Außenhandel: Bye, bye Exportweltmeister Deutschland

Außenhandel: Bye, bye Exportweltmeister Deutschland

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Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche 2006 bei einem Rundgang im neuen Automobilwerk des Konzerns in Peking.

Deutschland wird seinen Titel wohl dieses Jahr noch an die Chinesen abgeben müssen.

Groß war die Freude, als das Statistische Bundesamt jüngst seine neuesten Zahlen zum Außenhandel präsentierte: 2007 hat die deutsche Wirtschaft Waren im Wert von 969,1 Milliarden Euro (umgerechnet rund 1,4 Billionen Dollar) ins Ausland verkauft – und den bisherigen Exportrekord von 2006 noch einmal um 8,5 Prozent übertroffen. Deutschland war damit das fünfte Jahr in Folge Exportweltmeister.

Ein weiterer Titel aber dürfte vorerst nicht dazukommen: 2008 muss Deutschland den Spitzenplatz wohl an China abgeben. Das Reich der Mitte exportierte im vergangenen Jahr Produkte für gut 1,2 Billionen Dollar, fast 26 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Analysten schätzen, dass der Zuwachs auch 2008 bei gut 20 Prozent liegen wird – während Deutschlands Exporteure ihren Absatz im Ausland nur um fünf bis sechs Prozent steigern dürften.

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Seit Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001 haben sich die Ausfuhren verfünffacht. Ob Lederschuhe, Laptops oder LCD-Fernseher: Bei Konsumgütern dominieren chinesische Unternehmen inzwischen die Weltmärkte. Allein die US-Supermarktkette Wal Mart kauft jedes Jahr Waren für 18 Milliarden Dollar in China ein. Mehr als 90 Prozent aller weltweit verkauften Einwegfeuerzeuge und über 80 Prozent aller Sportschuhe kommen von hier.

Dass die Chinesen an die Spitze der Exportnationen stürmen, hat auch strukturelle Gründe: Chinesische Güter sind nicht mehr nur Low Tech und Billigkram. Auch bei höherwertigen Produkten hat sich China eine starke Stellung erarbeitet. So lieferten die Unternehmen des Landes 2007 Elektro- und Elektronikprodukte für fast 400 Milliarden Dollar ins Ausland – mehr als jedes andere Land der Welt. Auch im Maschinenbau sind die Chinesen auf dem Vormarsch: Mit einem Exportzuwachs von fast 40 Prozent ließ das Reich der Mitte schon 2006 die klassischen Maschinenexporteure Großbritannien und Frankreich hinter sich und liegt weltweit bereits auf Platz fünf – hinter Deutschland.

Chinas Ausfuhren tragen mittlerweile gut ein Drittel zum Wirtschaftswachstum und gut zehn Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei. Längst nicht alle Waren, die chinesische Unternehmen ins Ausland liefern, werden dabei vollständig in China gefertigt. Der Anteil der Ausfuhren, die Zulieferteile aus anderen, meist asiatischen Ländern enthalten, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.

Hauptursache für die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte „made in China“ ist der gewaltige Kostenvorteil des Landes. Die Lohnkosten liegen bei rund einem Zwanzigstel des US-Niveaus. Auch die Energiekosten betragen dank hoher Subventionen nur einen Bruchteil dessen, was Unternehmen in entwickelten Märkten wie Europa oder den USA aufwenden. Diese Vorteile sowie die große Reserve an Arbeitskräften haben auch dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Unternehmen aus dem Westen ihre Produktion nach China verlagert haben. Gut 60 Prozent der chinesischen Ausfuhren gehen inzwischen auf das Konto von Unternehmen mit ausländischer Beteiligung.

Neben den niedrigen Kosten sorgt auch die umstrittene chinesische Wechselkurspolitik für Wettbewerbsvorteile. Chinas Währung Yuan ist de facto an den Dollar gekoppelt. Die Pekinger Zentralbank kauft von den Geschäftsbanken die im Export erlösten Dollar auf und hält so den Wechselkurs des Yuan künstlich niedrig. Ausländische Ökonomen gehen davon aus, dass der Yuan um bis zu 20 Prozent unterbewertet ist.

Ganz ungetrübt ist die Stimmung freilich auch bei den chinesischen Exporteuren nicht. Das schwächere Wachstum in den USA und die damit verbundene nachlassende Nachfrage führen zu ersten Bremsspuren. Im vierten Quartal 2007 stiegen die Exporte so langsam wie seit 2002 nicht mehr. Gleichzeitig hat die Regierung die Steuervorteile für exportorientierte Unternehmen gekappt, weil sie die Exportabhängigkeit der Wirtschaft verringern will. Um den gewaltigen Handelsbilanzüberschuss mit den USA zu drücken, lassen die Währungshüter den Yuan außerdem kontinuierlich leicht aufwerten.

Dies ändert nichts daran, dass die Chinesen uns 2008 überflügeln dürften, der Exportindikator für Deutschland stagniert (siehe Seite 43). In Jubelstimmung werden die Wiesbadener Statistiker ihre Zahlen zum deutschen Außenhandel 2008 daher wohl nicht mehr präsentieren können.

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