Außenhandel: Boom wirft neues Licht auf Exportstreit

KommentarAußenhandel: Boom wirft neues Licht auf Exportstreit

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Export: Der deutsche Außenhandel hat seine Dynamik verloren. Im zweiten Quartal sanken die Lieferungen in die USA um 6,5 Prozent

von Mark Fehr

Der Welthandel wächst schwindelerregend, die Krise scheint vergessen. Vor allem Deutschland befeuert die globale Konjunktur - nicht nur als Exportmacht, sondern auch als kaufkräftiger Kunde. Ein Kommentar von Mark Fehr.

Noch vor wenigen Monaten hätte niemand für möglich gehalten, was nun in greifbare Nähe rückt: Die Weltwirtschaft erholt sich kräftig und lässt die Rezession mit Riesenschritten hinter sich.

Zu den Hauptprofiteuren des globalen Comebacks zählt die exportstarke deutsche Industrie. Dabei waren die Ausfuhren noch im vergangenen Jahr um fast 18 Prozent eingebrochen. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) dürften die Lieferungen ins Ausland in diesem Jahr jedoch um elf Prozent zulegen.

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Für 2011 halten die vom DIHK befragten deutschen Außenhandelskammern ein Exportwachstum von acht Prozent für möglich. Damit wäre das Rekordniveau aus 2008 fast wieder erreicht.

Exportmacht als Sündenbock

Als Exportnation macht sich Deutschland allerdings nicht nur Freunde. Internationale Politiker und Ökonomen fordern einen Verzicht auf Ausfuhren zugunsten schwächerer Volkswirtschaften wie Griechenland. Das absurde Argument: Hochwertige und gleichzeitig günstige deutsche Waren verdrängen im Wettbewerb benachteiligte Konkurrenten und führen zu wirtschaftlichen Ungleichgewichten besonders in der Eurozone. Vereinzelt wird sogar der Vorwurf des Lohndumpings laut. Sind die Deutschen tatsächlich asketische Konsumverweigerer, die mit Billiglöhnen den fairen Wettbewerb auf den Weltmärkten unterlaufen? Nein, dieses Zerrbild entspricht nicht der Realität. Ein Blick in die Außenhandelsbilanz zeigt dagegen, dass die Weltwirtschaft stark von der deutschen Nachfrage profitiert. Laut DIHK-Umfrage dürften die Importe mit jeweils 9,5 Prozent in diesem und im nächsten Jahr ähnlich stark steigen wie die Exporte.

Eine wachsende Nachfrage war genau das, was Kritiker des deutschen Exportmodells gefordert haben – etwa die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde oder der amerikanische Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman. Eine Rettung für wettbewerbsschwache Volkswirtschaften bedeutet das aber noch lange nicht.

Denn als souveräne Unternehmer kaufen deutsche Importeure nur Waren mit gutem Preis- Leistungsverhältnis. Das ist offenbar bei asiatischen Lieferanten besser als bei Anbietern in südeuropäischen Schuldenstaaten. Griechenland & Co. gehen angesichts des deutschen Nachfragebooms leer aus.

Stattdessen profitieren die Chinesen. Die frisch gebackenen Exportweltmeister dürften laut DIHK in diesem Jahr Deutschlands wichtigste Lieferanten werden. Die meisten Importwaren bezieht Deutschland also nicht mehr von den Niederlanden, sondern aus dem Reich der Mitte.

Dabei steigt im deutsch-chinesischen Handel die Bedeutung hochwertiger und teurer Produkte. Das heißt: Aus China kommen immer weniger Standards wie Kleidung, Schuhe oder Spielzeug und immer mehr komplexe Elektronik und Maschinen.

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