Boom and bust: Doha-Runde nicht weiter verschleppen

kolumneBoom and bust: Doha-Runde nicht weiter verschleppen

Bild vergrößern

WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne

Die globale Rezession macht die Fortschritte in vielen Entwicklungsländern zunichte. Die Industriestaaten müssen daher endlich ihre Agrarmärkte für die Dritte Welt öffnen.

Unter den üblen Wirtschaftsnachrichten, die in der vergangenen Woche einmal mehr auf uns niederprasselten, waren diese beiden womöglich die schlimmsten: Laut Weltbank wird das globale Wirtschaftswachstum 2009 zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte sinken. Und die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds rechnen mit einem Einbruch des internationalen Handels um drei Prozent – nachdem es in den vergangenen 25 Jahren ein jährliches Plus von durchschnittlich sechs Prozent gegeben hatte.

Damit hat die Welt einen weiteren ökonomischen Brandherd. Denn unter dem sinkenden Handelsvolumen leiden vor allem die Entwicklungsländer. Die Finanzkrise hatten sie noch relativ unbeschadet überstanden, da sie im internationalen Finanzsystem nicht übermäßig verwoben sind. Doch seitdem die Krise in der Realwirtschaft angekommen ist, brechen allerorten die lebenswichtigen Exporterlöse ein. Ausländische Kunden bestellen weniger Rohstoffe, deren Preis obendrein drastisch gefallen ist. Für rohstoffabhängige Staaten etwa in Afrika ist dies ein Fiasko. Botswana zum Beispiel erzielt 80 Prozent seiner Exporterlöse mit Diamanten, Sambias Devisen stammen zu 80 Prozent aus dem Verkauf von Kupfer.

Anzeige

Wie sieht die Gegenstrategie aus? Wie zu erwarten, konzentriert sich die Debatte derzeit vor allem auf die Frage, ob der Westen mehr Entwicklungshilfe zahlen soll. Dies ist legitim, vor allem, weil nicht wenige Geber-Staaten rezessionsbedingt den Geldhahn ein Stück weit zuschrauben wollen. Doch wichtiger wäre etwas anders: Die Industrienationen müssen endlich ihre Agrarmärkte liberalisieren, um den Entwicklungsländern neue Absatzchancen zu bieten. Nur dies schafft dort einen Anreiz, die häufig monostrukturierten Volkswirtschaften zu diversifizieren und ist somit allemal eine nachhaltigere Entwicklungsstrategie als steigende Geldtransfers.

Umso schlimmer ist es, dass die „Doha-Runde“ der Welthandelsorganisation WTO, die einen neuen Liberalisierungsschub bringen soll, seit Jahren auf der Stelle tritt – obwohl Ökonomen bei einem erfolgreichen Abschluss weltweite Wohlfahrtsgewinne von 300 Milliarden Euro in Aussicht stellen. Hier müssen sich die USA und die EU, die ihre Landwirte immer noch stark protegieren, bewegen. Aber auch die Entwicklungsländer selbst stehen in der Pflicht. Noch immer schotten sie sich vielerorts mit hohen Zollhürden und bürokratischen Schikanen ab.

Immerhin: EU-Handelskommissarin Catherine Ashton will spätestens im Sommer auf einer internationalen Konferenz die Doha-Runde reanimieren. Das ist in diesen Zeiten ein kleines Signal der Hoffnung.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%