Blog Boom and Bust: Ende der Illusion von der begrenzten Krise

Blog Boom and Bust: Ende der Illusion von der begrenzten Krise

Bisher waren nur Banken und Versicherungen unmittelbar betroffen. Doch jetzt ist die amerikanische Finanzkrise auch in der deutschen Industrie angekommen.

Ein mieser Börsentag war der vergangene Dienstag ohnehin, der Dax ratterte wieder einmal nach unten, diesmal um 3,4 Prozent. Aber eine Nachricht schockte besonders: Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck musste mit seinen Prognosen für Umsatz und Gewinn kräftig zurückrudern. Grund: In Amerika ging der Umsatz im letzten Geschäftsquartal um fast 13 Prozent zurück, die neuen Aufträge sogar um 32 Prozent. Die Aktie des Heidelberger Traditionsunternehmens fiel nach unten wie ein Stein.

Damit dürfte sie endgültig in sich zusammenfallen, die Illusion von der begrenzten, leicht auszusitzenden Krise. Lange sah es so aus, als würde das Platzen der amerikanischen Immobilienblase fast ausschließlich Banken betreffen, die sich, versteckt in kaum mehr nachvollziehbaren Finanzgebilden, zu viele wacklige US-Hypothekenkredite ins Portfolio geholt hatten. Das wirkt sich zwar auch auf den Rest der Wirtschaft aus, weil die Banken bei der Vergabe von Krediten vorsichtiger werden. Aber lohnende Investitionen, so durfte man bisher noch hoffen, würden an der Finanzierung nicht scheitern.

Anzeige
Bild vergrößern

Grafik: WirtschaftsWoche

Jetzt rückt der unmittelbare Konjunkturzusammenhang in den Fokus der Aufmerksamkeit: Heidelberger Druck muss sich von seinen Planzahlen verabschieden, weil viele Druckereien in Amerika Investitionen auf Eis gelegt haben. Das ist umso beunruhigender, weil es ein Unternehmen aus dem Maschinenbau trifft, der als robust und krisenresistent gilt wie keine andere deutsche Industriebranche. Zwar steht der Maschinenbau insgesamt noch immer gut da. Die Orderbücher sind prall gefüllt, trotz nachlassender Dynamik beim Auftragseingang (siehe Grafik). Das wird noch einige Monate helfen. Aber spätestens in der zweiten Jahreshälfte dürfte die rezessive Entwicklung in Amerika durchschlagen und den Export empfindlich dämpfen.

Für die deutsche Politik heißt das: Jetzt ist ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für die Einführung weiterer Mindestlöhne, eine mittelstandsfeindliche Reform der Erbschaftsteuer und was derzeit sonst für weltentrückte Traumtänzereien in den Zentren der Macht ausbaldowert werden. Wenn es noch eines Weckrufs bedurft hat, Heidelberger Druck hat ihn geliefert.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%