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Aufstrebende Absatzmärkte: Indonesien ist sexy für Investoren

von Florian Willershausen

Mit 240 Millionen Einwohnern ist der indonesische Markt dreimal so groß wie Deutschland. Das südostasiatische Land lockt mit Niedriglöhnen. Doch Investoren zögern noch - und verpassen eine einmalige Chance, mit dabei zu sein.

Platz 9: Malaysia

Mit einer verhältnismäßig kleinen Bevölkerung von 28 Millionen Einwohnern kann Malaysia kaum punkten. Auch die verhältnismäßig hohen Arbeitskosten von 15,6 Dollar (absolutes BIP geteilt durch BIP pro Person) machen das Land nicht außergewöhnlich attraktiv. Spannend ist Malaysia vielmehr als Beschaffungsmarkt. Die Befragten der Studie von Valuneer und ICC zu Trends internationaler Einkaufsmanager bewerteten den Markt überaus positiv.

Quelle: Exklusivranking für die WirtschaftsWoche in Kooperation mit Valueneer. Für das Ranking wurde nach der Attraktivität als Absatz- sowie als Beschaffungsmarkt unterschieden und Indikatoren wie Lohnkosten, Wachstumsraten, Importvolumen, Rohstoffreichtum und Bevölkerungsgröße herangezogen und unterschiedlich gewichtet.

Bild: AP

Klar denkt jeder an Klopapier, wenn Marco Schumm erzählt, was er in Indonesien produziert: Hülsen zum Aufwickeln von Papier und Folien. „Niemand glaubt mir, dass das echte High-Tech-Produkte sind“, klagt Schumm und legt eine Rolle Alufolie auf den Tisch. Der Pappkern ist glatt, damit die Folie nicht hängen bleibt. Das Geheimnis liege in der Veredlung der Oberfläche und der Verarbeitung von Papier und Kleber, fachsimpelt der Asien-Chef von Paul & Co, einem Verpackungshersteller mit Sitz in der Rhön.

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Schumm könnte den Vergleich mit den Klorollen vermeiden, wenn er Gästen die Fabrik in Serpong zeigen würde. Doch der 42-Jährige wiegelt ab: „Tut mir leid, wir lassen keinen in die Produktion, so ist unsere Firmenpolitik.“ Auch Fotos sind keine erlaubt, zu groß ist die Angst vor Patentklau.

Womit Indonesien punktet - und womit nicht

  • Pluspunkt: Größe und Stabilität

    Mit 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien das viertgrößte Land der Welt – und seit der Asien-Krise 1998 ein Markt mit konstanten Wachstumsraten. Trotz ethnischer Vielfalt gilt der demokratische Staat als politisch stabil.

  • Minuspunkt: Teure Logistik

    Die Hauptstadt versinkt im Dauerstau, das Land ist auf 17 000 Inseln verteilt. Das erhöht die Logistikkosten und verlängert die Lieferzeiten. Für Hersteller zeitsensibler Güter ist das Land kein guter Standort.

  • Pluspunkt: Abgeschotteter Markt

    Um die lokale Wertschöpfung zu steigern, erhebt Indonesien in Branchen wie Pharma- oder Ölindustrie hohe Zölle. Wer vor Ort investiert, kann sie umgehen. Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indonesien fehlt.

  • Minuspunkt: Korrupter Kader

    Ohne Schmiergeld ist es schwer, an staatliche Aufträge zu kommen, klagen Investoren. Bei privaten Unternehmen laufen die Geschäfte sauber ab.

  • Pluspunkt: Starke Kaufkraft

    In Jakarta stehen über 150 Einkaufsmalls – größer, schicker und voller als deutsche Flaniermeilen. Die kaufkräftige Mittelschicht wächst.

Irgendwie passt die Geheimniskrämerei zu Indonesien, einem hierzulande unterschätzten Markt im Südosten Asiens. Keine zwei Dutzend deutscher Investoren haben rund um den 30-Millionen-Ballungsraum Jakarta eigene Fabriken gebaut. Und die, die vor Ort sind, verstecken sich im Schatten Chinas, Asiens Über-Markt, den in Indonesien viele Investoren skeptisch sehen. „Ich würde in China keine Fabrik bauen, der Markt ist hoch reguliert und alles andere als frei“, warnt Schumm. Von Indonesien aus liefert er Hülsen nach Südostasien und auch nach China. Das klappt gut.

Märkte von morgen

Heilloses Verkehrschaos

Mit fast 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien der größte Markt Südostasiens – und weil die Wirtschaft in der letzten Dekade im Schnitt um sechs Prozent jährlich gewachsen ist, müsste das Land, in dem früher nur der Pfeffer wuchs, für deutsche Investoren eigentlich interessant sein. Umso erstaunlicher sind die schwachen Zahlen: 2011 ging das Volumen deutscher Maschinenbauexporte um 4,4 Prozent auf 704 Millionen Euro zurück – japanische Unternehmen exportierten fünfmal so viele Anlagen nach Indonesien.

Klaus Friedrich, Asien-Experte beim VDMA, moniert: „Als deutsche Wirtschaft müssen wir uns fragen lassen, warum der Exportweltmeister in Indonesien den Anschluss verpasst.“ Selbst Dax-Konzerne gehen den Markt stiefmütterlich an – außer Daimler und Siemens, die vor Ort Fabriken betreiben.

Dabei hat Indonesien viel vor. Bis 2025 will die Regierung in Jakarta das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vervierfachen. Gelingt der Plan, würde das Land mit seiner Wirtschaftsleistung von mindestens 3,8 Billionen Dollar zur zwölftgrößten Ökonomie der Welt aufsteigen. Allein bis 2015 will die Regierung 76 Milliarden Dollar in die Infrastruktur pumpen: Vor allem die Metropolregion Jakarta versinkt im Stau – und in der Folge stockt die Logistik. Das heillose Verkehrschaos ist ein Grund, weshalb Indonesien Investoren trotz günstiger Löhne und guter Ausbildung abschreckt.

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