Boom and bust: New Deal in der Tarifpolitik

kolumneBoom and bust: New Deal in der Tarifpolitik

Kolumne

Die Wirtschaftskrise erreicht den deutschen Arbeitsmarkt – und zwingt die Tarifparteien 2009 zu einer Abkehr von lieb gewonnenen Ritualen.

Der Zeitplan steht: Am Montag kommender Woche beginnt an der Katholischen Akademie in Berlin-Mitte das Tarifjahr 2009. Dort treffen sich Abgesandte von Verdi, Beamtenbund und der Tarifgemeinschaft Deutscher Länder, um über die Gehälter von über 600 000 Landesbediensteten zu verhandeln. Dem öffentlichen Dienst folgen in den kommenden Monaten unter anderem Bahn und Baubranche, Einzelhandel, Textilwirtschaft und Druckindustrie. Insgesamt stehen im Rezessionsjahr 2009 für rund sieben Millionen Beschäftigte die Lohnverhandlungen vor der Tür – und schlechter könnten die Vorzeichen nicht sein.

Nachdem die Arbeitslosenzahl 2008 auf den niedrigsten Stand seit über sieben Jahren gefallen war, hat sich die Lage nun gedreht. Bis zu 700 000 Jobs stehen auf der Kippe. In dieser Krise stehen auch die Tarifparteien in der Verantwortung. Es ist nicht die Zeit für Entlassungsorgien, bei denen die Betriebe wertvolle Fachkräfte verlieren, die ihnen im nächsten Aufschwung fehlen. Ebenso gefährlich wäre ein lohnpolitischer Amoklauf der Gewerkschaften, der wirtschaftliche Realitäten ausblendet. Nötig ist ein New Deal in der Tarifpolitik, eine konzertierte Aktion für Jobs jenseits aller verbandspolitischen Interessen, die Nutzung und der Ausbau des tarifpolitischen Instrumentenkastens. Niemand hat angesichts der dramatischen Lage noch Verständnis für nächtliches Gefeilsche um die zweite Nachkommastelle oder die Frage, ob eine Einmalzahlung nun bei 150 oder 175 Euro liegen soll. Es geht darum, ertragsabhängige Lohnkomponenten zu verankern, Arbeitszeitkonten weiter auszubauen und betriebliche Bündnisse für Arbeit aus der juristischen Grauzone zu holen, in der sie sich trotz mancher Fortschritte häufig noch befinden. Und wie wäre es mit langfristigen Abschlüssen über zwei oder sogar mal über drei Jahre? Das gibt Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen Planungssicherheit. Kommt der nächste Aufschwung schneller als erwartet, gibt es eben einen Nachschlag; dies lässt sich mit Revisionsklauseln durchaus festzurren.

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Ob alle Beteiligten die Botschaft verstanden haben? Die aktuelle Lohnforderung der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst der Länder liegt bei acht Prozent. Und die Arbeitgeber wollen zunächst überhaupt kein Angebot abgeben.

*Die Heftstrecke Konjunktur und Wissenschaft trägt von dieser Ausgabe an einen neuen Namen: Der Volkswirt. Damit knüpfen wir an unsere publizistischen Wurzeln an: Vorläufer der WirtschaftsWoche war der 1926 gegründete „Deutsche Volkswirt“. Das Ziel ist heute wie damals das gleiche: unsere Leser mit neuen Erkenntnissen und Analysen aus dem weiten Feld der Ökonomie zu versorgen.

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