Boom and Bust: Der richtige und der falsche Keynes

kolumneBoom and Bust: Der richtige und der falsche Keynes

Kolumne

Die Volkswirtschaften in den USA und Europa stecken in der Liquiditätsfalle. Jetzt muss die Fiskalpolitik helfen – allerdings nicht mit klassischen Konjunkturprogrammen.

Genau 72 Jahre ist es her, dass der britische Ökonom John Maynard Keynes seine „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ veröffentlichte. Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise entwickelte Keynes eine Theorie, die die Massenarbeitslosigkeit erklärte. Er erkannte, dass es Situationen gibt, in denen die Wirtschaft im Zustand der Unterbeschäftigung verharrt und der Staat eingreifen muss, um wieder Vollbeschäftigung herzustellen.

Heerscharen von Ökonomen und Politikern haben die Botschaft der „Allgemeinen Theorie“ in den vergangenen Jahrzehnten jedoch missverstanden und darin einen Freibrief für staatliche Eingriffe in den Marktprozess gesehen. Immer wenn die Konjunktur schwächelte, legten sie eifrig mit Krediten finanzierte staatliche Ausgabenprogramme auf. Die kurbelten zwar die Staatsverschuldung an, nicht aber die Konjunktur. Dennoch wäre es falsch, Keynes’ Werk deshalb zu den Akten zu legen. Denn der Brite hatte seine Empfehlung für staatliche Eingriffe im Kern auf zwei Sonderfälle beschränkt. Einer davon ist die Liquiditätsfalle.

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Keynes erkannte, dass es Situationen gibt, in denen die Menschen aus psychologischen Gründen eine absolute Präferenz für Liquidität entwickeln. In einem solchen Fall sind die Zentralbanken machtlos. Sie können noch so viel Geld in die Wirtschaft pumpen – es gelingt ihnen nicht, den Zins auf das für Vollbeschäftigung notwendige Niveau zu drücken. Denn die privaten Akteure horten das Geld und halten dadurch den Zins hoch. Im Gefolge der Finanzkrise ist genau dieser Fall jetzt eingetreten. Die Geschäftsbanken saugen die von den Notenbanken in den Geldmarkt gepumpte Liquidität auf, statt sie für die Kreditvergabe zu nutzen.

Das treibt den Zins am Geldmarkt immer weiter in die Höhe. In einer solchen Situation kann Keynes zufolge nur die Fiskalpolitik helfen. Übertragen auf die aktuelle Krise, heißt das aber nicht, staatliche Investitionsprogramme aufzulegen, wie sie Japan und Frankreich schon wieder planen. Vielmehr müssen die Regierungen Rettungspakete für die Banken schnüren, die den Finanzmärkten wieder Vertrauen einflößen. Nur so können sie die Wirtschaft aus der Liquiditätsfalle befreien und ein Abdriften in die Depression verhindern.

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