Boom and Bust: Zurück im Geschäft, aber mehr auch nicht

kolumneBoom and Bust: Zurück im Geschäft, aber mehr auch nicht

Kolumne

Immer mehr Regierungen fordern auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mehr Einfluss für den Internationalen Währungsfonds. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Sicher, es sind traurige Zeiten für das Finanzsystem. Doch IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn dürfte sich in den letzten Tagen auch hin und wieder einmal heimlich gefreut haben. So viel Aufmerksamkeit wie derzeit gab es für den Fonds schon lange nicht mehr. Die ersten Länder fragen Krisenhilfe nach und immer mehr Regierungen fordern eine stärkere Rolle der Organisation im Finanzsystem.

Noch vor Kurzem galt der 1945 gegründete Fonds vielen als Auslaufmodell: Eine seiner zentralen Aufgaben, die Kreditvergabe an Schwellenländer in instabiler Lage, war zuletzt kaum noch gefordert. Weite Teile Asiens und Lateinamerikas verzichteten lieber auf die an harte Auflagen gebunden Kredite und besorgten sich ihr Geld an den Märkten. Der Fonds selbst plante daher, Personal und Budget massiv zu kürzen.

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Doch nun klopfen die ersten Länder wieder an: Mit Ungarn und Island werden bereits Gespräche über Kreditlinien geführt. Weitere Länder Osteuropas dürften in den nächsten Wochen folgen. „Die Welt soll wissen, dass wir bereit sind, den Ländern zu helfen, die unsere Hilfe brauchen“, posaunte Strauss-Kahn.

Es ist gut, dass der IWF nun einspringt, denn dafür ist er schließlich da. Die entscheidende Frage wird jedoch sein, ob – und wenn ja – welche Rolle dem Fonds darüber hinaus in Zukunft zuwachsen könnte. Der britische Premier Gordon Brown fordert, den IWF zu einer zentralen Frühwarnstelle des globalen Finanzsystems aufzuwerten. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel macht sich gar für seine Rolle in der globalen Bankenaufsicht stark.

Es ist schon richtig: globale Systemkrisen erfordern globale Lösungen. Doch ob sich die 185 Mitgliedsländer des Währungsfonds einigen können, dem Fonds mehr Kompetenzen einzuräumen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Gegenwärtig sieht es nicht danach aus, dass etwa die EU mit ihrer zersplitterten Bankenaufsicht einen neuen Superaufseher befürworten würde. Sie hat ja noch nicht einmal regional eine vernünftige Kooperation erreicht. Und auch der IWF als Watchdog ist ein heikles Thema – viele Länder ärgern sich über den erhobenen Zeigefinger aus Washington. China etwa warf dem Fonds nach einem kritischen Bericht vor, ein Büttel der US-Regierung zu sein.

Wer dem IWF mehr Kompetenzen geben will, muss daher zuerst die Machtverhältnisse im Fonds und damit die Verteilung der Stimmrechte neu ordnen. Bislang dominieren dort Europa und die USA. Doch wenn alle mitziehen sollen, müssen die anderen stärker mitreden. Wer lässt sich ansonsten schon gerne in die Karten schauen?

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