BASF-Chef Hambrecht: "Abgestimmte Konjunkturpakete erhöhen die Schlagkraft"

BASF-Chef Hambrecht: "Abgestimmte Konjunkturpakete erhöhen die Schlagkraft"

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BASF-Chef Jürgen Hambrecht: Europa sollte sich einigen, wie man den Karren gemeinsam aus dem Dreck zieht.

In Brüssel findet in diesen Tagen nicht nur Krisenbekämpfung statt. An diesem Donnerstag geht es um die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie. Eine hochrangige Expertengruppe zu dieser Branche legt ihren Abschlussbericht vor.

Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich ein Gremium, in dem europäische Politiker mit Vertretern von Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen über die Zukunft der chemischen Industrie diskutiert haben. BASF-Chef Jürgen Hambrecht, der mit von der Partie ist, bewertet die Initiative im Gespräch mit wiwo.de und warnt vor den Gefahren des Protektionismus, der in der Krise droht.

WirtschaftsWoche: Heute legt die hochrangige Expertengruppe der EU für die chemische Industrie ihren Abschlussbericht vor. Was bringen solche Veranstaltungen?

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Hambrecht: Für die chemische Industrie ist es sehr wichtig, dass sich Politik und Wirtschaft gemeinsam mit allen Interessengruppen an einen Tisch setzen. Die chemische Industrie steht ja häufiger in der Kritik der Nicht-Regierungsorganisationen. Die Experten-Gruppe kommt klar zu dem Ergebnis, dass eine nachhaltige Zukunft nur mit Lösungen aus der Chemie möglich ist. Wir sind eine ganz entscheidende Querschnittindustrie, deren Innovationen grundlegend für die Weiterentwicklung anderer Branchen beitragen.

Rechnen Sie damit, dass Brüssel deswegen Regulierung stärker in ihrem Sinne entscheiden wird?

Unterschiedliche Interessen werden auch in Zukunft jedesmal neu gegeneinander abgewogen. Aber der Grundsatz, dass wir als zentrale Industrie für die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit Europas wahrgenommen werden, wird große Bedeutung haben.

In der Krise feiert der Protektionismus ein Comeback. Was empfinden Sie, wenn Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy völlig ungeniert die eigene Industrie bevorzugt?

Es geht ja nicht allein um Frankreich. Jedes Land hat seine eigenen Sonderinteressen, die mitunter protektionistische Züge tragen. Und die nehmen leider zu. Vergessen wird dabei, dass Abschottung und nationale Egoismen der falsche Weg sind und gerade jetzt in die Sackgasse führen.

Wieso?

Nehmen wir die Rezession Anfang der Neunziger Jahre. Damals war ich für das BASF-Geschäft mit Technischen Kunststoffen zuständig. Als es noch keinen Euro gab, hat jedes Land die eigene Währung hin- und hergefahren. Wir hatten zum Beispiel Kunststoffvorprodukte nach Italien exportiert. Als die Lira immer weniger wert wurde, kamen unsere Exporte plötzlich als Reimporte nach Deutschland zurück. Viele Länder hatten über die Währung eine Barriere aufgebaut. Das kann zum Glück nicht mehr passieren. Heute ist die EU zusammen ist stärker als jedes Mitgliedsland für sich allein.

Im Moment sieht es aber eher nach einem Subventionswettlauf in Europa aus. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein?

Wenn man die täglichen Nachrichten hört, könnte man tatsächlich den Eindruck bekommen, dass sich Regierungen mit Rettungsaktionen überbieten. Wichtig ist jetzt aber, dass man sich in Europa einigt, wie man gemeinsam den Karren aus dem Dreck zieht. Das klappt nicht, wenn jedes Land nur seinen eigenen Vorteil sucht. Das schädigt langfristig den europäischen Markt.

Was muss denn passieren?

Es wäre ja schon viel gewonnen, wenn die Regierungen die Konjunkturpakete aufeinander abstimmen würden. Das erhöht die Schlagkraft.

Grundsätzlich haben Sie nichts gegen Konjunkturpakete?

Nein, aber man muss genau überlegen, ob man kurzfristig ein Feuerchen entfacht, um sich ein bisschen zu wärmen. Oder ob man langfristig eine solide Neustrukturierung und Besserstellung haben will. Letzteres ist der richtige Weg, wenn dabei keine neuen dauerhaften Subventionen entstehen. Alles, was in den Markt eingreift und langfristig ein Mäntelchen um Strukturprobleme hängt, ist hochgefährlich und später teuer zu bezahlen.

Ist die wirtschaftliche Lage wirklich so ernst, dass derart massive Konjunkturprogramme benötigt werden?

Ja, es sieht im Moment wirklich nicht gut aus.

Ein Wendepunkt zeichnet sich nicht ab?

Dazu sehen wir derzeit nicht weit genug. Für die kommenden Monate erwarte ich keine nachhaltige Erholung.

Wie schlimm ist der Liquiditätsmangel an den Finanzmärkten für ein Unternehmen wie die BASF?

Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen etwas verbessert, etwa im Anlagemarkt, Trotzdem ist die Situation weiterhin unbefriedigend,  weil die Gefahr noch immer ist, dass weitere Unternehmen aus Finanzierungsgründen in ernste Schwierigkeiten geraten oder gar in Konkurs anmelden müssen.

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