Aufruf zu Reformen : OECD warnt vor Dauer-Konjunkturschwäche

ThemaKonjunktur

Aufruf zu Reformen : OECD warnt vor Dauer-Konjunkturschwäche

Laut OECD-Bericht droht der Weltwirtschaft anhaltende Stagnation. Reformen müssten her, um das Wachstum anzukurbeln und die Ungleichheit zu beseitigen. An der sei auch die Finanzkrise schuld.

Der Weltwirtschaft droht nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD eine anhaltende Stagnation. Nur mit ehrgeizigen Strukturreformen ließen sich die Konjunktur ankurbeln und die wachsende soziale Ungleichheit in vielen Ländern bekämpfen, machte OECD-Generalsekretär Angel Gurria am Montag kurz vor einem G20-Finanzministertreffen in Istanbul deutlich.

Die erwähnte Ungleichheit sei von der Finanzkrise noch befeuert worden. Sie habe in den Industrie- und Schwellenländern besonders die einkommensschwachen Haushalte getroffen und deren soziale Not weiter verschärft. Zu diesem Ergebnis kommt der Jahresbericht „Das Wachstum fördern“, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vorstellte. Junge Menschen müssten die größten Einkommenseinbußen hinnehmen und seien einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt.

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Konjunkturdaten der Weltwirtschaft

  • USA

    Wirtschaftswachstum

    2014: 2,3 %

    2015: 2,7 %

    Inflation

    2014: 1,7 %

    2015 - 1,0 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 6,2 %

    2015: 5,7 %

  • China

    Wirtschaftswachstum

    2014: 7,3 %

    2015: 7,0 %

    Inflation

    2014: 2,0 %

    2015: 1,8 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 4,0 %

    2015: 3,9 %

  • Russland

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,1 %

    2015: –1,7 %

    Inflation

    2014: 7,7 %

    2015: 8,8 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 5,1 %

    2015: 5,0 %

  • Japan

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,2 %

    2015: 1,1 %

    Inflation

    2014: 2,9 %

    2015: 2,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 3,7 %

    2015: 4,3 %

  • Frankreich

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,4 %

    2015: 0,9 %

    Inflation

    2014: 0,5 %

    2015: 0,6 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 10,2 %

    2015: 10,1 %

  • Großbritannien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 3,0 %

    2015: 2,6 %

    Inflation

    2014: 1,5 %

    2015: 1,5 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 6,2 %

    2015: 5,5 %

  • Türkei

    Wirtschaftswachstum

    2014: 2,6 %

    2015: 3,1 %

    Inflation

    2014: 9,0 %

    2015: 7,1 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 9,7 %

    2015: 9,7 %

  • Brasilien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,0 %

    2015: 0,5 %

    Inflation

    2014: 6,3 %

    2015: 5,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 5,0 %

    2015: 5,4 %

  • Portugal

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,8 %

    2015: 1,5 %

    Inflation

    2014: –0,3 %

    2015: 0,4 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 14,2 %

    2015: 13,7 %

  • Spanien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 1,3 %

    2015: 2,0 %

    Inflation

    2014: –0,1 %

    2015: –0,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 24,5 %

    2015: 22,9 %

  • Italien

    Wirtschaftswachstum

    2014: –0,3 %

    2015: 0,6 %

    Inflation

    2014: 0,2 %

    2015: –0,2 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 12,6 %

    2015: 12,9 %

  • Griechenland

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,2 %

    2015: 1,9 %

    Inflation

    2014: –1,1 %

    2015: –0,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 27,1 %

    2015: 26,4 %

„Zu den politischen Herausforderungen gehören in nächster Zeit eine dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit, eine Verlangsamung der Produktivität, ein hohes Staatsdefizit und eine hohe Staatsverschuldung“, hieß es in dem Bericht.

Die Weltwirtschaft braucht Reformen

"Es besteht die Gefahr, dass wir in eine langandauernde Phase geringen Wachstums geraten", warnte Gurria. Reformmüdigkeit gebe es hauptsächlich in den Industrieländern und hier vor allem in Japan und der Euro-Zone. Davon ausgenommen seien die Krisen-Länder Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, die unter dem Druck ihrer Schuldenprobleme massive Veränderungen vorgenommen hätten. Auch in den meisten Schwellenländern - darunter China und Mexiko - habe das Reformtempo zugelegt.

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Die OECD verwies auf die schwindenden Spielräume in Geld- und Fiskalpolitik in den 20 größten Industrie- und Schwellenländern. Strukturreformen und Investitionen seien daher entscheidend, um für nachhaltigeres Wachstum zu sorgen. Im Vordergrund sollten insbesondere Schritte zur Steigerung der Arbeitsproduktivität stehen. "Eine ehrgeizige Reformagenda kann dabei helfen, neue Jobs zu schaffen sowie die Produktivität und Nachfrage zu steigern", sagte Gurria.

Er warnte vor einem Teufelskreis aus permanenter Konjunkturschwäche und zunehmenden sozialen Verwerfungen. Einer OECD-Studie zufolge stieg das durchschnittliche jährliche verfügbare Einkommen von ganz armen Haushalten zwischen 1995 und 2011 nur um 0,05 Prozent. In der oberen Mittelklasse betrug der Zuwachs dagegen 0,92 Prozent und in reichen Haushalten 1,01 Prozent.

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