie das kapitalistische System  entstanden ist. Mit seinen Gedanken eckte er durchaus an: Seine Verehrung und gleichzeitige Verachtung für Marx, seine widersprüchliche Haltung zum Judentum. Eine seiner großen Stärken war seine erzählerische Kraft.

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Amartya Sen wurde 1933 in der Universitätsstadt Santiniketan, Indien, geboren. Er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). Der Ökonom erhielt 1998 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten zur Wohlfahrtsökonomie und wirtschaftlichen Entwicklung. Er veröffentlichte im Laufe seiner Karriere mehr als Hundert Forschungsschriften und ist Inhaber rund 90 Ehrendoktortiteln, zum Beispiel von der Universität Toronto. Ein zentraler Gedanke in seinem Werk ist die Idee der Freiheit, er betrachtet diese als die Basis des menschlichen Daseins, die jedes seiner Themen, wie Entwicklung, Armut, Hunger, Markt und Moral, durchdringt. Seine Thesen als liberaler, linker Theoretiker sind nicht unumstritten, so wird beispielsweise sein Begriff von Freiheit und Markt weder von Marktdogmatikern noch von deren Gegnern geteilt.

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In seiner Heimat ist die Arbeit von Friedrich List (1789 - 18 46) fast vergessen. Die letzte Neuauflage von Lists Hauptwerk liegt 80 Jahre zurück. Er ist der gedankliche Vater des Protektionismus. In Deutschland gilt sein Werk als überholt, doch es bietet theoretisches Rüstzeug, wie der Staat die Wirtschaftsentwicklung fördern kann - und wann er besser die Hände davon lassen sollte. In vielen Schwellenländern erfreut sich die Lehre von List daher großer Popularität.

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Der britische Ökonom David Ricardo (1772 – 1823) machte an der Londoner Börse gute Gewinne und konnte sich Dank seines eigenen Vermögens ganz den ökonomischen Studien widmen. Er machte sich mit dem „Kornmodell“ einen Namen, das auf dem Paper Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock basiert, in dem er die freie Korneinfuhr empfiehlt. Nach ihm wurde auch die Ricardianische Äquivalenz benannt – ein Konzept, das sich mit der Wirkung von Steuersenkungen in der Gegenwart beschäftigt, die mit höheren Steuern in der Zukunft refinanziert werden sollen. Auf ihn geht auch die Theorie der komparativen Kostenvorteile zurück, ein Kernstück der Außenhandelstheorie und wesentliche Erkenntnis über die relativen Kostenvorteile internationaler Arbeitsteilung.

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Im Jahr 1987 erhielt der US-amerikanische Ökonom Robert Solow (*1924) den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Forschungen zur neoklassischen Wachstumstheorie. Solow entwickelte das sogenannte Solow-Modell, das im Gegensatz zu Keynes Auffassung die Nachfrageentwicklung nicht als bestimmende Determinante des Wirtschaftswachstums ansieht. Sein Solow-Modell erklärt das langfristiges Wirtschaftswachstum in einer Volkswirtschaft nur durch technischen Fortschritt. Solow ist Emeritus-Professor am Massachusetts Institute of Technology.

Foto: Julia Zimmermann für Wirtschaftswoche

Als Prophet war Marx (1818 – 1883) ein Versager, als Soziologe ein Riese, als Ökonom vor allem ein gelehrter Mann: Karl Marx, der Theoretiker des Industriekapitalismus, wollte nicht nur zu revolutionären Ergebnissen kommen, sondern die Notwendigkeit der Revolution beweisen. Der Mauerfall hat ihn ideologisch entlastet und als originellen Denker rehabilitiert. Seine Lehren über Produktionsfaktoren und die Verteilung von Produktionsmitteln sowie der von ihm geprägte Begriff des Mehrwerts spielen noch heute eine große Rolle.

Foto: WirtschaftsWoche, AP

Walter Eucken zählt zu den wichtigsten Vordenkern der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Der Mitbegründer des Ordoliberalismus hat analysiert, wie eine marktwirtschaftliche Ordnung konstruiert sein muss, die Wachstum schafft, Macht begrenzt und den Menschen dient. Der religiös geprägte Eucken glaubte an den Markt, aber nicht an dessen Unfehlbarkeit, er sah die Gefahr, dass wirtschaftliche Interessengruppen den Wettbewerb aushebeln können – und wollen. Noch während des zweiten Weltkrieges arbeitete er heimlich am theoretischen Grundgerüst der bis heute gültigen sozialen Marktwirtschaft in Deutschland.

Foto: Pressebild

Friedrich August von Hayek (1899-1992) war ein leidenschaftlicher Weltverbesserer. Sein ganzes Forscherleben hat er daran gearbeitet, Planwirtschaft und Kollektivismus wissenschaftlich zu widerlegen, er war leidenschaftlicher Gegner des Sozialismus und Modernisierer des klassischen Liberalismus. Führ ihn waren Freiheit, Eigentum, Gleichheit vor dem Gesetz, Wettbewerb und Marktwirtschaft Eckpfeiler der Zivilisation. Seine Tiraden gegen den Wohlfahrtsstaat haben jahrzehntelang die intellektuelle Brillanz seiner Theorie komplexer Ordnungen überschattet. Der gebürtige Wiener wurde als erster Ausländer an die renommierte London School of Economics berufen. Im März 1944 veröffentlicht er als seine leidenschaftliche Abrechnung mit Sozialismus und Nationalsozialismus, „Der Weg zur Knechtschaft“.

Foto: WirtschaftsWoche

John Maynard Keynes (1883 – 1946) löste mit seiner Analyse der Unterbeschäftigung in der Weltwirtschaftskrise eine Revolution des ökonomischen Denkens aus. Er forderte, der Staat solle in Krisensituationen die Nachfrage ankurbeln, um Vollbeschäftigung zu gewährleisten. Seine Ideen bedeuteten eine radikale Abkehr von der bisherigen Wirtschaftlehre, die die Angebotsseite ins Zentrum allen wirtschaftlichen Handelns stellte, und beeinflussen bis auf den heutigen Tag Ökonomen, Zentralbanker und Finanzminister.

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Joseph Schumpeter hat das Grundgesetz des Kapitalismus erforscht: ewiger Wandel durch „schöpferische Zerstörung“. Keiner sah so klar wie er, dass in seinen Krisen nicht nur der Kapitalismus selbst auf dem Spiel steht, sondern auch die Atmosphäre des Fortschritts. Schumpeter gilt als der größte Ökonom des 20. Jahrhunderts. Er hat in zahlreichen Wirtschaftsdisziplinen deutliche Spuren hinterlassen und Begriffe wie „Wagniskapital“, „Firmenstrategie“ und den vierten Produktionsfaktor „Unternehmertum“ sowie das Kreativitätsprinzip eingeführt. Schumpeters Erkenntnisse machen den modernen Kapitalismus bis heute aktuell.

Foto: WirtschaftsWoche

Der amerikanische Ökonom Milton Friedman hat die Geldtheorie revolutioniert und sein Leben lang für freie Märkte und weniger Staat gekämpft. Als intellektueller Gegenspieler von John Maynard Keynes spaltete er Wissenschaft und Politik gleichermaßen. Zwischenzeitlich galt er als widerlegt. Jetzt zeigt sich: Friedmans Erkenntnis, dass die Geldmenge die Konjunktur und die Inflation bestimmt, ist aktueller denn je. Die Steuerung der Geldmenge durch Staaten und Notenbanken sah er als eine der wenigen Stellgrößen einer Wirtschaft, in der staatliches Eingreifen sinnvoll und gegebenenfalls nötig war. Er entwickelte die Idee der Bildungsgutscheine, das Konzept der negativen Einkommensteuer und lieferte den Regierungen die Blaupause für flexible Wechselkurse.

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Reinhard Selten ist Deutschlands bislang einziger Wirtschafts-Nobelpreisträger und ein Vorreiter volkswirtschaftlicher Laborversuche. Als Pionier der experimentellen Wirtschaftsforschung hat er die Spieltheorie verfeinert und damit etwa die Analyse von Verhandlungssituationen – etwa bei Lohnverhandlungen – deutlich weiterentwickelt. Selten erhielt den Nobelpreis für Wirtschaft 1994. Er begründete ein Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung in Bonn, dessen Koordinator er noch heute ist – im Alter von 81 Jahren..

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Der US-Ökonom Robert Shiller fordert eine neue Volkswirtschaftslehre, die sich der Psychologie von Menschen und Märkten öffnet. Lange war er ein Rufer in der Wüste – in der Finanzkrise ist er zum Massenprediger geworden. Bereits 2005 warnte er vor einer US-Immobilienkrise – die letztlich Auslöser der Finanz- und Schuldenkrise war. Seine Theorien zur Verhaltensökonomie (Behavioral Economics) gelten als Gegenentwurf zur lange propagierten Rationalität der Märkte. In seinen Hauptwerken geht es um Herdentrieb und irrationale Übertreibungen.

Foto: WirtschaftsWoche

Paul Anthony Samuelson (1915-2009) wurde 1970 mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichnet. Er zählte zu den vielseitigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, und prägte die Volkswirtschaftslehre wie kaum ein anderer. Samuelson modernisierte den Keynesianismus, indem er Keynes' sowie neoklassische Theorien zu einer Synthese verband, darüber hinaus forcierte er als erster Ökonom die systematische Mathematisierung seines Fachs. Sein in 19 Sprachen übersetztes Standartwerk "Economics" ist bis heute das meistverkaufte VWL-Lehrbuch aller Zeiten.

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Der schottische Ökonom Adam Smith (1723-1790) gilt als Urvater der Nationalökonomie. Er untersuchte als Erster systematisch die wohlstandsfördernde Wirkung von Arbeitsteilung und freien Märkten, und entwickelte die Ökonomie zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin, wo sie zuvor nur als wenig beachteter Teil anderer Fachrichtungen galt. Sein Hauptwerk "Der Wohlstand der Nationen" findet sich auch heute noch auf den Literaturlisten von Volkswirtschaftsstudenten wieder, er gilt als Begründer dessen, was heute als die klassische Nationalökonomie bezeichnet wird. Seine Ideen sind noch immer Basis jeder angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.

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Das "Alte Testament" der Nationalökonomie

Doch genau dieser Mann ist zu einem der berühmtesten Ökonomen der Geschichte geworden. Sein Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ ist das Alte Testament der Nationalökonomie. Es findet sich bis heute auf den Literaturlisten von VWL-Studenten wieder. In dem fast 1.000 Seiten starken Wälzer analysiert Smith die wohlstandsmehrenden Effekte von Arbeitsteilung und freien Märkten, es gibt umfangreiche Kapitel zur Preis-, Lohn- und Außenhandelstheorie ebenso wie Ausführungen zum Geldwesen, zum Kapitaleinsatz und zur Rolle des Staates.

Literatur von und über Adam Smith
Das 1776 erschienene Werk ist der Klassiker der ökonomischen Literatur und die erste systematische Aufarbeitung und Bündelung ökonomischen Wissens. Dass Smiths Analyse über Wachstum, Preise, Arbeitsteilung und Staatstätigkeit auch mehr als 230 Jahre später noch ihre Leser findet, liegt nicht nur an ihrer dogmengeschichtlichen Relevanz: Das Buch ist anschaulich geschrieben und kommt noch völlig ohne mathematische Formeln aus.(dtv, 12. Auflage 2009, 855 Seiten, 19,90 Euro)
Mit dem mehrfach überarbeiteten Werk setzt Smith einen Kontrapunkt zu seiner ökonomischen These, dass Eigennutz die Triebfeder des Wohlstands ist. Smith zeichnet in seiner Moralphilosophie ein positives Menschenbild, bei dem sich die Individuen auch von Mitgefühl und Sympathie leiten lassen.(Meiner Felix Verlag, Neuauflage 2009, 648 Seiten, 28,90 Euro)
Das Buch beschreibt die zentralen Ideen einflussreicher Ökonomen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, darunter neben Smith auch Ricardo, Malthus, Marx und Menger. Anspruchsvoll aufbereitet, trocken geschrieben. Für Leser mit ökonomischen Vorkenntnissen. (Band 1, Beck, 2008, 359 Seiten, 14,95 Euro)

Der Ökonom Joseph Schumpeter mäkelte zwar mehr als ein Jahrhundert später, Smiths Werk enthalte „keine einzige analytische Idee oder Methode und kein analytisches Prinzip, die im Jahre 1776 völlig neu gewesen wären“. Doch sein großes Verdienst ist es, die Ökonomie zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin entwickelt zu haben, war sie doch zuvor nur ein wenig beachtetes Anhängsel anderer Fachrichtungen. „Smith war ein großer Sammler und Jäger“, sagt der Smith-Experte Heinz Kurz, Ökonomieprofessor an der Universität Graz. „Er hat das verstreute Wissen seiner Zeit systematisiert und neu kombiniert und damit eine universelle Gesellschaftswissenschaft zu entwickeln versucht.“

Smith prägte mit seinen Gedanken viele Wirtschaftswissenschaftlern - neben Ökonomen wie David Ricardo und Walter Eucken bediente sich auch Karl Marx bei Smiths Thesen.

Foto: dpa/dpaweb

Zitat1

Die Gedanken von Smith prägten Heerscharen von Wirtschaftswissenschaftlern, klassische Ökonomen wie David Ricardo und Jean-Baptiste Say ebenso wie im 20. Jahrhundert die Ordoliberalen um Walter Eucken und Friedrich August von Hayek. Karl Marx bediente sich bei den Arbeitswert- und Entfremdungsthesen des Schotten, der schon früh die Gefahr der „Entseelung“ der Arbeit durch – prinzipiell segensreiche – Spezialisierung erkannte.

Schon Smith erkannte die Produktivitätsgewinne durch Arbeitsteilung - warnte aber auch vor der Gefahr, dass der Arbeiter durch stumpfsinnige Arbeitsprozesse verlernen könnte, seinen Verstand zu gebrauchen.

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Das gesamte Gedankengebäude von Smith ist ein ökonomischer Reflex auf das Zeitalter der Aufklärung. Als Smith Mitte des 18. Jahrhunderts mit seinen ökonomischen Studien beginnt, ist die Welt wirtschaftlich und politisch im Wandel. Die einsetzende industrielle Revolution macht die zuvor agrardominierte Wirtschaft immer komplexer; drängende Preis-, Lohn- und Verteilungsfragen und neue Phänomene wie Arbeitsteilung, Massenproduktion und ein wachsender Finanzsektor lassen sich mit dem damals vorhandenen wissenschaftlichen Instrumentarium nur noch unzureichend erklären.

Gleichzeitig emanzipiert sich ein immer selbstbewussteres und nach individueller Freiheit gierendes Bürgertum von König, Adel und Klerus. Dem absolutistischen Staat setzt Smith das selbstbestimmte (und eigennützige) Individuum gegenüber, dem Protektionismus den Freihandel – und der staatlichen Regulierung den freien (aber vom Staat abgesicherten) Wettbewerb.

Gleichgewicht auf den Märkten

Smith bricht mit der damals herrschenden dirigistischen Wirtschaftsform des Merkantilismus, bei der die Staaten durch hohe Zollmauern und Exportsubventionen versuchten, Handelsbilanzüberschüsse anzuhäufen. Sein Credo: Bei vollständiger Konkurrenz und einem freien Spiel der Kräfte entsteht über den Preismechanismus, wie von „unsichtbarer Hand“ gelenkt, nicht nur maximaler Wohlstand in einem Land, sondern auch zwingend ein Gleichgewicht auf den Märkten. Die Wirtschaft betrachtet Smith mithin als selbstregulierenden Mechanismus.

Unsichtbare Hand

An dieser zentralen These, die Marktversagen und stabile Ungleichgewichte auf lange Sicht ausschließt, sofern die Rahmenbedingungen stimmen, haben sich Generationen von Ökonomen abgearbeitet. „Die unsichtbare Hand ist unsichtbar, weil es sie nicht gibt“, mäkelte der US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stieglitz. Kritiker monieren zu Recht, dass Smith das Phänomen der Arbeitslosigkeit komplett ignorierte. Die nämlich kann es in der Smith’schen Gedankenwelt nicht dauerhaft geben – weil bei sinkender Arbeitskräftenachfrage über sinkende Löhne am Ende wieder Vollbeschäftigung erreicht wird.

Zitat2

Volle Vorlesungssäle: 1748 erhält Smith die Möglichkeit, diverse Vorlesungen in Edinburgh zu halten - die Studenten kommen in Scharen.

Foto: dpa/dpaweb

Gleichwohl sind viele Analysen des Schotten auch heute noch von großer Relevanz. Zur Rolle des Staates etwa schrieb er einen Satz, der auch im Jahr 2011 in jedem finanzpolitischen Leitartikel Platz finden könnte: „Keine Kunst lernt eine Regierung schneller als die, Geld aus den Taschen der Leute zu ziehen.“ Auch wenn der Ökonom Subventionen und Interventionismus ablehnte, so war er weder der seelenlose Marktradikale noch der rigorose Staatsverächter, zu dem ihn viele Interpreten posthum machten.

Zitat3

„Der Glaube, dass er den Staat als Ordnungsmacht und gestaltende Instanz ablehnte, ist völliger Unfug“, sagt der Grazer Smith-Experte Kurz; Smith habe in seinen Schriften gleich 26 Gründe aufgeführt, wann und wo der Staat tätig werden müsse. Kurz: „Zwar soll sich der Staat abgesehen vom Setzen einer Wirtschaftsordnung weitgehend aus dem Wirtschaftsleben heraushalten – sehr wohl aber zum Beispiel für innere und äußere Sicherheit, eine funktionierende Justiz, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur und eine schulische Bildung der Menschen sorgen.“

Eigennutz als Triebfeder

Smith argumentierte stets individualistisch. Die Triebfeder des gesellschaftlichen Wohlstands ist für ihn der Eigennutz – auch das macht ihn bei Gutmenschen bis heute verdächtig. „Es ist nicht die Wohltätigkeit des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers, die uns unser Abendessen erwarten lässt, sondern dass sie nach ihrem eigenen Vorteil trachten“, schreibt er. „Jeder glaubt nur sein eigenes Interesse im Auge zu haben, tatsächlich aber erfährt so auch das Gesamtwohl der Volkswirtschaft die beste Förderung.“ Was VWL-Lehrbücher heute als optimale Ressourcenallokation bezeichnen, brachte Smith vor über 230 Jahren auf diesen einfachen Nenner: Da „der Zweck jeder Kapitalanlage die Gewinnerzielung ist, so wenden sich die Kapitalien den rentabelsten Anlagen zu, das heißt denjenigen, in denen die höchsten Gewinne erzielt werden. Indirekt wird aber auf diese Weise auch die Produktivität der Volkswirtschaft am besten gefördert.“

Die Idee der Arbeitsteilung

Smith erkannte dabei als Erster die ungeheuren Produktivitätsgewinne durch Arbeitsteilung. „Die Arbeitsteilung dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern“, schreibt er. In seinem berühmt gewordenen Stecknadelbeispiel weist er nach, dass für die Herstellung einer einzigen Nadel bis zu 18 Arbeitsgänge notwendig sind. Wenn sich daher jeder Arbeiter in der Produktion auf einen Arbeitsschritt spezialisiere, steige der Output um ein Vielfaches. „Der eine Arbeiter zieht den Draht, der andere streckt ihn, ein dritter schneidet ihn, ein vierter spitzt ihn zu, ein fünfter schleift das obere Ende, damit der Kopf aufgesetzt werden kann.“

Um die moralische Urteilsbildung des Menschen zu erklären, entwirft Smith das Konzept des "unparteiischen Beobachters" - eine Rolle, die der Mensch einnimmt, um seine eigenen oder andere Handlungen ethisch zu bewerten.

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Zitat4

Smith war aber durchaus bewusst, was die Zersplitterung des Arbeitsprozesses bedeuten kann, und warnte, dass der Arbeiter „verlernt, seinen Verstand zu gebrauchen, und so stumpfsinnig und einfältig wird, wie es ein menschliches Wesen nur eben werden kann“.

Makroökonomisch legte Smith den Grundstein für eine Debatte, die bis heute nicht abgeschlossen ist: Nützt oder schadet eine hohe Ersparnis dem Wachstum? Für Smith war die Antwort eindeutig: Sparen ist eine Tugend! Denn nur das Sparen ermöglicht für Smith volkswirtschaftliche Kapitalakkumulation und Investitionen; damit sei die Ersparnis der Wirtschaftssubjekte eine grundlegende Bedingung für Wachstum und Beschäftigung. John Maynard Keynes, der Mitte des 20. Jahrhunderts die ökonomische Gegenbewegung zur (Neo-)Klassik einläutete, sah das völlig anders: Bei ihm führt eine steigende Ersparnis zu sinkendem Konsum; als Folge fahren die Unternehmen ihre Produktion zurück. Das Wachstum sinkt, Jobs gehen verloren.

Früher Aufklärer

Adam Smith wird 1723 in Kirkcaldy geboren, einem 1.500-Seelen-Nest an der schottischen Ostküste. Sein Vater, ein Zollbeamter, stirbt kurz vor Adams Geburt. Schon als Schüler fällt Smith auf, der Junge hat eine feine Beobachtungsgabe, ein phänomenales Gedächtnis und eine Vorliebe für Bücher. Schon mit 14 Jahren beginnt er ein Studium an der Universität Glasgow. Dort prägt ihn vor allem der Moralphilosoph Francis Hutcheson, ein früher Aufklärer und brillanter Redner, der als erster Wissenschaftler in Glasgow anstatt auf Latein auf Englisch doziert (was Smith ihm später nachmachen wird).

Seit 2007 ist der Ökonom Adam Smith auf der britischen 20-Pfund-Note abgebildet

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Dank guter Leistungen bekommt der junge Smith 1740 ein Stipendium für ein weiterführendes Studium. Er geht nach Oxford, studiert dort sechs Jahre Philosophie und beschäftigt sich mit griechischer Literatur. Wohl fühlt er sich in Oxford mit den dortigen strengen Konventionen nicht; einmal erhält er einen strengen Verweis, als er ein zu „fortschrittliches“ Buch liest. 1746 kehrt Smith in sein Heimatdorf zurück, und versucht ohne Erfolg, als Privatlehrer Fuß zu fassen.

1748 erhält er die Möglichkeit, in Edinburgh verschiedene Vorlesungen zu halten. Obwohl die Vorträge nicht zum offiziellen Lehrprogramm gehören, kommen die Studenten bald in Scharen, um seinen Ausführungen über englische Literatur, Rhetorik, Philosophie und ökonomische Fragen zu lauschen. In dieser Zeit entwickelt sich auch eine Freundschaft mit dem Philosophen David Hume, der für Smith auch zur wichtigsten wissenschaftlichen Bezugsperson wird.

Zitat5

1750 erhält der populär gewordene Smith eine Professur für Logik an der Universität Glasgow, ein Jahr später wechselt er auf den besser bezahlten Lehrstuhl für Moralphilosophie. Seine Vorlesungen zu Ethik und politischer Ökonomie kommen an. Schnell verbreitet sich sein Ruf als scharfsinniger Intellektueller; sogar aus Russland sollen Studenten angereist sein, um ihn zu hören.

1759 veröffentlicht er sein erstes großes Werk: Die „Theorie der ethischen Gefühle“, die er im Laufe der Jahre mehrfach ergänzt und erweitert. Smith sieht die menschliche Empathie als Korrektiv zu Eigennutz und Egoismus, also jenen Eigenschaften, die in seinen späteren ökonomischen Schriften eine so zentrale Rolle einnehmen. Er schreibt: „Mag man den Menschen für noch so egoistisch halten, es liegen doch offenbar gewisse Prinzipien in seiner Natur, die ihn dazu bestimmen, an dem Schicksal anderer Anteil zu nehmen, und die ihm selbst die Glückseligkeit dieser anderen zum Bedürfnis machen, obgleich er keinen anderen Vorteil daraus zieht, als das Vergnügen, Zeuge davon zu sein.“

Der "unparteiische Beobachter"

Für Smith ist auch ein eigennütziges Wesen wie der Mensch zur moralischen Urteilsbildung fähig. Er entwirft das Konstrukt eines „unparteiischen Beobachters“, dessen Rolle die Menschen intuitiv einnehmen, um eigene oder fremde Handlungen ethisch bewerten zu können.

Nicht alle Ökonomen hat das freilich überzeugt. Mit Blick auf das divergierende moralphilosophische und ökonomische Welt- und Menschenbild des Schotten ist noch heute in der Literatur vom „Smith-Paradoxon“ die Rede.

1764 gibt Adam Smith seinen Professorenjob überraschend auf und wird Tutor des jungen Herzogs von Buccleugh, den er alsbald auf eine fast dreijährige Reise durch Frankreich und die Schweiz begleitet. Die Bezahlung ist für damalige Verhältnisse enorm, und da es obendrein eine lebenslange Rente von 300 Pfund Sterling jährlich gibt, hat Smith fortan finanziell ausgesorgt.

In Frankreich lernt er den Philosophen Voltaire kennen und François Quesnay, den führenden Kopf der sogenannten Physiokraten. Quesnay ist kein Geisteswissenschaftler, sondern Chirurg und Leibarzt von Ludwig XV. Das hält ihn indes nicht von ökonomischen Studien ab. Quesnay, inspiriert von der menschlichen Blutzirkulation, entwickelt mit seinem „Tableau Économique“ das erste Modell eines makroökonomischen Wirtschaftskreislaufs und formuliert das ökonomische Laissez-faire-Prinzip, wonach die Wirtschaft allein dem freien Spiel der Kräfte unterliegen soll.

Unpassender Nebenjob

Beide Ideen faszinieren Smith. 1767 kehrt er in sein Heimatdorf zurück und verbringt volle neun Jahre mit den Arbeiten an seinem Hauptwerk, dem „Wohlstand der Nationen“. Das Buch erscheint am 9. März 1776 und wird ein großer Erfolg, die erste Auflage ist nach sechs Monaten vergriffen. Smith bezieht in Edinburgh ein Haus mit Mutter, Cousine und einer großen Bibliothek mit mehr als 3.000 Bänden. Er beginnt mit einer Überarbeitung seiner „Theorie der ethischen Gefühle“. Und er nimmt einen neuen Job an, der so gar nicht zu seinem Freihandelspostulat passen will. Smith wird im Jahr 1778 schottischer Zollkommissar – und soll beim Kampf gegen Schmuggler in den Folgejahren durchaus erfolgreich die Staatseinnahmen gemehrt haben.

Doch die Arbeit macht ihm zunehmend zu schaffen; Smith wird schwer krank. Kurz vor seinem Tod am 17. Juli 1790 lässt er alle unvollendeten Werke, vor allem rechtsphilosophische und literaturgeschichtliche Schriften, von zwei Freuden verbrennen – insgesamt verschwinden an die 16 Bände in den Flammen.

Stets präsent

In Vergessenheit geriet er nach seinem Tod nie. Vor allem im angelsächsischen Raum ist Smith heute präsenter denn je. Die National Association for Business Economics in Washington vergibt alljährlich einen Adam-Smith-Preis (jüngster Preisträger: der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff). Das Adam Smith Institute, ein libertärer Thinktank in London, ließ 2008 gar ein bronzenes Denkmal in der Innenstadt von Edinburgh errichten – passenderweise ohne jede staatliche Subvention. Den Engländern erscheint der Ökonom mittlerweile fast jeden Tag – beim Einkaufen. Seit 2007 ziert sein Konterfei die 20-Pfund-Noten der Bank of England.

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