Boom and bust: Nicht zu lange im Rollstuhl sitzen

kolumneBoom and bust: Nicht zu lange im Rollstuhl sitzen

Kolumne

Bundesbank und Regierung wollen den Geldmarkt durch eine Clearingstelle beleben. Das macht Sinn, aber nicht auf Dauer.

So kann es tatsächlich nicht weitergehen. Seit Monaten tritt der Geldmarkt nun schon auf der Stelle. Die Banken scheinen sich durch nichts bewegen zu lassen, wieder Geschäfte miteinander zu machen. Überlegungen in Bundesbank und Finanzministerium, den Handel durch eine zentrale Clearingstelle zu beleben, sind daher verständlich. Die Geldmarktgeschäfte würden dann nicht mehr direkt zwischen den Banken, sondern über eine zentrale Stelle wie etwa die Bundesbank abgewickelt, die auch für das Ausfallrisiko einstehen würde. Das sorgt für Transparenz und Sicherheit und könnte das Geschäft beleben.

Doch mehrere Punkte sind zu bedenken: Zum einen kann eine Clearingstelle nicht nur für Deutschland alleine funktionieren. Nur 30 Prozent der Umsätze, die am Geldmarkt des Euro-Raums stattfinden, sind rein national. Gut die Hälfte der Umsätze wird zwischen Banken verschiedener Euro-Länder abgewickelt. An einer Clearingstelle müssen sich alle Euro-Notenbanken und die Europäische Zentralbank beteiligen. Sonst wird die Idee scheitern.

Anzeige

Zugleich sollte man aber auch im Hinterkopf behalten, dass dies nur eine Übergangslösung sein kann. Das Einspringen der Zentralbanken kuriert nicht den Beinbruch des Patienten, sondern setzt ihn nur in den Rollstuhl. Das sichert zwar vorerst die Fortbewegung, wird den Patienten aber auf Dauer nicht wieder auf die Beine bringen.

Dass die Banken sich gegenseitig wieder vertrauen, muss also prinzipiell von ihnen selbst ausgehen. Doch da liegt der Haken: Niemand will derzeit als Erster wieder laufen lernen und dabei womöglich – unter den Blicken der anderen – auf die Nase fallen. Der Rollstuhl scheint derzeit noch allzu bequem, zumal er ja noch von anderen geschoben wird. Die EZB stellt den Banken bereits jetzt schon unbegrenzt Zentralbankgeld zur Verfügung, das diese gegen das Hinterlegen von Sicherheiten bei ihr ausleihen können. Geholfen hat es bislang recht wenig.

Irgendwann wird also die Zeit kommen, in der man dem Fußkranken den Rollstuhl wieder wegnehmen und Anreize zum Laufen bieten muss. Denkbar wäre beispielsweise, dass die EZB den Zinssatz für die Einlagenfazilität von der-zeit zwei auf null heruntersetzt, auch wenn das Steuerungsprobleme mit sich bringt. Doch zumindest käme dann keine Bank mehr auf die Idee, ihre Geld bei der Zentralbank zu parken.

Besser wäre es jedoch, die Banken sähen von selbst ein, dass ihnen ihre Unbeweglichkeit auf Dauer nicht guttut. Es lohnt sich aufzustehen, auch wenn man riskiert, einmal auf die Nase zu fallen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%