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Blog Boom and Bust: Ende der Illusion von der begrenzten Krise

von Rolf Ackermann

Bisher waren nur Banken und Versicherungen unmittelbar betroffen. Doch jetzt ist die amerikanische Finanzkrise auch in der deutschen Industrie angekommen.

Ein mieser Börsentag war der vergangene Dienstag ohnehin, der Dax ratterte wieder einmal nach unten, diesmal um 3,4 Prozent. Aber eine Nachricht schockte besonders: Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck musste mit seinen Prognosen für Umsatz und Gewinn kräftig zurückrudern. Grund: In Amerika ging der Umsatz im letzten Geschäftsquartal um fast 13 Prozent zurück, die neuen Aufträge sogar um 32 Prozent. Die Aktie des Heidelberger Traditionsunternehmens fiel nach unten wie ein Stein.

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Damit dürfte sie endgültig in sich zusammenfallen, die Illusion von der begrenzten, leicht auszusitzenden Krise. Lange sah es so aus, als würde das Platzen der amerikanischen Immobilienblase fast ausschließlich Banken betreffen, die sich, versteckt in kaum mehr nachvollziehbaren Finanzgebilden, zu viele wacklige US-Hypothekenkredite ins Portfolio geholt hatten. Das wirkt sich zwar auch auf den Rest der Wirtschaft aus, weil die Banken bei der Vergabe von Krediten vorsichtiger werden. Aber lohnende Investitionen, so durfte man bisher noch hoffen, würden an der Finanzierung nicht scheitern.

Grafik: WirtschaftsWoche
Grafik: WirtschaftsWoche

Jetzt rückt der unmittelbare Konjunkturzusammenhang in den Fokus der Aufmerksamkeit: Heidelberger Druck muss sich von seinen Planzahlen verabschieden, weil viele Druckereien in Amerika Investitionen auf Eis gelegt haben. Das ist umso beunruhigender, weil es ein Unternehmen aus dem Maschinenbau trifft, der als robust und krisenresistent gilt wie keine andere deutsche Industriebranche. Zwar steht der Maschinenbau insgesamt noch immer gut da. Die Orderbücher sind prall gefüllt, trotz nachlassender Dynamik beim Auftragseingang (siehe Grafik). Das wird noch einige Monate helfen. Aber spätestens in der zweiten Jahreshälfte dürfte die rezessive Entwicklung in Amerika durchschlagen und den Export empfindlich dämpfen.

Für die deutsche Politik heißt das: Jetzt ist ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für die Einführung weiterer Mindestlöhne, eine mittelstandsfeindliche Reform der Erbschaftsteuer und was derzeit sonst für weltentrückte Traumtänzereien in den Zentren der Macht ausbaldowert werden. Wenn es noch eines Weckrufs bedurft hat, Heidelberger Druck hat ihn geliefert.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 10.02.2008, 21:22 UhrAnonymer Benutzer: DK

    Es gab schon vor 3-4 Jahren (und gibt es noch heute) diverse Leute, die genau das vorhergesagt haben. Während die sogenannten Wirtschaftsexperten sich jetzt langsam dazu durchgerungen haben, die weltweiten Auswirkungen anzuerkennen, findet man anderswo im internet schon informationen, wie man sich auf den Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystemes vorbereiten kann. Doch diese Möglichkeit wird erst zu spät in Erwägung gezogen werden. Denn unsere Wirtschaft ist robust und der Aufschwung ist schon lange da. Mich wundert eigentlich nur, das es noch keinen bankRun wie bei Northern Rock hier in Deutschland bei der WestLb, der iKb oder der Sachsen Lb gegeben hat. Doch da der bürger mit einem Sing-Sang aus Aufschwungslüge und robuster Wirtschaft beruhigt wird, kann ich es verstehen. Aber wehe, wenn die Stimmung kippt.

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