Bankenunion: Der Traum vom Wirtschaftswunder 2.0

KommentarBankenunion: Der Traum vom Wirtschaftswunder 2.0

Bild vergrößern

Die Bankenunion würde für Deutschland auf jeden Fall eins: teuer

von Frank Doll

Die vollständige Integration der Eurozone einschließlich Transfer- und Haftungsunion legten die Basis für ein zweites deutsches Wirtschaftswunder, meint die Unternehmensberatung McKinsey. Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht.

Manche Dinge ändern sich nie. Flankierend zur Blasenbildung am deutschen Aktienmarkt veröffentlichte das "Manager Magazin" in seiner April-Ausgabe unter dem Titel "Die fetten Jahre sind zurück" eine extrem optimistische Exklusivstudie der Unternehmensberatung McKinsey. Bis 2025 werde die deutsche Wirtschaft um durchschnittlich 2,1 Prozent pro Jahr wachsen, prognostizieren die Autoren der Studie, in der sich Deutschland verwandelt in ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Das Exportvolumen werde um 80 Prozent zulegen, die Wirtschaftsleistung um ein Drittel steigen und Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen.

Einzige Voraussetzung für das zweite deutsche Wirtschaftswunder wäre die Rettung des Euro. Aber die sei ein Klacks, weil sie nahezu kostenlos zu haben sei. Damit die Unternehmen wieder in der Peripherie investierten, reichte es, wenn Deutschland jährlich zehn Milliarden Euro in die Krisenländer schickte und die anderen Länder Nordeuropas weitere zehn Milliarden Euro drauflegten. So einfach ist das. Da fragt man sich natürlich, warum da bisher noch niemand auf einem der EU-Krisengipfel drauf gekommen ist.

Anzeige

Die Bankenunion wird teuer für Deutschland

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen findet das Konzept "sympathisch", ein paar Milliarden Euro mehr sowie die Bankenunion müssten aber noch dazukommen. Nur wird es gerade an diesem Punkt schwierig, weil extrem teuer - für Deutschland. Kommt die Bankenunion, werden in Zukunft die deutschen Sparer über ihre Einlagensicherung die Verantwortung für die Rettung von Sparguthaben in den Krisenländer übernehmen müssen. Inzwischen steckt knapp die Hälfte der Euro-Staaten in einer tiefen Strukturkrise, der Rest in einer Rezession mit ungewissem Ausgang.

Schuld daran trägt unter anderem der Euro, weil er Währungsabwertungen zur Stabilisierung der nationalen Wirtschaften verhindert. Umgekehrt wird also ein Schuh daraus. Der Euro führt zu einer Dauerkrise in Europa, die zu einer Daueralimentierung der Peripherie führt, die wiederum zu einer Schwächung der noch gesunden Länder in der Eurozone führt.

Der gemeinsame Umsatz der 30 Dax-Unternehmen verringerte sich im ersten Quartal 2013 im Jahresvergleich um 0,8 Prozent auf 308 Milliarden Euro. Das war der erste Umsatzrückgang seit dem ersten Quartal 2009. Die fetten Jahre für die deutsche Wirtschaft scheinen eher vorbei zu sein, als dass sie anbrechen, zumal die USA weiter nur schwach wachsen, China die hohen Erwartungen nicht halten kann und Japan eine Staatschuldenkrise droht. 

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%