Boom and bust: Wie die Henne auf den Eiern

kolumneBoom and bust: Wie die Henne auf den Eiern

Kolumne

Wer rettet uns vor der Rezession? Wichtiger als ein staatliches Konjunkturprogramm ist es, den Kreditkreislauf endlich wieder in Gang zu bringen.

Es muss frustrierend sein: Nun hat die EZB zum zweiten Mal binnen eines Monats die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt gesenkt – so deutlich wie noch nie in so kurzer Zeit. Mehr noch: Die Währungshüter stellen den Banken im Euro-Raum seit Kurzem unbegrenzt Zentralbankgeld zur Verfügung. Und nicht zu vergessen: Die Regierungen haben milliardenschwere Rettungspakete auf die Beine gestellt, um das Vertrauen des Finanzsektors in sich selbst zu stärken.

Doch was passiert? Die Geschäftsbanken hocken auf ihrem Geld wie die Henne auf ihren Eiern. Die Zinssätze am Geldmarkt, der für das Funktionieren des Finanzkreislaufs entscheidend ist, sind nach wie vor zu hoch. Die Banken leihen sich untereinander kaum mehr etwas. Sie horten ihr Geld und parken es – Ironie des Schicksals – zu einem beträchtlichen Teil bei der EZB. Die Einlagefazilität der Zentralbank, bei der die Geschäftsbanken ihr Geld über Nacht anlegen können, ist in den letzten Wochen von 50 Milliarden Euro auf rund 250 Milliarden Euro hochgeschossen – Geld das eigentlich dem Kreditkreislauf zugute kommen sollte.

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Es ist daher verständlich, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den Banken nun die gelbe Karte zeigt. Mehr als ein halbes Dutzend Mal ermahnte er sie nach der EZB-Sitzung vergangene Woche, endlich ihrer Verantwortung gerecht zu werden und das System wieder ans Laufen zu bringen. Er wolle den Banken nicht drohen, betonte Trichet. Doch der erhobene Zeigefinger war kaum zu übersehen: Wir haben unseren Teil getan. Jetzt seid ihr dran.

Trichet weiß, wie heikel die Lage ist. Neuste Daten der EZB zeigen, dass sich die Kreditvergabebedingungen für Haushalte und Unternehmen im Euro-Raum weiter verschärft haben. Vor allem an Unternehmen vergeben die Banken deutlich weniger Kredite. Das wiederum lähmt die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft und beschleunigt den Abschwung.

Nationale Konjunkturprogramme, wie sie jetzt die Bundesregierung angekündigt hat, können als Rettungsanker da nur ein (teurer) Tropfen auf dem heißen Stein sein. Dass durch das Berliner Kraut-und-Rüben-Paket tatsächlich zusätzliche Investitionen und Aufträge von 50 Milliarden Euro angeregt werden, wie es die Bundesregierung hofft, halten Ökonomen für Wunschdenken.

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