Arbeitsmarkt: Wolfgang Clement: Zeitarbeit nicht wieder "an die Kette legen"

Arbeitsmarkt: Wolfgang Clement: Zeitarbeit nicht wieder "an die Kette legen"

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Wolfgang Clement kommt in Düsseldorf zu einer Pressekonferenz der Firma Adecco zum demographischen Wandel in Europa.

Wolfgang Clement, Ex-Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, warnt in der WirtschaftsWoche davor, „die Zeitarbeit wieder an die Kette zu legen“.

Clement, der heute unter anderem Vorsitzender eines Think Tanks des Zeitarbeitsunternehmens  Adecco und Aufsichtsratsmitglied der RWE Power AG ist, kritisiert, dass „derzeit nicht wenige der Verantwortlichen in Politik und Gewerkschaften dabei sind, ausgerechnet jene Stellschrauben der Arbeitsmarktreformen zurückzudrehen, die in den letzten Jahren zu einer erheblichen Entspannung am Arbeitsmarkt beigetragen haben“.

Gemeint seien vor allem Versuche, so Clement, die mit dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) bewirkte Deregulierung und Flexibilisierung der Zeitarbeit wieder aufzuheben. Clement: „Unsereiner kann nur davor warnen und muss bedauern, dass auch Vertreter meiner Partei, der SPD, Seite an Seite mit der IG Metall und Verdi (die diese Reform vor fünf Jahren mitgestalteten), die Zeitarbeit als prekäre Arbeitsform zu denunzieren. Die Erfolge der Branche seien unübersehbar: „Vor fünf Jahren waren es weniger als ein Prozent, inzwischen verdienen fast 1,5 Prozent aller Beschäftigten ihren Unterhalt in der Zeitarbeit. Einen kräftigeren Jobmotor gibt es nicht.“

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Auch erhielten, so Clement, 20 bis 30 Prozent im Anschluss an ihre Beschäftigung in der Zeitarbeit einen Job beim Kundenunternehmen („Klebeeffekt“) oder einem anderen Betrieb („Brückeneffekt“). Zeitarbeit dämme auch die Schwarzarbeit ein und sei geeignet, dem Off-Shoring von Unternehmen entgegenzuwirken.

Clement betont, es sei „der richtige Weg“, das ein EU-Richtlinienentwurf vorsehe, die Zeitarbeit europaweit bei gleichzeitig fairer Entlohnung von Restriktionen zu befreien. Clement: „Versuche, die Zeitarbeit in Deutschland wieder einzufangen, laufen dem zuwider.“ Stattdessen sollten sich Politik, Verbände und Gewerkschaften daranmachen, die Zeitarbeit zu einem Medium der Qualifizierung und Weiterbildung weiterzuentwickeln. Die verleihfreie Zeit von Zeitarbeitnehmern, so Clements Vorschlag, sollte genutzt werden, „um sie zum individuellen wie unternehmerischen Vorteil zu qualifizieren“.

Zum Thema Mindestlohn erklärt Clement: „Die Lohnfindung muss den Tarifpartnern überlassen bleiben. Deswegen ist es richtig, dass die Tarifpartner eine klare Lohnuntergrenze ziehen wollen und den Bundesarbeitsminister aufgefordert haben, den mit dem DGB vereinbarten Mindestlohn für allgemeinverbindlich zu erklären.“ Wenn demnächst EU-weit Freizügigkeit für Arbeitnehmer gelte, würde der Arbeitsmarkt ohne einen Mindestlohn im Entsendegesetz wohl bald mit Dumpingangeboten konfrontiert, die das Instrument Zeitarbeit politisch wirklich infrage stellen könnten. Clement: „Das kann niemand wollen – am wenigsten die, die im weltweiten Wettbewerb auf Flexibilität angewiesen sind.

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