Bankenkrise: Sinn: „Bei Bad Banks zahlt der Steuerzahler drauf“

Bankenkrise: Sinn: „Bei Bad Banks zahlt der Steuerzahler drauf“

Die deutschen Banken stecken in einer Insolvenzkrise und brauchen neues Eigenkapital. Dafür wäre eine Beteiligung des Staates besser als Bad Banks, sagt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die Bundesregierung hat die Errichtung von Bad Banks beschlossen. Den Bad Banks sollen die strukturierten Wertpapiere amerikanischer Provenienz übertragen werden, die die Banken noch in den Büchern haben. Die Marktwerte dieser Papiere, die über die Verbriefung von Kreditforderungen gegenüber amerikanischen Immobilienbesitzern entstanden sind, liegen heute nur noch bei einem Bruchteil der Nennwerte. Papiere der sogenannten Equity-Tranchen haben Marktwerte von fast null, und selbst Papiere der Kategorie AAA werden nur noch zu einem Drittel des Nennwertes gehandelt. Der Grund für den Wertverfall liegt in einem institutionellen Schwindel, an dem die amerikanischen Ratingagenturen, die lasche Regulierung der Investmentbanken, das Rechtsinstitut der regressfreien Kredite und nicht zuletzt die amerikanische Wohnungspolitik ihren Anteil hatten.

In den Bilanzen der deutschen Banken stehen die strukturierten Papiere heute großenteils noch zu wesentlich höheren Werten als den Marktwerten. Das liegt zum einen daran, dass die Europäische Union den Banken im Herbst, nach der Lehman-Brothers-Pleite, die Möglichkeit gegeben hatte, die Papiere rückwirkend zum Juli 2008 vom Handels- in das Anlagebuch zu verschieben und so vor den Wertberichtigungen zu schützen, die nach dem Zusammenbruch des Interbankenhandels nötig wurden. Zum anderen haben die Banken ohnehin einen erheblichen Gestaltungsspielraum, Kreditforderungen im Rahmen der Fair-Value-Methode durch Diskontierung der geschätzten Kreditrückflüsse zu bewerten. Niemand zwingt sie, solche Forderungen schon abzuschreiben, wenn ihr Verlust noch nicht unabweislich, sondern nur mit gewisser Wahrscheinlichkeit auftritt.

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Erst ein Viertel der Wertberichtigungen realisiert

Wie groß die stillen Lasten in den Bankbilanzen noch sind, wird deutlich, wenn man die tatsächlichen Abschreibungen und Marktwertberichtigungen, die die Agentur Bloomberg ausweist, mit den Prognosen über solche Abschreibungen und Marktwertberichtigungen vergleicht, wie sie vom Internationalen Währungsfonds (IWF) vorgenommen wurden. Erstere lagen Ende Februar weltweit bei 1,116 Billionen Dollar. Letztere betrugen in der Prognose des IWF vom April 4,05 Billionen Dollar für die USA, Euroland, UK und Japan. Danach sind bislang gerade einmal ein Viertel der zu erwartenden Wertberichtigungen realisiert.

Das ist zwar nur eine Durchschnittsaussage für die ganze Welt, aber da es keinen Anlass für die Vermutung gibt, dass die Amerikaner innerhalb der Ratingkategorien die jeweils besseren Papiere nach Deutschland verkauft und die schlechteren für sich behalten haben, muss man davon ausgehen, dass dieses Zahlenverhältnis auch für die in Deutschland abgelagerten strukturierten US-Papiere gilt. Bis Februar waren durch Wertberichtigungen auf toxische Papiere erst 22 Prozent des Eigenkapitalbestandes der aggregierten deutschen Bankenbilanz verloren gegangen.

Wird dieser Prozentsatz vervierfacht, sind die deutschen Banken im Durchschnitt pleite, denn mit dem bisschen Eigenkapital, das dann noch verbleibt, können sie die aufsichtsrechtlichen Anforderungen nicht mehr erfüllen. Dass die amerikanischen und Schweizer Banken noch viel mehr in der Tinte sitzen, ist da nur ein schwacher Trost.

"Banken haben ein Solvenzproblem"

Nach offizieller Information der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) liegt der Bestand an strukturierten Wertpapieren, die auf Bad Banks übertragen werden könnten, bei etwa 200 Milliarden Euro. Inoffiziell liegt der Bestand an toxischen Papieren, wie FAZ und Süddeutsche Zeitung berichten, bei 800 Milliarden Euro, faule Unternehmenskredite noch nicht mitgerechnet. Angesichts eines Eigenkapitalbestandes der konsolidierten Bankenbilanz in Höhe von nur etwa 300 Milliarden Euro liefern diese Informationen leider kein besseres Bild als der Vergleich der IWF- und Bloomberg-Zahlen.

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