Boom & Bust: Ab in die Mülltonne

kolumneBoom & Bust: Ab in die Mülltonne

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Kolumne von Malte Fischer

Amerika will China mit Strafzöllen zur Aufwertung des Yuan zwingen. Ein gefährlicher Weg für die Weltwirtschaft.

Wahlkampfzeiten sind schlechte Zeiten für ökonomische Entscheidungen. Das hat sich in der vergangenen Woche erneut bestätigt, als das US-Repräsentantenhaus mit einer Mehrheit von 348 zu 79 Stimmen ein Gesetz beschloss, das Chinas Wechselkurspolitik als Exportsubvention klassifiziert – und der Regierung von Präsident Barack Obama erlaubt, Strafzölle auf chinesische Importe zu erheben. Schon seit Langem ist den Amerikanern die Wechselkursbindung des chinesischen Yuan an den Dollar ein Dorn im Auge. Der Yuan sei um mindestens 40 Prozent unterbewertet, Chinas Exporte hätten in den vergangenen zehn Jahren dadurch mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze in den USA vernichtet, lautet der Vorwurf.

Noch ist das Gesetz nicht in Kraft. Zuvor muss der Senat sein Placet geben. Dessen Entscheidung ist erst für die Zeit nach den Zwischenwahlen zum US-Kongress am 2. November zu erwarten. So kann man nur hoffen, dass bis dahin wieder Vernunft im Kapitol einzieht und der Senat das Gesetz dorthin befördert, wo es hingehört – in die Mülltonne. Denn der Versuch, das chronische Defizit der amerikanischen Handelsbilanz durch eine Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar zu beseitigen, ist zum Scheitern verurteilt. Amerika weist nicht nur gegenüber China einen Negativsaldo in der Außenhandelsbilanz auf, sondern gegenüber 90 Ländern. Und das, obwohl der Dollar gegenüber dem Korb der wichtigsten Handelspartnerwährungen seit Anfang 2002 real um 23 Prozent abgewertet hat. Denn der wahre Grund für das Loch in der US-Handelsbilanz ist nicht bei den Wechselkursen zu suchen.

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Er liegt darin, dass die Amerikaner zu wenig sparen. Im vergangenen Jahr belief sich die gesamtwirtschaftliche Ersparnis von Bürgern, Unternehmen und Staat auf minus 2,3 Prozent des Volkseinkommens. In den vergangenen Jahren konsumierten die Bürger auf Pump, jetzt tut es der Staat. Das hat einen riesigen Importsog ausgelöst, der die Handels- und Leistungsbilanz tief in die roten Zahlen getrieben hat. Wenn Amerika da wieder herauskommen will, muss es seinen Verbrauch zurückschrauben und mehr sparen. Die Bürger scheinen das verstanden zu haben, ihre Sparquote steigt bereits. Nicht so die Regierung. Statt zu sparen, räsoniert Präsident Obama über zusätzliche kreditfinanzierte Ausgabenprogramme.

Aber nicht nur Amerika, auch China muss die Weichen neu stellen, soll der Handelsdisput ein glimpfliches Ende nehmen. Statt wie bisher einseitig auf die Exporte zu setzen, muss die Regierung in Peking die Binnennachfrage ankurbeln. Ein effizientes soziales Sicherungssystem und ein funktionierender Dienstleistungssektor würden helfen, die Sparneigung der Bürger zu senken und ihre Kauflaune zu heben. Bleiben dagegen die Ungleichgewichte zwischen Ersparnissen und Investitionen in den USA und China bestehen, droht die Wechselkursfrage in einen Handelskrieg zu münden – mit desas-trösen Folgen für die gesamte Weltwirtschaft.

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