Arbeitsmarkt: Wirtschaftskrise gefährdet hunderttausende Jobs

Arbeitsmarkt: Wirtschaftskrise gefährdet hunderttausende Jobs

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Nummernausgabe eines Arbeitsamts: Die Wirtschaftskrise gefährdet bis zu 215.000 Jobs in Deutschland

Nun schlagen die Auswirkungen der Finanzkrise auf den deutschen Arbeitsmarkt durch: Nach einem Medienbericht sind je nach Entwicklung der Konjunktur im kommenden Jahr bis zu 215.000 Arbeitsplätze gefährdet. Besonders hart dürfte es die Autobauer und ihre Zulieferer treffen. Gegen eine Rezession will nun auch die EU-Kommission mit einem 130-Milliarden-Euro-Paket ankämpfen.

Die Konjunkturkrise wird nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung im kommenden Jahr deutliche Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen. Je nach konjunktureller Entwicklung seien bis zu 215.000 Arbeitsplätze bedroht, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine Umfrage in 15 Branchen. So würden nach Angaben von Branchenverbänden, Gewerkschaften und Wirtschaftsexperten in der deutschen Automobilindustrie zwischen 50.000 und 100.000 Stellen wackeln, hieß es. Im Transportgewerbe seien es rund 40.000 Arbeitsplätze. Dagegen rechne der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), dass die Zahl der Beschäftigten bei rund 975.000 stabil bleibe. Auch in der Gesundheitsbranche werde kein Stellenabbau erwartet.

Dem Absturz Richtung Rezession und Arbeitsplatzabbau will die Europäische Union mit einem europaweiten Konjunkturpaket verhindern. Die EU-Kommission plant für 130 Milliarden Euro Maßnahmen, die Europas Wirtschaft wieder ankurbeln sollen.. Die Kommission will ihre Vorschläge am nächsten Mittwoch vorstellen.

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In dem Papier, das Nachrichtenagenturen vorliegt, heißt es, die Kommission empfehle einen „koordinierten fiskalischen Impuls durch die Mitgliedsstaaten in Höhe von rund 130 Milliarden Euro - das entspricht rund einem Prozent des EU-Bruttoinlandsproduktes (BIP).  Die Bundesregierung verwies allerdings gestern auf die eigenen, bereits beschlossenen deutschen Milliardenhilfen. Diese müssten bei einem europäischen Paket angerechnet werden.

Autobauer und Baubranche sollen von EU gestützt werden

Hoffen dürfen die vom Wirtschaftsabschwung hart getroffenen Branchen Auto und Bau: Die Kommission will sie besonders stark stützen. Die Autobauer sollen in Partnerschaft mit dem Staat mehr Geld in „grüne Technologien“ und alternative Antriebe stecken. Die Europäische Investitionsbank soll dabei einen Förderbeitrag von zwei Milliarden Euro leisten. Darüber hinaus ist vorgesehen, im Baugewerbe eine energiesparende Bauweise zu unterstützen. Auch der Ausbau von Infrastruktur - vor allem des europäischen Stromnetzes - soll gefördert werden.

Nach der Finanzindustrie geraten zunehmend weitere Branchen in den Strudel der Finanzkrise. Die Kommission wollte sich zur Größenordnung des Konjunkturpakets nicht äußern. Endgültig über die Vorschläge entschieden werden soll beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Dezember in Brüssel. „Die Staaten, die in den letzten Wochen schon Maßnahmen getroffen haben, dürfen nicht bestraft und die, die nichts gemacht haben, bessergestellt werden“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin.

Im Oktober hatte die Koalition aus Union und SPD Entlastungen für Bürger und Wirtschaft von 20 Milliarden Euro beschlossen. Im jüngsten Konjunkturpaket sind Sonderausgaben des Staates von 12 Milliarden Euro vorgesehen. Kernelement ist der befristete Steuerbonus für Käufer von Neuwagen. Die Konjunktur-Maßnahmen von 32 Milliarden Euro entsprechen 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Schlechte Wirtschaftsprognosen für Deutschland

Deutsche Politiker hielten sich vorerst gegenüber den EU-Plänen bedeckt. Nach Ansicht von Bundesaußenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier muss das EU-Paket Jobs und Zukunftstechnologien sichern. Die Bundesregierung müsse bei der Debatte über die Ausgestaltung des Pakets nun Initiative zeigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in Frankfurt angesichts der düsteren Aussichten: „Ich kann nur hoffen, dass wir gerade in dieser Krise die Kurve noch enger kriegen zu offenem Handel, zu fairem Welthandel und nicht etwa in Protektionismus verfallen.“ Die Kanzlerin mahnte, bei aller Sorge um die Finanzbranche andere drängende Probleme wie den Klimaschutz nicht zu vernachlässigen.

Als Folge der internationalen Finanzkrise verdüstern sich unterdessen die weltweiten Konjunkturaussichten noch mehr. Nach Angaben des Münchner ifo Institut deuten die Zeichen auf eine globale Rezession hin. Die Stimmung in der Weltwirtschaft sank auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren (mehr dazu in unserem Kommentar).

Die künftige wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wird immer pessimistischer eingeschätzt. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) erwartet inzwischen für das kommende Jahr in Deutschland im günstigsten Fall eine „schwarze Null“ beim Bruttoinlandsprodukt und senkte damit seine Wachstumsprognose. Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank zeichnet sich für das Schlussquartal 2008 „erneut ein empfindlicher Dämpfer ab“. Im nächsten Jahr würden dann voraussichtlich die negativen Folgen der Finanzmarktkrise und der realwirtschaftlichen Eintrübung „in ihrer ganzen Tragweite sichtbar“.

Die fünf Wirtschaftsweisen korrigierten am Donnerstagabend ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2008 angesichts der Finanzkrise weiter nach unten. Statt der jüngst vorhergesagten 1,7 Prozent gehen die Ökonomen jetzt nur noch von 1,5 Prozent aus, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz, in Stuttgart. Für 2009 sagt der Sachverständigenrat ein Minus von 0,2 Prozent voraus. Bisher waren die Wirtschaftsforscher von 0,0 Prozent, also einer Stagnation, ausgegangen.

Nach zwei Minusquartalen in Folge steckt Deutschland in der Rezession: Im dritten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal, im zweiten Quartal hatte es ein Minus von 0,4 Prozent gegeben.

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