Allianz-Studie: Die Konjunktur erholt sich in Trippelschritten

Allianz-Studie: Die Konjunktur erholt sich in Trippelschritten

von Tim Rahmann

Sollten die Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine nicht eskalieren, wird die Wirtschaft laut der Allianz stabil wachsen. Große Sprünge aber seien nicht zu erwarten, vor allem nicht in Europa.

Der Blick in die Zukunft ist problematisch. Konjunkturforscher blicken auf Frühindikatoren, in die Auftragsbücher der Unternehmen und versuchen, die Konsumlaune der Bürger zu prognostizieren – und damit schlüssige Aussagen über die Entwicklung der Wirtschaft zu treffen.

Diese Aussichten müssen aber über den Haufen geworfen werden, wenn so genannte „externe Schocks“ die Wirtschaft beeinflussen. Konflikte und Kriege etwa. Davon gibt es derzeit eine ganze Reihe: In der Ukraine, im Gazastreifen, im Irak und in Syrien liefern sich verfeindete Parteien Gefechte. Wenn auch nur einer der Konflikte eskaliert, wird die Weltwirtschaft schwere Einbrüche erleiden.

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Vor diesen Hintergründen warnt auch die Allianz in ihrer neuesten Studie zur mittelfristigen Entwicklung der Weltwirtschaft. Es sei „auf mittlere Sicht besonders schwierig abzuschätzen“, wie sich die derzeitigen geopolitischen Krisen entwickeln würden. Insgesamt halten die Münchner Konjunkturforscher die Risiken einer Eskalation der Kämpfe und beispielsweise eines neuen Kalten Krieges zwischen dem Westen und Russland für gering, da „keine Seite Interesse an einer Eskalation hat“.

Niedrige Inflation in Europa: Wie reagiert die EZB?

  • Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

    Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

  • Warum sind sinkende Preise schlecht?

    Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

  • Wie real ist die Deflations-Gefahr?

    „Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

  • Was kann die EZB tun?

    Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

  • Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

    Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Deswegen geht die Allianz in ihrem Ausblick von einem globalen moderaten Wachstum in den kommenden Monaten aus. Die Schwellenländer würden Boden gut machen und in den nächsten Jahren mit 4,5 bis 5 Prozent wachsen. Ein wirklicher Wachstumsmotor sei allerdings nicht in Sicht. Dazu ist der Anteil der Schwellenländer am Welthandel zu gering. Und auch die USA und China seien nicht mehr in der Lage, die weltweite Konjunktur hochzutreiben.

Die größte Volkswirtschaft der Welt dürfte in den kommen Jahren durchschnittlich um 2,5 Prozent wachen, prognostiziert die Allianz. In der Folge dürfte auch die Arbeitslosenquote in den USA auf rund fünf Prozent absinken. Derzeit sind über sechs Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Amerika auf der Suche nach einem Job.

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Europa hinkt hinterher

Europa hingegen hinkt hinterher. Für den Euro-Raum und Deutschland taxieren die Konjunkturexperten den jährlichen BIP-Zuwachs auf 1,5 Prozent. Einige Krisenländer könnte gar kurzfristig auf Wachstumsraten von drei bis 5 Prozent hoffen, so die Allianz.

Letztere Zahl scheint arg hochgegriffen. Selbst wenn man bedenkt, dass die Wirtschaft in Südeuropa über Jahre massiv eingebrochen ist und auf zum Teil niedrigstem Niveau angelangt ist. Eine Steigerung von drei oder vier Prozent wäre somit durchaus möglich – scheint aber selbst der EU-Kommission zu optimistisch. Sie sieht für 2015 kein Land über drei Prozent wachsen.

Die gute Nachricht: Vor einer Deflation brauchen sich die Krisenländer und die Europäische Zentralbank wohl perspektivisch nicht fürchten. Angesichts einer durchschnittlichen Kapazitätsauslastung und einer hohen, wenn auch allmählich fallenden Arbeitslosigkeit sei weder mit einem ausgeprägten Preisdruck noch mit deflationären Tendenzen zu rechnen. „Wahrscheinlich ist, dass sich die Teuerungsraten in Amerika und Europa allmählich wieder nach oben bewegen und zwar in Größenordnungen um zwei Prozent“, heißt es in der Allianzstudie.

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